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VW Golf 1.4 TSI gegen VW 1300

Unmöglicher VW-Vergleich: Käfer gegen Golf

VW Golf 1.4 TSI | VW 1300
VW Golf 1.4 TSI und VW 1300 im Vergleich der AUTO ZEITUNG

Unmöglicher Vergleich
VW Golf 1.4 TSI und VW 1300 im Vergleich

Es ist Zeit für einen unmöglichen Vergleich: Welcher Volks-Wagen ist der beste? Im 3500. Test der AUTO ZEITUNG trifft der Golf 1.4 TSI auf eine rollende Legende – den Käfer

Autos testen, das hieß in den 60er- und 70er-Jahren, regelmäßig den VW Käfer unter die Lupe zu nehmen. Waren die großen Ferien in Wolfsburg vorbei, gab es meistens etwas Neues zu entdecken am Wirtschaftswunderkrabbeltier. Wann immer „das Werk“ Hand an den „Typ 1“ legte, stieg die Fachsimpelfrequenz an den Stammtischen: „Er hat jetzt eine Startautomatik. Für den Export gibt es neuerdings ein Stahlkurbeldach für 250 Mark.“

Erhöhte das Werk die Preise, war das eine Meldung in der Tagesschau wert. Als der kleine Rundling 2003 nach 65 Produktionsjahren ausgekrabbelt hatte, waren exakt 21.529.464 Exemplare gebaut worden. Der Held trat ab und wurde zur Legende. Längst ist ein anderes WOB-Mobil zum Stammhalter der Niedersachsen geworden: der Golf. Seit 1974 im Programm, spielt der kompakte Allrounder die Rolle des Volks-Wagens. Geht der Golf gut, geht es VW gut. Aber ist der Golf auch das bessere Auto? Besser als sein Urahn? Oheim gegen Spund. Ein beinahe unerhörter Vergleich.

41 JAHRE UNTERSCHIED
Es treten an ein VW 1300 Baujahr 1969 mit 40-PS-Boxer im Heck und ein Golf VI in der augenblicklich beliebtesten  Darreichungsform als 122 PS kräftiger 1.4 TSI – viertürig und mit dem formidablen Doppelkupplungsgetriebe (DSG) unter Deck, das auch die schwindende Zahl der Automatik-Skeptiker überzeugen kann. Bevor der Golf den alten Meister mit der Güte seiner Mehrfachlenkerhinterachse in Grund und Boden federt, ihn nach Lust und Laune ausbeschleunigt oder ihm dank der Genügsamkeit seines aufgeladenen 1,4-Liter- Benzin-Direkteinspritzers in ungeahnte Reichweiten enteilt, haut der erfahrene Buckel dem werksneuen Frischling erst einmal eine Breitseite in die crashoptimierte Front.

Neupreis: 5.495 Mark! Das macht präzise 2.809 Euro und 55 Cent und brächte im pingelig genauen AUTO ZEITUNG Vergleichstest den Fabelwert von 650 Punkten. Zum Vergleich: Der in AZ-Normausstattung – sie enthält die gängigsten Extras – genau 24.185 Euro teure Golf kommt auf 229 Zähler. Allerdings: Vor 41 Jahren, als eine Schachtel Lord Extra zwei Mark kostete, wogen 5.495 Mark natürlich schwerer auf der Hand als heute. Der Fairness halber berücksichtigen wir die seither in Deutschland aufgelaufene Preissteigerung. Der mausgraue 1300er würde währungs- und inflationsbereinigt 6.012 Euro kosten. Das reicht für immer noch phänomenale 581 Punkte. Zum höheren Tarif bietet der Golf dafür Annehmlichkeiten, die man sich anno dazumal nicht im Traum vorstellen konnte: Das CD-Radio oder die fernbedienbare Zentralverriegelung waren noch nicht erfunden, Klimaanlagen unverschämt teuer und zudem höchst selten. Von der Sicherheitsausstattung gar nicht zu reden, aber dazu später mehr.

HABEN UND NICHT HABEN
Der Käfer bietet vier serienmäßig bis auf den Boden herabreichende Räder, einen abschließbaren Handschuhfachdeckel und ein zentrales, nicht zu übersehenes Rundinstrument mit den Anzeigen für das Allerwichtigste. Den neuzeitlichen Fensterhebern des Golf – die seitlichen Glasflächen verschwinden auf Knopfdruck geheimnisvoll in den Türen – setzt der Käfer Kurbelscheiben entgegen und seine erstaunlich effektiven Dreiecksfenster. Im richtigen Winkel aufgestellt, leiten sie Frischluft ins Innere – so lange die Fuhre rollt. Tut sie es nicht, wird es des sommers lecker warm unterm grauen Kuppeldach.

Mangels Staudruck können dann auch die beiden Frischluftregler im Armaturenbrett nichts ausrichten. Ein Lüftungsgebläse hat der 1300er nicht. Tipp: manuelle Beduftungsanlage mitnehmen. Kölnisch Wasser wirkt Wunder. Stichwort Heizung: Die ausgefeilte und schnell reagierende Golf-Klimatisierung versucht der Käfer mit einer schwer zu beeinflussenden Warmluftheizung zu kontern. Regelmäßiger Quell des Verdrusses sind die vermaledeiten, am Auspufftopf platzierten Heizbirnen, (Anm.: Gefühlsausbruch des Autors, geht nicht in die Bewertung ein.), deren Klappensteuerung gern festgammelt und oft zu Beginn oder Ende einer Heizperiode mit dem Hammer in Gang gesetzt werden muss. Ansonsten gibt die Bedienbarkeit des Käfers keine Rätsel auf. Die wenigen Schalter sind schnell lokalisiert und liegen gut zur Hand. Im Golf gibt es aufgrund der Fülle von Ausstattungsfeatures mehr zu tun. Dennoch Kompliment: typisch VW sind die Bedienelemente logisch aufgebaut.

