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VW Golf und fünf Kompaktklasse-Konkurrenten

Die volle Breite

Die Kompaktklasse offeriert ein breit gefächertes Modellangebot. Je nach Bedarf und Budget bieten fast alle Marken ein passendes Auto an. Wir testen sechs moderne Diesel zwischen 110 und 128 PS im großen Vergleichstest

Kaum ein Segment wird so klar von einem Modell dominiert wie die Kompaktklasse vom VW Golf. Und das, obwohl es dort so viele Rivalen gibt wie sonst nirgends. Doch gilt die Überlegenheit des Wolfsburger Musterknaben auch in Kombination mit dem kleinen 110-PS-TDI und der simplen Verbundlenkerachse im Heck? Gleich fünf Konkurrenten fordern den VW Golf heraus: angefangen beim jüngst überarbeiteten Ford Focus über den noch recht neuen Nissan Pulsar bis hin zu den etablierten Wettbewerbern Kia cee’d sowie Renault Mégane und Peugeot 308 mit dem vor Kurzem auf 120 PS erstarkten 1,6-Liter-Turbodiesel.

VW Golf gegen Fünf: KAROSSERIE

Schon im Design zeigen die sechs Wettbewerber, welche Vielfalt die Kompaktklasse derzeit bereithält. Auch wenn alle Vertreter mit vier Türen (beim Golf optional) und Heckklappe antreten, zeigen sie ausreichend Profil, um nicht verwechselt werden zu können. Hier dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Doch wichtiger ist natürlich, ob die Gestaltung funktional überzeugt und wie groß das Raumangebot ausfällt.

Während auf den Vordersitzen nur relativ geringe Unterschiede auszumachen sind, setzt der Fondraum des Nissan Pulsar neue Maßstäbe: Sein Radstand von 2,70 Metern und die insgesamt längste Karosserie erlauben einen erheblich größeren Knieraum sowie ein maximales Ladevolumen von fast 1400 Litern. Ohne die Rückbank umzulegen, verbucht jedoch der 308 mit 420 Litern den größten Stauraum, obwohl er gut 13 cm kürzer ausfällt als der Pulsar.

Ähnlich kompakt ist der VW, der dennoch ein sehr gutes Raumangebot bereitstellt. Auch der Kia offeriert ein ordentliches Platzangebot. Doch er erkauft sich den großzügigen Knieraum im Fond mit einer kurzen Rückbank, die entsprechend wenig Beinauflage bietet. Der renovierte Focus wiederum hat trotz der stattlichen Außenmaße nicht mehr Platz als der Peugeot und der Renault. Zudem muss sich der Kölner mit dem kleinsten Kofferraum (363 Liter) begnügen. Dafür punktet er mit der höchsten effektiven Zuladung von 531 kg, während der cee’d nur 418 Kilo verkraftet.

Weitere Pluspunkte sammelt der Ford Focus mit seiner umfangreichen Sicherheitsausstattung: Neben den üblichen Airbags gibt es unter anderem einen autonomen Notbremsassistenten, eine Müdigkeitserkennung, einen Notruf, eine Verkehrsschilderkennung, Spurhalte- und Spurwechsel-Assistenten sowie Bi-Xenon-Scheinwerfer samt Kurvenlichtfunktion.

Noch umfassender kümmert sich nur der Golf um die Sicherheit seiner Passagiere, der zwar keine autonome Notbremsfunktion aufweist, aber nach einem Crash selbsttätig stoppt (Multikollisionsbremse) und optional auch eine Abstandsregelung beinhaltet. Überdies gibt es für ihn gegen Aufpreis Seiten-Airbags hinten sowie einen werksseitig installierten Feuerlöscher.

Schlusslicht in der Sicherheitswertung ist der Mégane, der trotz seiner frischen Optik merklich in die Jahre gekommen ist. Bis im Lauf des nächsten Jahres der Nachfolger startet, müssen Renault-Kunden auf viele moderne Assistenzsysteme verzichten. Ähnliches gilt für den Kia cee’d, der lediglich mit Spurhalte- und Einparkassistent  dienen kann.

Auch der Nissan Pulsar zeigt einige Lücken in der Checkliste, bietet aber als einziger ein 360-Grad-Kamerasystem, das aus den Bildern von insgesamt vier Kameras eine virtuelle Aufsicht aus Vogelperspektive berechnet, und einen Bewegungssensor, der vor Fußgängern und Hindernissen im Nahbereich des Fahrzeugs warnt. Dem Peugeot 308 hingegen fehlen nur der Müdigkeits- sowie der Spurhalte-Assistent. Außerdem besitzt er weder Abbiege- noch Kurvenlicht.

Hinsichtlich der Verarbeitung liegen die Rivalen fast alle auf einem Niveau. Während Teppiche und Polster im Nissan weniger ansprechend wirken und die Verankerung der Schalter für die Fensterheber beim Pulsar im Testbetrieb aufgegeben hat, glänzt der Golf mit etlichen feinen Details wie der soliden Haubenentriegelung. Zusammen mit der sehr verwindungssteifen Karosserie und den sauberen Passungen heimst der Niedersachse einmal mehr einen kleinen Zählervorsprung ein. Da passt es gut ins Bild, dass der VW auch bei der Übersichtlichkeit einen marginalen Vorteil verbucht, weil sich seine Motorhaube am besten überblicken lässt und die C-Säule im direkten Vergleich weniger massig baut.

Martin Urbanke