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SUV-Vergleich: Land Rover Discovery, Jeep Grand Cherokee & VW Touareg

Drei edle Waldarbeiter

Fahrdynamik

Diese drei Offroader sind nicht unbedingt für schnelle Rundenzeiten auf dem Handlingparcours gebaut. Allerdings wäre den Kunden in dieser Preisklasse eine eierlegende Wollmichsau am liebsten: hier ein schwerer Geländewagen, dort ein schneller Autobahnjäger. Und tatsächlich hat es selbst Land Rover geschafft, dem 2,6 Tonnen schweren Discovery auf dem Asphalt ordentlich Leben einzuhauchen. Erinnert man sich an die behäbigen Modelle vor der Überarbeitung von 2009, geht der Discovery 4 nun fast als Sportler durch. Das liegt vor allem an dem stärkeren Motor, der blitzschnellen Acht-Stufen-Automatik und der agileren Lenkung. So suggeriert der Brite schon beim Einlenken viel Dynamik. Dass aber selbst auf die Hinterachse ganze 1,3 Tonnen Ballast drücken, merkt man spätestens beim Anbremsen in engere Kehren. Hier lenkt das Heck gern ein wenig mit. Und auch wenn mit der vierten Generation des Klas-sikers jetzt auch Reisetempo 180 auf der Auto-bahn möglich ist und Lenkrad sowie Getriebe dabei sehr aufgeweckt reagieren, so lässt der Neue die Gemütlichkeit des Vorgängers etwas vermissen. Doch die Bremswege von mehr als 40 Metern bringen einen zurück auf den Boden der gewichtigen Tatsachen. Zwar verzögert auch der Jeep nicht besser, doch vermittelt seine Lenkung mit großen, gefühllosen Lenkradwinkeln eher den Eindruck eines schweren Autos. Dabei ist er eigentlich ganze 200 Kilogramm leichter als der Engländer. Daher kann er sich auch bei der Rundenzeit und der Slalomwertung etwas absetzen. Dem Touareg wird aber auch er nicht ansatzweise gefährlich. Ganze acht Sekunden schenkt der Wolfsburger den anderen ein, so als käme er aus einem anderen Fahrzeugsegment. Narrensicher und spurstabil zieht er im Handling um die Kurven. Stellt man die adaptiven Dämpfer auf „Sport“, hat er sogar Spaß im Slalomkurs. Dass er wie ein Pkw bremst, setzt der dynamischen Vorstellung die Krone auf.

FahrdynamikMax. PunkteVW TOUAREG V6 TDI BlueMotion Technology TERRAIN TECHJEEP Grand Cherokee 3.0 L V6 MULTIJETLAND ROVER DISCOVERY 4 3.0 SDV6
Handling150673934
Slalom100301815
Lenkung100857882
Geradeauslauf50484644
Bremsdosierung30181818
Bremsweg kalt1509345-
Bremsweg warm150995047
Traktion100858585
Fahrsicherheit150130130127
Wendekreis20777
Kapitelbewertung1000662516459
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Umwelt & Kosten

Bei Preisen von mehr als 50.000 Euro darf man einiges an Ausstattung  erwarten. Klimaautomatik, Alu-Räder und Bergabfahrhilfen gehören bei allen zum Standard. Danach trennen sich die Wege der drei Hersteller. Ist der Jeep von Haus aus sogar schon mit Xenonlicht, Einparkhilfe vorn und hinten, Rückfahrkamera, Sitzheizung vorn wie hinten und Lenkradheizung  ausgestattet, verlangt VW schon für einen USB-Anschluss oder eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung deftige Aufpreise. Auch die modernen Helfer, die es bei der Konkurrenz nicht gibt (Spurhalter, Verkehrszeichenscanner, Notbremsassistent) lässt man sich gut bezahlen. Unbedingt bestellt werden sollte  allerdings die Luftfederung für 2700 Euro, und Offroad-Fans brauchen das Terrain-Tech-Paket mit Untersetzung (2000 Euro). Nur der Land Rover Discovery ist als SDV6 schon mit Luftfederung samt Niveauregulierung ausgerüstet. Einziges Offroad-Extra ist die hintere Differenzialsperre für 850 Euro – Untersetzungsgetriebe, Terrain-Response-System und Mittelsperre sind serienmäßig. Lob bekommen die Engländer zudem für die hinteren Seitenairbags ab Werk. Ordert man die dritte Sitzreihe (1570 Euro), sind dort sogar Kopfairbags verbaut. Wer mit dem Jeep ins Gelände will, sollte sich die Overland-Ausstattung mit Luftfederung, verbessertem Allradantrieb, Panoramadach, Navigationssystem, Abstandsregeltempomat und Toter-Winkel-Warner gönnen. Die lässt auch ansonsten keine Wünsche offen, kostet allerdings gleich 9400 Euro mehr. Überraschend hoch sind wie auch beim VW die Versicherungseinstufungen. Bei der Haftpfl icht rutscht der Grand Cherokee in die höchste Klasse 25. Hier fährt man mit dem Landy günstiger.