ZWEI KOMFORT-WELTEN
Angenehm straffe Sitze, ein luftiges Raumgefühl vorn und ordentliche Platzverhältnisse hinten adeln den Golf zum Reisewagen. Ob leer oder beladen, die Golf- Federung nimmt selbst derben Pisten ihren Schrecken, Roll- und Antriebsgeräusche bleiben dezent im Hintergrund. Der Käfer verwöhnt mit einer automatischen Sitzhöheneinstellung: Gewichtsabhängig sinken Fahrer und Beifahrer mehr oder weniger tief in die Polster ein. Im Kurzstreckenverkehr durchaus angenehm.

Gewöhnungsbedürftig ist hingegen der von der Hinterachse herrührende Trampolin-Effekt des Aufbaus auf welligem Grund. Von Platzangebot im engeren Sinne kann beim Käfer keine Rede sein, selbst wenn uns der Erinnerungsoptimismus Bilder vom Campingurlaub am Gardasee einblendet – fünf Mann, Dosen-Ravioli für drei Wochen, Schlauchboot, Außenborder, Kiste Pils. Der Käfer ist klein. Es ging halt irgendwie.

SCHMALER GRENZBEREICH
Irgendwie „ging“ auch das Fahrverhalten des Ur-Volkswagen. Geübte Käfer-Fahrer hatten Spaß im Schnee und kannten den schmalen Grenzbereich des Hecktrieblers. Im Fahrverhalten trennen die beiden Wolfsburger nämlich Welten. Während der Käfer im Slalom wegen der latenten Hecklastigkeit und seines geringen Gewichts noch wacker durch die Pylonengasse eilt, zeigen ernsthafte Handlingversuche seine Grenzen auf. Grund: Lange hielt VW beim Käfer an der tückischen Pendelachse fest. Eine ausgefederte Pendelachse verkleinert ihre Spurbreite und verändert den Radsturz extrem. In zu schnell angegangenen Kurven kann das Heck plötzlich ausbrechen.

Der im Fahrversuch stets mustergültig seine Bahn ziehende Golf vertraut auf seine aufwändige Mehrfachlenkerachse hinten, umrundet auch schnelle Kurvenradien mit stoischer Gelassenheit und lässt dem Oldie keine Chance. Ebenso mustergültig sind Lenkung und Bremsen abgestimmt. Hinzu kommt das sauber eingestellte, reaktionsschnelle Doppelkupplungsgetriebe, das gut mit dem aufgeladenen 1,4-Liter-Benziner harmoniert. Das Einlenkverhalten des auf der Vorderachse nur wenig belasteten 1300er ist erstaunlich zackig, dafür fallen die Lenkwinkel groß aus. Die über ein stehendes Pedal betätigte Bremse baut frühen Druck auf – und das ist gut so. Denn letztlich müssen vier Trommelbremsen die Fuhre wieder anhalten. Wo im Golf Front-, Kopf und Seitenairbags im Ernstfall Schlimmeres verhindern, hilft beim Käfer der klare Blick nach vorn, um den Ernstfall gar nicht erst eintreten zu lassen. Das dicke Blech schützt nur bedingt.

Ein Lob verdient der unverwüstliche, herrlich sonor brabbelnde 1,3-Liter- Boxer (40 PS), der im Testmittel mit 8,5 Liter Super über die Runden kam. Dickes Blech, wenige Teile, einfache Konstruktion – qualitativ liegt der Test-Oheim gut im Rennen. Vier Jahrzehnte, und er läuft noch immer. Dem unerschütterlich wirkenden, mit zwölf Jahren Rost-Garantie prämierten und durch feinste Spaltmaße auffallenden Golf kann er jedoch nichts anhaben. Der Golf, Namenspatron einer ganzen Fahrzeugklasse, ist ein würdiger Erbe des Käfers und zu Recht der Volks-Wagen unserer Zeit. Der Käfer selbst ist ein Denkmal – eines, das wir stets in Ehren halten wollen.

Karosserie

karosserie
  Max.
Punkte
VW Golf 1.4 TSI VW 1300
Raumangebot vorn 1007040
Raumangebot hinten 1005730
Übersichtlichkeit 703835
Bedienung/ Funktion 1009080
Kofferraumvolumen 100309
Variabilität 100255
Zuladung/ Anhängelast 803915
Sicherheit 150940
Qualität/ Verarbeitung 200185100
Kapitelbewertung 1000628314
 

Autos im Test


Den VW Golf 1.4 TSI gibt es ab 23.465 Euro zu kaufen
VW Golf 1.4 TSI
PS/KW 122/90
0-100 km/h in 9.50s,
Vorderrad, 7-Gang-Doppelkupplung
Spitze 200 km/h
Preis 23465 €
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Der mausgraue VW 1300 würde währungs- und inflationsbereinigt 6.012 Euro kosten
VW 1300
PS/KW 39/29
0-100 km/h in 24.40s,
Hinterrad, 4 Gang manuell
Spitze 122 km/h
Preis 6012 €
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