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Audi A4 DTM im Tracktest

Audi A4 DTM

Audi-Pilot Timo Schneider sicherte sich 2008 zum ersten Mal den DTM-Weltmeistertitel. Was sein A4 DTM kann, erfuhren wir beim ersten Tracktest in Misano

Eckdaten
PS-kW460 PS (338 kW)
AntriebHinterrad, 6 Gang sequentiell
0-100 km/h3.00 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit280 km/h
Preisk.A.

Die Wolken werden dichter. Mitte November ist auch Italien kein Garant für sonnige Tage – und heute ist der Himmel über dem Misano Circuit tief grau. Der Fotograf blickt einigermaßen sorgenvoll. Es gibt tatsächlich einfachere Aufgaben, als bei diesem trüben Licht einen schwarzen Rennwagen abzulichten.

Der Schwarze ist ein Audi A4 DTM. Besser gesagt – es ist genau jenes Auto, mit dem sich Timo Scheider vor wenigen Wochen in Hockenheim zum ersten Mal den Meistertitel der DTM gesichert hat. Die Aussicht auf eine Ausfahrt mit diesem Wagen sorgt bei mir an diesem Morgen ohnehin bereits für eine gewisse Anspannung – und für erhöhten Adrenalinausstoß. Die Eckdaten des Audi sind schließlich eindrucksvoll genug: V8-Motor, 460 PS, 1050 Kilogramm Leergewicht, Kohlefaserbremsanlage, Rohrrahmenchassis. Den Sprint von null auf Tempo 100 absolviert er in wenig mehr als drei Sekunden. Und je nach Übersetzung erreicht der A4 DTM Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h. Das alles klingt nach einem sehr ernsthaften Sportgerät. Und diesen Eindruck unterstreicht die Tatsache, dass dem Fahrer im Audi weder ein ABS-System noch eine Traktionskontrolle unterstützend zur Seite steht. Das technische Reglement des Deutschen Tourenwagen Masters will es so, ein teures Wettrüsten soll damit verhindern werden. Und die Abwesenheit elektronischer Helfer lässt zudem die fahrerischen Qualitäten der Piloten deutlicher in den Vordergrund treten.

Und genau über diesen Punkt muss ich jetzt etwas ernsthafter nachdenken, denn aus den dunklen Wolken fallen die ersten Regentropfen. Es dauert nicht lang, dann ist die Strecke erkennbar feucht. Nicht nur der Fotograf macht nun ein bekümmertes Gesicht. Auch meine Stimmung hat sich eingetrübt: Bereits bei trockener Piste erfordert die Annäherung an einen solch potenten Boliden vom Gast im Cockpit ein gehöriges Maß an Disziplin und Respekt – soll die Testfahrt nicht vorzeitig unsanft im Kiesbett enden. Bei Nässe wird der Grat, auf dem man sich tunlichst bewegen sollte, noch deutlich schmaler.

Doch bevor ich mir mögliche Horror-Szenarien zu intensiv ausmalen kann, weckt mich Armin Plietsch aus meinen Grübeleien. Er bittet zur Sitzprobe. In der abgelaufenen Saison hat der Renningenieur Timo Scheider betreut, jetzt soll er mir in kurzen Worten die Benimmregeln für den Umgang mit dem A4 DTM näherbringen. Zunächst aber muss ich erst einmal überhaupt in dieses Auto einsteigen. Klingt einfach – ist es aber leider nicht. Die Sitzschale befindet sich ungefähr dort, wo im Serienauto die Rückbank montiert ist. Die Rohre des Überrollkäfigs versperren außerdem den Weg. Die Widrigkeiten summieren sich. Und so fällt die Ausführung dieser Übung wenig elegant aus. Aber schließlich habe ich es doch geschafft. Plietsch beugt sich zu mir in den Innenraum und erläutert die Funktionen der wichtigsten Schalter.

