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VW gegen Skoda Teil 3: Golf GTI und Octavia RS im Vergleichstest

VW Golf GTI und Skoda Octavia RS

Der ähnlich starke Skoda Octavia RS will am Sieger-Image des VW Golf GTI kratzen. Hat er eine Chance?

Wenn es in diesem Markenvergleich einen gibt, der einen Ruf zu verlieren hat, dann ist es der Golf GTI. Über Jahrzehnte hinweg hat sich das Kürzel als Synonym für den kompakten Kraftsportler etabliert, der so manchem Nobelhobel frech um die Ohren fährt. Doch mittlerweile gibt es Emporkömmlinge im eigenen Konzern, die sich sogar fast der gleichen Technik bedienen wie der Wolfsburger Klassiker.

Einer von dieser Sorte ist der Skoda Octavia RS, und seinen Angriff auf den GTI startet der Tscheche gleich mit einem Preisvorteil: Der generell fünftürige Octavia kostet 27.640 Euro, für den GTI sind 775 Euro extra für die hinteren Portale fällig, was den Grundpreis auf 28.050 Euro in die Höhe treibt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn beim Skoda sind Xenon-/Kurvenlicht, elektrische Fensterheber auch hinten, 18-Zoll- Räder und Regensensor mit drin, während das Ganze bei VW zusammen noch mal fast 2.300 Euro extra kostet.

SPORTLICHES FLAIR IM GTI
Soweit die Fakten für die kühlen Rechner mit dem spitzen Bleistift. Der Bauchmensch hingegen nimmt im Golf erst mal die perfekt passenden Sportsitze im kultigen Karo-Design wahr und freut sich über die blitzsaubere Verarbeitung des Interieurs mit netten GTI-Applikationen. Zwar bemüht sich auch der Octavia mit RS-Schriftzügen, Alu-Zierrat und Sportgestühl um einen jugendlichen Auftritt, aber das wirkt alles ein wenig trist, und auch die Sitze bieten nicht so festen Halt wie im Golf GTI. Zwar verfügen beide über eng verwandte 2,0-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzer, doch der GTI hat die modernere Ausbaustufe unter der Haube.

Daraus zieht der Wolfsburger in der Praxis mehr Vorteile, als es das 10-PS-Plus gegenüber dem 200 PS starken Octavia RS vermuten lässt. In den gemessenen Fahrleistungen spiegelt sich dieser Umstand zwar nur in geringfügig besseren Beschleunigungs- und Elastizitätswerten wieder, aber dennoch bereitet der GTI-Antrieb mehr Freude. Der Vierzylinder dreht williger hoch, zieht von unten heraus kraftvoller durch und spricht zudem spontaner auf Gaspedalbewegungen an. Obendrein geht auch noch die Soundwertung nach Wolfsburg: Basslastig grollend setzt sich der schwarze Wolf gegen den fast schon zahm klingenden Skoda durch.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch das quirlige 200-PS Kraftpaket im Octavia RS sorgt für reichlich Schub und bereitet seinem Fahrer viel Vergnügen. Doch auf dem heißen Ritt über die Hausstrecke lässt sich der Tscheche dann doch vom GTI den Schneid abkaufen. Was nicht nur am Motor liegt, der, nebenbei bemerkt, im Golf 0,6 Liter weniger verbraucht als im RS (9,1 l/100 km). Der etwas straffer abgestimmte GTI lenkt williger ein, bleibt stabiler auf Kurs, vermittelt mehr Gefühl in der Lenkung und zieht vor allem aus engen Kehren wesentlich traktionsstärker und kraftvoller heraus.

Grund dafür ist das XDS, eine per Bremseneingriff regelnde Differenzialsperre. Über eine ähnliche Technik (EDS) verfügt zwar auch der Skoda, aber sie arbeitet längst nicht so effektiv: Während der GTI-Fahrer bereits mit Vollgas herausbeschleunigt, endet die gleiche Aktion im RS kläglich in den leistungskappenden Fängen der Antriebsschlupfregelung (ASR) – oder bei ausgeschalteter ASR mit durchdrehendem Rad, so dass die Leistung schlicht verpufft. Nun ist man natürlich nicht jeden Tag auf der letzten Rille unterwegs.

Voll alltagstauglich sind beide Kompaktsportler, doch mehr Talente zeigt hier der Skoda mit etwas mehr Platz auf der Rückbank und einem deutlich größeren Kofferraum, der sich nach dem Umklappen der Sitze von 560 auf 1.420 Liter vergrößern lässt. Da muss der Golf mit 350 bis 1.305 Litern bescheiden in den Hintergrund treten. Und Skoda setzt noch einen drauf: Für schlappe 950 Euro mehr bieten die Tschechen den RS mit der Combi-Karosserie an, über deren praktische Vorzüge auf den folgenden Seiten zu lesen ist.

Die Kürzel GTI und RS stehen zwar für Dynamik, aber dennoch kommt der Federungskomfort nicht zu kurz. Der Golf federt zwar etwas sensibler an als der Octavia, wird dann aber deutlich straffer als der RS, der insgesamt mehr Reserven bietet. Ein breiteres Spektrum von Komfort bis Dynamik steckt die optionale adaptive Dämpferreglung DCC (955 Euro) im VW ab, die der Skoda schuldig bleibt. Doch ob mit oder ohne DCC – der GTI lässt sich vom Octavia RS so schnell nicht die Butter vom Brot nehmen.

Fazit

SKODA OCTAVIA RS
Der „GTI der Vernunft“. heißt Octavia RS. Er ist praktischer und günstiger als das Original. Dennoch mag der Funke nicht so recht überspringen. Dafür fehlt es dem RS etwas an Fahrdynamik und Liebe zum Detail.

VW GOLF GTI
Den klug geplanten Angriff des Skoda wehrt der Golf lässig ab. Einen GTI fährt man, um im Alltag mit einem vernünftigen Kompaktauto unvernünftig viel Spaß zu haben. Und das beherrscht der VW wie kein anderer.

Jürgen Voigt

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Skoda Octavia RS

Skoda Octavia RS

PS/KW 200/147

0-100 km/h in 7.10s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 242 km/h

Preis 27.640,00 €

VW Golf GTI

VW Golf GTI

PS/KW 211/155

0-100 km/h in 7.00s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 240 km/h

Preis 28.050,00 €