GELÄNDEWERTUNG


Dank Luftfederung, Niveauregulierung, permanentem Allradantrieb, Differenzialsperren und Untersetzungsgetriebe sind alle drei gut fürs Gelände gerüstet. Allerdings sind die Sperren beim Jeep in den Kriechgängen stets aktiviert, was Rangieren auf festem Untergrund schier unmöglich macht. Im VW kann der Fahrer sie bequem per Drehrädchen ansteuern, im Land Rover funktioniert das komplett automatisch. Auf den acht Steigungsbahnen der Verkehrs-versuchsanlage in Horstwalde lassen sich die Funktionsweisen der Bergan- und -abfahrhilfen besonders gut bewerten. So sanft und spielerisch wie im Touareg arbeiten sie nirgendwo sonst. Selbst an der steilsten Bahn mit 65 Prozent Steigung und der Nase gen Himmel bleibt der gut zwei Tonnen schwere Brocken auch ohne Bremse stehen, um auf Kommando sanft weiterzuklettern. Das gelingt im Jeep schon wegen des ruckartigen Anfahrens nicht so elegant, dafür lässt sich die Abfahrgeschwindigkeit über die Schaltpaddel am Lenkrad einstellen. Als zweite Prüfung müssen die drei Allradler in die Verwindungsbahn, in der extreme Wellen in der Oberfl äche die diagonal gegenüberliegenden
Räder ein- und ausfedern lassen. Hier enttäuscht der Jeep mit seinen mageren Ausfederwegen. Schon bei kleinen diagonal versetzten Wellen verlieren ein Vorder- und das gegenüberliegende Hinterrad den Kontakt zum Untergrund. So werden nicht nur die Reifen durch die Ge-wichtsverlagerung  extrem belastet, sondern auch die Karosserie. Die zeigt sich allerdings vorbildlich steif ausgelegt und gibt während der ganzen Prozedur keinen Mucks von sich. Etwas besser gelingt die Aufgabe dem Touareg. Allerdings kommt auch er im Vergleich zum  Discovery schnell  an  seine  Grenzen. Der Engländer kann durch seine miteinander verbundenen Luftfedern gigantische Achsverschränkungen realisieren. Dabei funktioniert das Prinzip wie bei einer Starrachse: Federt das eine Rad ein, wird das andere herausgedrückt. So verliert er in der Bahn höchstens an den extremen Stellen kurz mit einem Rad den Kontakt zum Boden. Ein solch bewegliches Fahrwerk kommt ihm auch auf den tief durchfurchten Sandpisten zugute. Wird es im Touareg und vor allem im Jeep schnell holprig, gleitet der Discovery selbst über tiefe Löcher im Sand sanft hinweg. Weil sich sein ESP als einziges auch nahezu stilllegen lässt, mutiert er auf der Lockersandstrecke zum wahren Dünensurfer. Die Elektronik im Grand Cherokee agiert hier zu wild mit Bremseingriffen. Da hilft selbst die Wahl des Sand-Programms nicht. Obendrein muss der Amerikaner bei Wasserdurchfahrten am ehesten passen (Wattiefe: 51 Zentimeter). Weil sich Touareg und Discovery mit ihrer Niveauregelung deutlich höher pumpen, könnten sie knapp 60 Zentimeter (VW) oder gar  70 Zentimeter (Land Rover) tiefe Wasserlöcher meistern.

Kosten / umweltMax. PunkteVW TOUAREG V6 TDI BlueMotion Technology TERRAIN TECHJEEP Grand Cherokee 3.0 L V6 MULTIJETLAND ROVER DISCOVERY 4 3.0 SDV6
Bewerteter Preis67596100110
Wertverlust50101110
Ausstattung25232323
Multimedia50302630
Garantie/Gewährleistung50281522
Werkstattkosten20141011
Steuer10655
Versicherung40302833
Kraftstoff55353431
Emissionswerte25212020
Kapitelbewertung1000293272295
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Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW TOUAREG V6 TDI BlueMotion Technology TERRAIN TECH

PS/KW 245/180

0-100 km/h in 7.50s

Allradantrieb, permanent, 8-Stufen-Automatik

Spitze 218 km/h

Preis 55.650,00 €

JEEP Grand Cherokee 3.0 L V6 MULTIJET

PS/KW 250/184

0-100 km/h in 8.00s

Allradantrieb, permanent, 8-Stufen-Automatik

Spitze 202 km/h

Preis 52.900,00 €

LAND ROVER DISCOVERY 4 3.0 SDV6

PS/KW 256/188

0-100 km/h in 8.90s

Allradantrieb, permanent, 8-Stufen-Automatik

Spitze 180 km/h

Preis 54.800,00 €