Der Sitz passt mir erstaunlich gut, auch die Pedale erreiche ich ohne Probleme. Geschaltet wird das sequenzielle Sechsganggetriebe manuell. „Bitte schnell und mit Nachdruck am Ganghebel ziehen“, erklärt der Audi-Techniker. Ein Hinweis noch auf den Hauptschalter der Stromversorgung und den Starterknopf – jetzt kann es eigentlich losgehen. Mahnende Worte verpackt Plietsch beiläufig in einen subtilen Hinweis: „Es ist feucht draußen.“

Helm aufsetzen, anschnallen. Die Mechaniker schieben den schwarzen Audi aus der Box. Auf Knopfdruck erwacht der Vierliter-V8-Motor lautstark zum Leben. Bevor ich den ersten Gang einlege, gebe ich ein paar kurze Gasstöße, um ein Gefühl für die Reaktionen des Motors zu bekommen. Kleinste Veränderungen der Pedalstellung quittiert er mit ausgesprochen aggressiven Tönen. Der erste Gang rastet deutlich vernehmbar ein. Und ich bemühe mich nun, die Drehzahl bei etwa 2000 Touren konstant zu halten. Dann langsam die Kohlefaserkupplung kommen lassen – und der A4 DTM setzt sich wie erhofft in Bewegung.

Ich rolle die Boxengasse entlang, schalte den Scheibenwischer ein. Und jetzt erst wird mir wirklich bewusst, wie wenig ich beim Blick aus der Frontscheibe sehen kann. Die weit nach hinten verschobene – und extrem tiefe – Sitzposition ist gewöhnungsbedürftig. Wo das Meisterauto zudem vorn endet, kann ich auch nicht konkret ausmachen.

Aber diese Problematik erweist sich nach ein paar Metern einstweilen als Nebensächlichkeit. Der Zustand der Strecke macht mir gerade viel mehr Sorgen: Der Asphalt ist feucht – gerade feucht genug, um Wasser und Gummiabrieb zu einer unerfreulichen Mischung zu vereinen. Es ist äußerst rutschig. Und was das in Verbindung mit kalten Regenreifen bedeutet, zeigt sich schon nach wenigen Kurven: Auch gefühlvoller Gaseinsatz lässt die Hinterräder beim Herausbeschleunigen im zweiten Gang ziemlich haltlos durchdrehen. Das Heck bricht aus, lässt sich aber wieder einfangen. Die erste Schrecksekunde ist überstanden, immerhin. Doch das tänzelnde Heck bleibt ein steter Begleiter auf den nächsten Kilometern im Audi A4 DTM.

 Ich versuche, noch gefühlvoller mit dem Wagen umzugehen – weich einlenken, früh hochschalten. Doch die sanfte Tour birgt andere Probleme: Wer zu zaghaft mit der Bremse umgeht, wird auf wenig Resonanz treffen. Die erhoffte Wirkung zeigt die Kohlefaser-Anlage nur bei Betriebstemperatur. Eine gewisse Vehemenz beim Tritt auf das Pedal ist dafür aber notwendig, sonst wird die Bremse nicht heiß genug. Dieser  Umstand lässt sich aber nur bedingt mit dem schmierigen Untergrund in Einklang bringen. Die Vorderräder neigen zum zügigen Blockieren. Zum Beispiel am Ende der langen Geraden: Im fünften Gang geht es auf eine enge Linkskurve zu, Bodenwellen verschärfen das Ganze noch. Das Ergebnis ist ein weiter Bogen durch die asphaltierte Auslaufzone. Einmal durchatmen.

Als ich schließlich den Wagen nach ein paar Runden unversehrt und ohne Dreher an der Box abstelle, habe ich eine Menge neuer Erkenntnisse gewonnen. Vor allem über die unglaublichen Leistungen jener Damen und Herren, die diese Autos bei ähnlichen Bedingungen im Renneinsatz am Limit bewegen.

Ach ja – eine Stunde später kommt dann in Misano doch noch die Sonne heraus. Aber da bin ich leider schon auf dem Weg zum Flughafen. Dieter Serowy

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Audi A4 DTM

PS/KW 460/338

0-100 km/h in 3.00s

Hinterrad, 6 Gang sequentiell

Spitze 280 km/h

Preis k.A.