Auto-Technik: 13 Highlights der IAA 2013 Für das Auto der Zukunft

18.10.2013

Neben Showcars und neuen Autos gab es auf der IAA 2013 viele Autotechnik-Highlights zu sehen

AUTOMATIK

Bei der CO2-Reduzierung kommt dem Getriebe eine maßgebliche Aufgabe zu. Mercedes entwickelte das neue Automatik-Getriebe 9G-Tronic mit neun Gängen – erstmaliger Serieneinsatz ab sofort im Mercedes E 350 BlueTEC. Durch die weite Spreizung – dem Übersetzungsverhältnis von kleinstem zu höchstem Gang – von 9,15 konnte das Drehzahlniveau weiter gesenkt werden. Das Getriebe kommt mit vier Planetenradsätzen und sechs Schaltelementen aus, das Gewicht konnte im Vergleich zur 7G-Tronic sogar gesenkt werden.

RANGE EXTENDER 

Durch eine Konstruktion mit aktiver Schwingungskompensation gelang es den Ingenieuren der Kolbenschmidt Pierburg (KSPG) AG, einen besonders geräuscharmen Range Extender zu konstruieren. Dieser lädt die Batterie des E-Autos unterwegs nach. Der 0,8-l-Zweizylinder-Benziner in liegender V-Bauweise treibt über Zahnräder zwei Generatoren an. Das 40-PS-Triebwerk wiegt nur 62 Kilogramm und ist so kompakt, dass es unter den Ladeboden eines Fiat 500 passt.

PKW - STAHLKOLBEN

Mit Stahl- statt Alu-Kolben für Pkw-Dieselmotoren bietet die KSPG AG ein Technik-Detail an, das zum reduzierten Verbrauch und zum verbesserten Geräuschverhalten beiträgt. Stahlkolben sind kompakter und dehnen sich bei Temperaturanstieg weniger aus. So ist ein kleineres Einbauspiel möglich, was die Reibungsverluste und die Neigung zum Kolbenkippen verringert. Der Serienstart der neuen Kolben wird 2014 im Vierzylinder-Biturbodiesel von Renault erwartet.

SOLARDACH

Die Suche nach Möglichkeiten zur Verbrauchssenkung macht selbst vor den Dachherstellern nicht Halt. Der Zulieferer Webasto, Spezialist für Dachsysteme und Standheizungen, hat ein Solardach entwickelt, mit dessen Hilfe sich der gewonnene Strom direkt in die Batterie einspeisen lässt – bei optimalen Bedingungen bis zu 154 Wh. Die Folge: Die Lichtmaschine wird entlastet, der Verbrauch sinkt. Ein Auto mit Benziner emittiert damit durchschnittlich 2,6 g/km weniger CO2, ein Diesel rund 1,8 g/km. Die Hersteller können sich das Dach als Öko-Innovation auf den Flottenverbrauch der Neuwagen anrechnen lassen.

BEDIENUNG

Bei künftigen Anzeige- und Bedieneinheiten im Auto sollen die Erfahrungen bei der Handy-Bedienung via Touchscreen Pate stehen. Continental legt auf eine „automotivegerechte“ Auslegung Wert. So quittiert das Touch-Element den Tastendruck mit so genannter haptischer Rückmeldung. Im Klartext: Wird der richtige Bereich getroffen, dann spürt der Fahrer ein sehr kurzes Vibrieren – das fühlt sich so ähnlich an wie die Bedienung einer knackigen Kurzhubtaste. Ein zusätzlicher Kontroll-Blick auf das Display wird dadurch überflüssig, was die Ablenkung reduziert und der Verkehrssicherheit zugute kommt.

LEICHTBAU

Der französische Spezialist für Fahrzeug-Anbauteile und Kraftstoffsysteme Plastic Omnium entwickelt ge-schlossene Tanksysteme für Hybridfahrzeuge. Dabei setzt
er auf leichte Kunststofftanks, die teilweise mit Kohlefasermatten verstärkt sind. Sie können Druckverhältnissen von -160 bis 350 Millibar bei minimalerVerformung standhalten. Das ist bei Temperaturschwankungen nötig sowie wenn lange Zeit kein Kraftstoff entnommen wird und kein Gas entweicht. Vor dem Tanköffnen macht ein spezieller Hydraulik-Ausgleich das System drucklos.

