Verbrauchstest 2012: Automatik-Getriebe und Schaltversion im Vergleich

Schalten und Walten

Manche Automatik-Autos sollen so sparsam sein wie Handschalter. Die Wahrheit im großen Verbrauchsvergleich 2012

Fragt man Otto-Normalfahrer, ist der Fall klar: Automatik-Getriebe steigern den Spritverbrauch und verschlechtern die Fahrleistungen. Vom höheren Anschaffungspreis ganz zu schweigen. Das dürften unter anderem Gründe dafür sein, warum mit Ausnahme der Ober- und Luxusklasse die Ausrüstungsquote mit den komfortfördernden Schaltautomaten bislang eher übersichtlich ist.

Wer heutzutage den Kupplungsfuß schonen und stattdessen von der Technik schalten lassen möchte, hat die Wahl zwischen verschiedenen Systemen. Neben der klassischen Wandlerautomatik stehen je nach Hersteller und Modell Doppelkupplungsgetriebe mit Automatik-Funktion, automatisierte Schaltgetriebe oder stufenlose CVT-Transmissionen zur Wahl. Technisch sind einige Systeme laut Hersteller inzwischen soweit, dass die EU-Normverbräuche nicht mehr höher als die der entsprechenden Handschalter-Versionen ausfallen – auf dem Papier liegt der Kraftstoffkonsum entweder gleichauf oder teilweise sogar darunter.

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Grund genug zu untersuchen, ob die Praxis hält, was die Theorie verspricht. Hierzu haben wir vier Paarungen – zwei Benziner und zwei Diesel – ausgesucht und auf ausgedehnte Verbrauchsfahrten geschickt. Zunächst galt es, die AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde zu absolvieren, die auf 108 Kilometern einen Mix aus dem realen Verkehrsgeschehen abbildet. Dazu gehören Stadtverkehr, Autobahn mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h, Autobahn-Volllast- und Landstraßen-Etappen. Die anschließende Runde durch das Kölner Stadtgebiet ist 100 Kilometer lang und deckt das innerörtliche Verkehrsgeschehen ab. Hier ist viel Schaltarbeit nötig, was die Automatik-Getriebe besonders fordert. Erstes Ergebnis: Auf der konventionellen Verbrauchstour fielen – wie gewohnt – die Praxiswerte höher aus als die Werte, die im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) als EU-Verbrauch für das jeweilige Modell auf dem Rollenprüfstand ermittelt wurden. Dies erklärt sich aus dem Umstand, dass der EU-Zyklus nur bis Tempo 120 km/h gefahren wird.

Die Stadtrunde absolvierten die Kandidaten dagegen mit deutlich günstigeren Verbrauchswerten im Vergleich zu jenen, die nach EU-Norm als „Verbrauch innerorts“ in den technischen Daten der Fahrzeuge genannt werden. Dies hängt ebenfalls mit der realitätsfernen Konfiguration dieses Messverfahrens zusammen, das zum Beispiel lediglich 13 Minuten dauert und dabei eine Beschleunigungsphase von null auf 50 km/h in fragwürdigen 26 Sekunden vorsieht. Auch darf hierbei maximal der dritte Gang genutzt werden.

Zu den von uns ermittelten besseren Stadtverbräuchen trägt übrigens bei, dass alle Testkandidaten mit Start-Stopp-System ausgerüstet waren, wodurch spritverschwendende Leerlaufphasen vermieden wurden. Im Praxistest sollte das Testteam auf der Stadtrunde nach Möglichkeit zügig beschleunigen und vorausschauend fahren, um so gut wie möglich im Verkehr mitzuschwimmen. Hier wählten die Fahrer der Automatik-Modelle den Normal- oder – falls vorhanden – den Eco-Modus, und die Piloten der Autos mit Handschaltung fuhren nach Möglichkeit stets im höchsten Gang.

Hier geht es zu den einzelnen Testberichten:

AUDI A1 1.4 TFSI
BMW 118d
MERCEDES C 180 BlueEFFICIENCY
PEUGEOT 308 eHDi FAP 110

FAZIT

Die ermittelten Kraftstoffverbräuche belegen eindeutig: Wer heute zu einem Automatik-Getriebe statt zur Schaltversion greift, erwirbt keinen Spritsäufer mehr. Im reinen Stadtverkehr liegen die realen Differenzen zwischen null (Peugeot) und mageren 1,0 Litern (Mercedes). Auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde nivellieren sich diese Differenzen in der Regel sogar auf 0,1 Liter und landen damit im Bereich der Messtoleranz. Einzig der Mercedes schlägt hier mit einem Mehrverbrauch von 0,7 Litern zu Lasten der Automatik nach oben aus. Ein Wert, der je nach Fahrer aber auch deutlich geringer ausfallen kann. Wer schalten lässt, muss sich also nicht mehr zwangsläufig auf einen Mehrverbrauch einstellen. Für den höheren Komfort ist in erster Linie der höhere Anschaffungspreis fällig. Diese Differenz ist beim Peugeot mit 600 Euro am niedrigsten. Dafür ist der Schaltkomfort aber auch verbesserungsfähig.
Elmar Siepen