Autoaufbereitung & Lackpflege für Oldtimer: Hintergründe Schöner Schein

23.06.2013

Autoaufbereitung und Lackpflege bei Oldtimern: Autolack benötigt Schutz und soll glänzen. Eine kleine Geschichte des Lacks – und wie moderne Pflegemittel wirken

Bei der Liebe auf den ersten Blick sind Äußerlichkeiten entscheidend. Auch bei Autos ist das so. Neben der Karosserieform wirkt vor allem der Glanz durch Chrom, Lack und Leder betörend. Während das erste Auto, der Patent-Motorwagen von Benz, nur einen grauschwarzen Rost-Schutzanstrich aus Schusterpech trug, bekamen die in Handarbeit gefertigten Motorkutschen des ersten Jahrzehnts der Automobilgeschichte bereits aufwändige und teure Lacke.

 

BERNSTEIN-SCHMUCK

Das waren Ölfarben auf Leinölbasis oder sogar Bernsteinlacke. Um sie herzustellen, wurden mineralische Pigmente (farbgebende Stoffe) in verfl üssigtem Bernsteinharz gebunden. Kurz nach dem ersten Weltkrieg entwickelten Chemiker aus einem Nebenprodukt der Schießpulverherstellung Nitrocellulose – ein schnelltrocknendes Lackbindemittel. Das kam vor allem der durch Henry Ford eingeführten Fließbandproduktion zugute, denn so verkürzten sich die Taktzeiten enorm. Allerdings waren die ersten Nitrolacke matt und mussten nach dem Aushärten mit einer Polierpaste auf Hochglanz gebracht werden. Und den weißen Decklack gab es erst seit 1928 – nach der Entdeckung des Weißpigments Titandioxid.

Mitte der 30er-Jahre setzten sich dann die selbstglänzenden Kombi-Lacke durch. Sie bestehen aus einer Verbindung von Alkydharzen und Nitrocellulose, sind leichter zu verarbeiten, witterungsbeständiger und mit einem viel größeren Farbumfang realisierbar. Richtig farbenfroh wurden die Autolackierungen erst in den 70ern durch den Einsatz von Acryllacken mit organischen Pigmenten. All diese Lacke haben eine farbstofftragende Außenschicht. Witterungseinfl üsse, häufi ge Wäschen, nicht gleich entfernte Insekten, Baumharz oder Vogelkot beeinträchtigen den gleichmäßig schönen Glanz.

Um den Pflegeaufwand zu minimieren und die Original-Farbtiefe des Neuwagens möglichst lange zu erhalten, setzen Autohersteller seit Mitte der 90er-Jahre auf eine zusätzliche Klarlackschicht. Dieser etwas härtere Lack trotzt den Widrigkeiten des Alltags wie Witterung, UV-Licht, Steinschlag und den feinen Tausalz- und Silicat-Attacken, welche die Oberfl ächen wie ein Sandstrahlgebläse malträtieren. Doch auch diese Schutzschicht kann nicht alles abwehren. Spätestens nach zwei Jahren hat eine spürbare Alterung eingesetzt. Feine Haarrisse und kraterförmige Verletzungen öffnen die Schutzschicht zum darunterliegenden Basislack. Um weiterführende, tiefergehende Schädigungen zu vermeiden, ist spätestens dann eine gründliche Lackpfl ege nötig.

 

SCHÜTZENDER GLANZ

Die sollte stets mit einer Wagenwäsche beginnen, bei der mit möglichst viel Wasser Schmutz und die Reste von Wintertausalz und anderen Chemikalien auch aus verborgenen Ecken gespült wird. Die richtige Politur wird je nach Verwitterungsgrad ausgewählt. Je mehr Schleifmittel sie enthält, desto rascher stellt sich ein sicht- und fühlbarer Erfolg ein. Allerdings ist damit auch der Material-Abtrag größer. Vor allem an Karosseriekanten kann damit bei zu viel Druck der Basislack geschädigt oder mitunter sogar bis auf den Grundlack durchgeschliffen werden. Bei der professionellen Fahrzeugaufbereitung werden von geschultem Personal auch Poliermaschinen eingesetzt. Die eigentliche Politur wird in bis zu vier Schleifgängen durchgeführt. Interessant: Im Mikroskop betrachtet, sieht der Lack vor der Politur wie eine spröde Alpen-Gebirgslandschaft aus.

Viele kleine und hohe Spitzen ragen steil hervor. Nach der Politur wirkt die Oberfl äche wie die von der Eiszeit geglättete Hügellandschaft Mecklenburgs. Beim Polieren füllen Pfl egekomponenten die noch vorhandenen Täler auf. Bei der anschließenden Versiegelung erhält die Oberfl äche eine zusätzliche Schutzschicht. Üblich sind Hartwachse. Sie halten einige Wochen und trotzen etlichen Waschanlagen-Durchgängen. Für besonders schönen Glanz sorgen Produkte, die das Öl der Carnauba- Palme enthalten. Als beständiger gelten aber wachsfreie Hochglanz- Versiegelungen auf Polymer-Basis. Sie bilden einen großfl ächigen Schutzfi lm und sollen viele Monate lang für abperlendes Wasser und Glanz sorgen.

Holger Ippen

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