Autodesign: BMW-Designchef Adrian van Hooydonk im Portrait Im Portrait: Adrian van Hooydonk

30.08.2010

Er regiert über eine Schatzkammer mit Klassikern, steht aber nicht auf Retro. Dafür hält der Chefdesinger der BMW Group mehr von Charakterstärke

Es ist so ein Tag in München, an dem man gern eine Kugel Eis mehr bestellt. Gute 30, gefühlt an die 40 Grad. Aber an der Ecke des BMW Museums weht ein atemspendendes Lüftchen. Warten auf Adrian van Hooydonk. Der Chefdesigner der BMW Group hat sich aus seinem vollen Terminkalender ein paar Stunden für die AUTO ZEITUNG herausgeschnitten. Für den obersten Formgeber aller Zwei- und Vierräder aus dem Hause BMW sowie der Marken Mini und Rolls-Royce sicher eine verzwickte Operation.

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Und dann ist er da. Sein reinweißer Z4 rollt mit geöffnetem Dach auf den Parkplatz, die große, schlanke Gestalt wächst neben dem Roadster in den Himmel und schreitet über den weiten Platz hinter dem gestrandet scheinenden Museums-UFO. Modischer dunkler Anzug, Hemd mit weit geöffnetem Kragen, grauer Fünf-Tage-Bart. Adrian van Hooydonk hat diesen für ihn typischen coolen Blick aufgelegt. Immer ein bisschen ins Leere schauend, man könnte das auch als leicht gelangweilt interpretieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Designchef ist auch beim Foto-Shooting hochkonzentriert. Ein Motiv nach dem anderen wird geduldig absolviert. Nur das Lächeln fällt zunächst schwer. „Das ist hier ja Arbeit“, sagt er fast entschuldigend. Selbst in der so genannten Schatzkammer des Museums, für die der Niederländer persönlich Autos wie den BMW 3.0 CSI von 1972 oder den 328 Mille Miglia Roadster von 1940 ausgewählt hat, zeigt er sich cool und fast ungerührt, spricht über diese Klassiker aber mit Leidenschaft. „Gerade der 3.0 CSI zeigt bereits vieles von dem, wofür das Design von BMW auch heute steht: Eleganz und Dynamik“, erklärt van Hooydonk. „Genau das erwartet man von einem BMW. Das Design muss authentisch, ehrlich sein.“

Bei solchen klassischen Vorbildern wäre doch Retro-Design angebracht? Der Niederländer schüttelt den Kopf. „Das ist nur etwas für Designer, die rückwärtsorientiert arbeiten. BMW baut modernste Autos mit der fortschrittlichsten Technik – das können wir nicht in alte Formen packen.“ Die einzige Ausnahme von dieser Regel war der Z8 Roadster. „Damit haben wir an den legendären BMW 507 aus den 50er-Jahren erinnert. Damit ist Graf Goertz ein großer Wurf gelungen.“

Und in welche Richtung entwickelt sich nun das BMW-Design? „Effizienz, wir müssen Effizienz zeigen, anschaubar, greifbar machen“, führt van Hooydonk aus. „BMW ist unter den deutschen Premiumherstellern seit Jahren führend in Sachen effiziente Antriebstechnologien. Das muss auch das Design ausdrücken, aber weiterhin genauso Eleganz und Dynamik zeigen. Das ist sicher eine große Herausforderung, aber wir arbeiten daran.“ Erwarten die Kunden nicht eher, dass Ökoautos hässlich sind – so wie ein Bioapfel fleckig sein muss? „Schauen Sie sich die Studie BMW Vision EfficientDynamics an. Ohne jede Frage sportlich und elegant, aber sie wirkt auch sehr leicht und damit sehr effizient.“

Funktioniert das auch bei kleineren Autos? Adrian van Hooydonk macht im Museum gerade einen großen Bogen um die BMW Isetta. Ein Foto? „Nein, die Isetta war sicher zu ihrer Zeit die richtige Antwort, aber so etwas lässt sich heute nicht mehr machen“, erklärt der Chefdesigner und setzt sich lieber vor den 2002ti von 1968. „Das war in Vielem schon ein richtiger BMW. Sicherlich werden wir in Zukunft mehr kleinere Modelle bauen, im Design arbeiten wir gerade daran.“ Stichwort Megacity-Elektroauto. „Auch das wird ein richtiger BMW, authentisch, charakterstark.“ Das ist doch eher eine menschliche Eigenschaft? „Wir wollen Autos bauen, die einen starken Charakter haben. Man kann nicht in allen Eigenschaften gleich gut sein, man muss Prioritäten setzen. Wenn ein Produkt ein bisschen was von jedem hat, wird es beliebig und für den Kunden nicht mehr verständlich.“ Dann sind Autos wie der X6 oder der 5er GT geradezu ideale BMW? „Beide sind völlig neuartige Konzepte und von den Proportionen her sehr eigenständig. Aber ihre Formensprache passt durchaus zu BMW.“

ZWEIRAD-LEIDENSCHAFT
Die Museumsrunde endet vor einer BMW R90 S, einem Sportmotorrad aus den 70ern. „Kennen Sie die neue S 1000 RR? Eine faszinierende Maschine!“ Ein Urteil aus berufenem Munde: Adrian van Hooydonk ist schließlich auch fürs Design der BMW-Zweiradsparte verantwortlich. Zu diesem Job ist er übrigens keinesfalls gekommen wie die Jungfrau zum Kind. „Das ist ein großes Hobby von mir. Ich habe mir schon vor Jahren in den USA eine R69 S aus den 60ern gekauft. Ich zeige sie Ihnen.“

Schnell ist der Anzug gegen Lederjacke, T-Shirt und Jeans getauscht – draußen vor der Tür wartet die frisch restaurierte 42-PS-Maschine. Der stolze Besitzer erzählt: „Da bin ich in Kalifornien viel mit gefahren, leider habe ich keinen für Europa gültigen Führerschein. Und für Fahrstunden fehlte mir bislang die Zeit.“ Noch in diesem Sommer will der 46-Jährige das Thema aber angehen – bei einem Kompaktkurs in einer Ferienfahrschule. „Ich freue mich schon darauf, endlich wieder fahren zu können.“ Und ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht.
Klaus Uckrow

VITA
Geboren 1964 im niederländischen Limburg, Design-Studium an der Technischen Universität Delft und am Art Center Europe in Vevey, Schweiz. Nach Stationen als Produktdesigner in den Niederlanden und Italien 1992 Wechsel zu BMW. Von 2001 bis 2004 leitete er die BMW-Tochter DesignworksUSA mit Studios in Kalifornien, Singapur und München. Unter der Führung seines Vorgängers Chris Bangle übernahm er 2004 das Markendesign von BMW Automobile. Seit März 2009 zeichnet er als Chefdesigner der BMW Group für alle Autos und Motorräder und die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verantwortlich.

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