BREMSKRAFTVERSTÄRKER

Speziell für Hybrid- und Elek-trofahrzeuge hat Bosch den elektro-mechanischen Bremskraftverstärker iBooster entwickelt. Das kompakte Bauteil bietet gegenüber Unterdruck-Bremskraftverstärkern zahlreiche Vorteile, etwa die fast vollständige Bremsenergie-Rückgewinnung – bei E-Autos wichtig. Zudem baut das System den Bremsdruck schneller auf, was den Bremsweg verkürzt. Auch verschiedene Bremskennlinien lassen sich realisieren. Premiere feiert der iBooster im VW e-Up.

VERNETZUNG

Um immer und überall die wichtigsten Infos über das eigene Auto zu haben, stellt Delphi ein Connect Modul vor, das am Onboard-Diagnostik-Port (OBD) eingesteckt wird. Per Smartphone-App und speziellen Cloud-Server lassen sich viele Funktionen abrufen. Dazu zählen Kilometer- und Verschleißzustand sowie abgelegte Fehlermeldungen von Motor und Getriebe. Über einen integrierten GPS-Chip kann zusätzlich ein Fahrtenbuch geführt und das Fahrzeug auf dem Parkplatz geortet sowie ein gestohlenes Auto wiedergefunden werden (Echtzeit-Tracking).

48-VOLT-BATTERIE

Künftig sollen Micro Hybrid Systeme zur Energie-Effizienz beitragen. Nach Untersuchungen von JohnsonControls lässt sich dadurch der Kraftstoffverbrauch von Fahrzeugen um bis zu 15 Prozent verringern. Parallel zur 12-Volt-Starterbatterie wird eine 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie eingesetzt. Diese wiegt nur halb so viel, dient zur schnellen Aufnahme von Bremsenergie und deckt den höheren Leistungsbedarf von Klimaanlagen sowie aktiven Fahrwerkssystemen ab.

ABGASNACHBEHANDLUNG

Um künftigen Emissions-Gesetzgebungen gerecht zu werden, stellt Tenneco ein Abgassystem vor, bei dem der Partikelfi lter und der SCR-Kat (Stickoxid-Reduktion) in einem Modul integriert sind. Diese „Kompakte Mischzone“ trägt dazu bei, dass der eingespritzte Harnstoff effizient in gasförmiges Ammoniak umgewandelt wird. So soll er im SCR-Kat besonders wirksam die Stickoxide reduzieren können. Asche-Ablagerungen entstehen dank hoher Temperaturen nicht. 

HYBRID-GETRIEBE

Der Getriebespezialist Getrag stellt den Nachfolger seines Sechsstufen-Doppelkupplungsgetriebes für den Front-Quer-Einbau vor. Es verfügt jetzt über sieben Gangstufen, soll in verschiedenen Drehmoment-Varianten angeboten werden und arbeitet effizienter. Zu den Besonderheiten zählt die kompakte und leichte Bauweise. Neben einer konventionellen Ausführung gibt es künftig ein Pendant für Hybridfahrzeuge. Dieses beherbergt einen getriebe-integrierten Elektromotor.

HANDBREMSE 

Bei den neuen Bremssätteln für Ferrari gelang dem italienischen Bremsenhersteller Brembo eine Verringerung der (ungefederten) Massen von über drei Kilo. Und das, obwohl hier erstmals eine elektrische Feststellbremse mit kompletter Mechatronik integriert ist (schwarzer Teil oben im Bild). Brembo hat zudem eine um zehn bis 15 Prozent leichtere Bremsscheibe gebaut. Bei ihr besteht nur die eigentliche Scheibe aus einer Gusseisenlegierung, die Befestigungsglocke dagegen aus dünnwandigem Stahl (2,5 mm). Sie soll in einer Mercedes-Baureihe eingesetzt werden.

TURBOLADER

Mit dem elektrisch angetriebenen Supercharger von Valeo soll sich der Kraftstoffverbrauch eines Verbrennungsmotors um zehn bis 15 Prozent verringern lassen. Durch den elektrischen 12-Volt-Antrieb entsteht ein direktes, motordrehzahlunabhängiges Ansprechverhalten (also bereits nach 350 ms). Valeo wirbt mit einer Steigerung der Verkehrssicherheit: Ohne Herunterschalten soll dieser elektrisch angetriebene Turbolader die Beschleunigung eines Kompaktwagens um 27 Prozent verbessern. Das verkürzt Überholvorgänge, da er drei bis fünf Mal schneller als ein herkömmlicher Abgas-Turbolader arbeitet.

Holger Ippen, Alexander Lidl

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