Autonomes Fahren: In Deutschland miterfunden Daimler experimentierte schon in den 90ern mit Autopilot

von Julian Islinger 17.07.2017

Beim Thema "Autonomes Fahren" denken die meisten zuallererst an Tesla. Nur die wenigsten wissen, dass Daimler-Benz und die Bundeswehr schon in den frühen 90ern mit Autopiloten experimentierte. Federführend war dabei Professor Ernst Dickmanns und sein VAMORS-Prototyp.

Stimmen die Vorhersagen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, wird das "Autonome Fahren" per Autopilot bald flächendeckend Realität in Deutschland und dem Rest der Welt. Der Traum, sich während der Fahrt bequem zurückzulehnen, eine Zeitung oder ein Buch zu lesen, während das Fahrzeug selbstständig die Strecke absolviert, könnte bereits ab 2030 zu einem Massenphänomen werden. So sollen laut Marktforscher schon 2035 mehr als 95 Millionen Autos in Umlauf sein, die ohne Zutun des Menschen automatisch fahren können. Eine Vorreiterrolle in diesem Mega-Trend nimmt die E-Auto-Firma Tesla von Technik-Mastermind Elon Musk ein. Tesla möchte nicht nur das emissionsfreie Autofahren massentauglich machen, sondern arbeitet ebenso eifrig an der Entwicklung des Autopiloten. So gibt es bereits seit 2015 Hardware in Tesla Model S und Model X, die per Rundumkamera Hindernisse erkennt und auf diese reagieren kann. Dies erlaubt dem Autofahrer, während der Fahrt kurzzeitig die Hände vom Lenkrad zu nehmen, ohne, dass das Auto die Spur verlässt. Dass es sich dabei allerdings noch nicht um ein vollentwickeltes Programm zum "Autonomen Fahren" handelt, zeigte sich erst 2016 bei einem tödlichen Unfall in den USA, bei dem der Unglücksfahrer zu lange die Hände vom Lenkrad genommen und die Warnhinweise des Autopiloten ignoriert hatte. Tesla plant derweil, bis 2019 ein Modell vorzustellen, das auch die letzten Hürden zum vollautonomen Fahren genommen hat. Man wird abwarten müssen, was daraus wird. Tatsächlich wissen allerdings nur die wenigsten, dass schon Jahrzehnte vor Elon Musks Zukunftsvision in Deutschland vom Autopiloten geträumt wurde. Ein Mann wird damit vor allem in Verbindung gebracht: Professor Ernst Dickmanns.

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Probefahrt mit dem VAMORS-Prototyp (Video):

 

"Autonomes Fahren" an deutschen Unis miterfunden

Die den Autopiloten der Gegenwart zugrunde liegende Technik wurde bereits in den frühen 1990er-Jahren an der Universität der Bundeswehr in München erfunden, dessen Forschungsabteilung für neuartige Fahrzeugtechnologien von Professor Dickmanns geleitet wurde. Als Experte für "technisches Sehen", entwickelte er ein "Versuchsfahrzeug für autonome Mobilität und Rechnersehen" (kurz: VAMORS), dessen Kameras die Gegebenheiten der Straße vor und hinter dem Wagen erfassen und in einfache Fahrmanöver wie Spurwechsel oder Überholen umsetzen konnten. Die von VAMORS aufgezeichneten Bilder wurden sofort digitalisiert und als Datensätze an ein Computernetzwerk gesendet, das beim ersten Prototyp noch das gesamte Heck des Fahrzeugs ausfüllte. Anders als heute, gab es zu Dickmanns Pionierzeiten noch kein satellitengestütztes Navigationssystem, das eine Vorausberechnung der Route ermöglichte. Stattdessen basierte VAMORS Autopilot auf visuellen Informationen, die als abstrakte Linien und Schatten vom Rechner verarbeitet wurden.

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Tesla-Autopilot im Vergleichstest

 

Daimler unterstützte Entwicklung von Autopilot

Bei dem Bundeswehr-Prototyp aus München sollte es nicht bleiben. Dickmanns Versuchswagen wurde zusammen mit der Daimler-Benz-Forschungsabteilung von Mercedes weiterentwickelt. Dort nannte man das Ergebnis Vision Technology Applicaton (kurz: Projekt Vita), ein mit inzwischen 18 Kameras ausgestattetes Versuchsfahrzeug mit lückenlosem Rundumblick. Um die so aufgenommenen Bilder von der Strecke sofort bearbeiten und das Auto auf Strecke halten zu können, führten im Heck des Autos 70 parallel geschaltete Mikroprozessoren jede Sekunde bis zu 850 Millionen Rechenoperationen durch. So ausgestattet, konnten zwei S-Klassen bereits Ende 1994 bei einer Fahrpräsentation ihre Insassen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 130 km/h über die Autobahn chauffieren. Während der Fahrt vermochten die Limousinen eigenständig die Spur zu wechseln und andere zu Autos überholen. Nur zur Sicherheit saß ein Fahrer mit an Bord, um im Notfall einzugreifen. Doch dazu sollte es nicht kommen. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung konnte das Projekt-Vita-Fahrzeug 1995 die Strecke von München nach Kopenhagen (immerhin 1700 Kilometer) absolvieren, dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h erreichen und etwa 400 Mal völlig autonom die Spur wechseln. 1995 übernahm in komplexen Situationen (etwa Baustellen oder Autobahnkreuzen) noch ein Fahrer die Kontrolle, bald soll aber auch das nicht mehr nötig sein. Wir sind gespannt, was Tesla und andere Hersteller in naher Zukunft noch bereithalten.

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