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VW Golf GTI Pirelli

Da bin ich wieder

Die Formel ist ganz einfach: Golf plus Pirelli ergibt Pirelli-Golf. Vor 24 Jahren startete das legendäre Sondermodell. nun ist es zurück – mit 230 PS, tiefer gelegtem Fahrwerk und Pirelli P Zero-Bereifung

GTI. Drei Buchstaben, die bis heute jede Golf-Generation geziert, aber nur zwei Modellen ihren Stempel aufgedrückt haben: dem ersten und dem aktuellen. Obwohl Generation eins und fünf 28 Jahre auseinander liegen, haben beide etwas gemein – das Sondermodell Golf GTI Pirelli.

Im Mai 1983, kurz bevor die Produktion der ersten Golf-Baureihe mit den sportlichen Buchstaben am Heck eingestellt wurde, präsentierten VW und Pirelli das exklusive und limitierte Sondermodell GTI Pirelli. VW lieferte das Auto, die Italiener Reifen und Felgen. Als ob die Welt darauf gewartet hätte, wurden in den folgenden sechs Monaten 10500 Schlüssel übergeben. Ausverkauft. Wer zu spät kam, konnte sich mit dem Pirelli-Radsatz für den normalen GTI trösten. Aber nur der Echte hatte das Kürzel W65 im Kaufvertrag und im Fahrzeugschein stehen.

Im Frühjahr 2007 feierten tausende GTI-Jünger am Wörthersee in Österreich die Rückkehr des Pirelli-Golf – wieder mit Komplett-Rädern aus Italien. Technisch basieren der Alte und der Neue auf dem jeweiligen Serienpendant. Im Ur-Pirelli ist ein 1,8 Liter großer Saugmotor mit vier Zylindern und 112 PS für Vortrieb zuständig – bei weniger als 800 Kilogramm Leergewicht. Unter der dünnen Blechhaube erwartet den Betrachter pure Technik. Kabel, Schläuche und Drähte sind scheinbar willkürlich im Motorraum verlegt. Faszinierend, denn das Chaos funktioniert und hat leichtes Spiel mit dem Golf.

Die 9,2 Sekunden auf Tempo 100 vergehen wie im Flug, erst bei 183 km/h ist Schluss. Das ist heute keine Zauberei, war vor 24 Jahren aber eine deutliche Ansage in der Klasse der Kompakten. Ein Genuss ist es, beim Herunterschalten Zwischengas zu geben, denn der spritzige Zweiventiler nimmt jeden Gasbefehl direkt und ohne Gedenksekunde an. Dabei erfreut das exakt zu schaltende, sportlich abgestufte Fünfgang-Getriebe. Von außen ist der erste Pirelli-Golf fast schon dezent.

Nur die Pirelli-Kompletträder machen stutzig – hier stimmt doch was nicht91356 Denn die 14-Zoll-Felge, bezogen mit dem 185/40 kleinen Pirelli P6, zieren neun lang gezogene und im Kreis angeordnete Pirelli-P. Der Innenraum verzichtet auf spektakuläre Elemente. Die weichen Sportsitze, das GTI-Lenkrad und der Schaltknauf in Golfball-Form weisen nur verhalten auf das Potenzial der ersten Pirelli-Version hin, für den man 1983 etwa 20.000 Mark berappen musste.

Mehr als ein Vierteljahrhundert später ist alles größer, stärker, schneller. Für das Pirelli-Golf-Comeback nahm Volkswagen Individual, zuständig für Schürzen, Schweller und Räder der auffälligen Art, das 2006 zum GTI-Jubiläum aufgelegte Sondermodell Edition 30 aus dem Regal. Herzstück ist ein mittels Abgasturbo aufgeladener Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum und Benzin-Direkteinspritzung.

230 PS stehen bei 5500 Touren zur Verfügung, die 300 Nm Drehmoment zerren an der Vorderachse. Vom Kraftpaket des Neuen ist unter der Klappe aber nicht viel zu sehen – Plastik versperrt die Sicht. Im Leerlauf klingt das Triebwerk wie ein Selbstzünder, so markant ist das Verbrennungsgeräusch in den vier Zylindern, in die der Kraftstoff mit Hochdruck eingespritzt wird. Gibt man dem Wolfsburger aber die Sporen, sind alle Zweifel wie weggewischt: In diesem Golf sitzt ein waschechter Turbo-Benziner, der richtig Dampf hat.

Nur 6,8 Sekunden dauert es, dann fliegt die Tachonadel über die 100-km/h-Markierung. Mit dem optionalen DSG (Direktschaltgetriebe) bleibt die Uhr sogar zwei Zehntel eher stehen. Besonderes Schmankerl: Für den Bodenkontakt sind vier 225/40 R 18 große Pirelli P Zero verantwortlich. Normalerweise nur Sportwagen der 300-km/h-Klasse vorbehalten, stimmten die Reifen-Ingenieure den Hochleistungs-Pneu speziell auf den GTI ab – mit sehr gutem Ergebnis. Hohe Kurvengeschwindigkeiten, Beschleunigen aus engen Ecken, Anbremsen aus knapp 200 km/h, alles kein Problem – zusammen mit dem um 20 Millimeter tiefer gelegten, alltagstauglichen Fahrwerk.

Lackierte Stoßfänger und Pirelli-Kompletträder sind heute wie damals Standard, am Heck weist ein kleines Pirelli-Emblem auf das Sondermodell hin. Allerdings lässt die neue 18-Zoll-Felge mit fünf Speichen das legendäre Pirelli-P leider nur noch erahnen. Innen geht es dafür ausgefallen zu: bequeme Sportsitze mit Reifenprofil-Prägung in den Mittelbahnen, ein abgeflachtes Sportlenkrad und gelbe Ziernähte an allen Ecken und Enden. Mindestens 30.175 Euro muss man für den neuen GTI Pirelli hinlegen.

Ob auch er zum Mythos werden kann, ist fraglich. Ihm fehlt der Charme des Alten und das gewisse Etwas. Anfang der 80er war der GTI Pirelli etwas Faszinierendes, Nie-Dagewesenes, die Bewunderung hält bis heute an. Ein unverbautes Exemplar in gutem Zustand zu ergattern, ist beinahe unmöglich. Logisch: Wer verkauft schon freiwillig einen echten Pirelli-Golf?
Paul Englert

Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW Golf I GTI Pirelli

PS/KW 111/82

0-100 km/h in 9.20s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 183 km/h

Preis 10.240,00 €

VW Golf V GTI Pirelli

PS/KW 230/169

0-100 km/h in 6.80s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 245 km/h

Preis 30.175,00 €