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Sport-Cabrios: Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro und Porsche 911 Turbo S Cabrio

Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro und Porsche 911 Turbo S Cabrio

Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro und Porsche 911 Turbo S Cabrio sind keine Blümchenpflücker-Cabrios. Mit mehr als 500 PS und über 300 km/h Spitze bieten sie ein nach oben offenes Sportwagen-Feeling. Teil zwei des Vergleichs Porsche gegen Audi

Die Sportwagenschmiede aus Zuffenhausen strebt nach immer neuen Superlativen. Und Konkurrenz belebt auch bei den exklusiven PS-Boliden das Geschäft: Dass der Porsche 911 Turbo gerade jetzt in den Genuss einer Leistungskur kommt, wo Audi den R8 mit dem 5,2 Liter großen V10 auf Kiel legt, ist sicherlich kein Zufall. 530 statt 500 PS leistet der neue Turbo mit dem elegant geschwungenen S auf dem Heckdeckel. Dieser Buchstabe steht für nichts anderes als „Speed“.

STURM STATT CRUISEN? GERNE, IMMER, ÜBERALL
Natürlich kann man mit dem Turbo S auch dezent cruisen. Zwar zeigt sich das adaptive Fahrwerk auch im normalen, komfortorientierten Modus von der straffen Sorte und gibt sich erst bei höherem Tempo geschmeidiger. Doch das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe lässt den 3,8-Liter-Boxer oft bei kaum mehr als 1000 Umdrehungen ziehen.

So nuschelt man bei Bedarf ganz unauffällig durch den Feierabendverkehr. Die Show besorgt derweil der Audi R8 5.2 – nicht nur wegen des viel extrovertierteren Designs seiner flachen Mittelmotor- Karosserie. Selbst kleine Gasbefehle setzt der V10-Zylinder mit bestechender Reaktion in Vortrieb um und sorgt dabei für ein Klanggewitter, das Gespräche am Straßenrand verstummen und Köpfe herumfliegen lässt.

Mit dem Audi-Motor lässt sich, speziell in Kombination mit dem manuellen Sechsganggetriebe (das automatisierte Schaltgetriebe R-tronic kostet 7400 Euro), musizieren wie auf einer gigantischen Posaune. Dieses Triebwerk beherrscht sämtliche Nuancen zwischen gepresstem Grollen im Drehzahlkeller, hellem Singen im Mittelfeld und beißendem Schmettern jenseits der 8000er-Marke.

Der mit bis zu 1,2 bar Ladedruck operierende Porsche-Boxer wirkt da fast wie ein Langweiler. Bei normaler Fahrt brummelt er uninteressiert vor sich hin und animiert in keinster Weise dazu, etwas höher zu drehen. Er schüttelt die Kraft aus dem Ärmel, nimmt den Fahrer auf einer gewaltigen Drehmoment- Woge mit und arbeitet unterhalb von 4000 Umdrehungen alle Beschleunigungsaufträge so selbstverständlich ab, dass der häufi ge Blick auf den Tacho Pflicht ist.

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe von ZF arbeitet perfekt und fi ndet selbst beim Kickdown ohne Verzögerung den passenden Gang. Was bei hohen Drehzahlen, maximalem Ladedruck und Vollgas passiert, entzieht sich aber nicht nur akustisch jeder Beschreibung.

Jetzt tönt der Boxer nicht mehr wie ein Verbrennungsmotor, sondern laut fauchend und böse zischend eher wie ein geplatzter Druckluftschlauch oder eine Feststoffrakete. 10,2 Sekunden von Null auf 200 km/h – das fühlt sich so brutal an, wie es klingt und lässt dem freudiger drehenden, animierender klingenden Audi keine Chance, obwohl dessen Zeit von exakt 13 Sekunden auch nichts anderes heißt als Windstärke zwölf.

KOMFORTABLER R8, UNKOMPLIZIERTER 911
Doch der Porsche beeindruckt nicht nur mit seiner schieren Kraft. Seine serienmäßigen Keramikbremsen sind besser dosierbar als die 8822 Euro teuren Verbundwerkstoff- Pendants im Audi. Und bei Kurvenfahrt neigt er weniger zum Untersteuern als der Mittelmotor- Sportler aus Ingolstadt, der bei deaktiviertem ESP zudem zickiger im Grenzbereich agiert.

Wer die Fahrhilfen hier wie da aktiviert lässt, ist jedenfalls auf der sicheren Seite, ohne sich von Bits und Bytes gegängelt zu fühlen: Ehe ASR oder ESP eingreifen, ist man in jeder Kurve, die öffentliche Straßen anzubieten haben, ohne Anstrengung meist schneller, als man sich vorstellen kann. Der Audi bietet seiner Besatzung mehr Platz, federt komfortabler, läuft ruhiger geradeaus und wartet bei geschlossenem Dach mit den geringeren Windgeräuschen auf.

Dennoch spricht in der Alltagswertung mehr für den 911 Turbo S. Denn er gewährt dem Fahrer eine erheblich bessere Rundumsicht als der flache, breite Audi und ermöglicht dank des zusätzlichen Stauraums auf den Rücksitzen auch mal eine Urlaubsreise, während der R8 nur im Bug ein kleines Kofferräumchen vorhält. Der niedrigere Verbrauch des offenen Porsche sei nur am Rande erwähnt. Bei Grundpreisen jenseits der 150 000-Euro-Grenze kommt es darauf wirklich nicht mehr an.

Fazit

R8 SPYDER 5.2 FSI
Der R8 5.2 FSI ist eine emotionale Wucht. Er klingt so gut, wie er aussieht. Und er geht so gierig, wie er klingt. Großes Kino für Genießer mit Abstrichen beim Alltagseinsatz.

911 TURBO S CABRIO
Der 911 Turbo S ist wie seine Vorgänger ein ungemein alltagstaugliches Auto ohne Starallüren. Dass er sich auch meisterlich aufs Dynamikfach versteht, beschert ihm den Sieg.

MARKENVERGLEICH: AUDI GEGEN PORSCHE

>> Erster Teil: Audi RS 5 gegen Porsche 911 Carrera S
>> DritterTeil: Audi A8 gegen Porsche Panamera
>> Vierter Teil: Audi Q7 gegen Porsche Cayenne

Michael Harnischfeger

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Audi R8 Spyder 5.2 FSI quattro

PS/KW 525/386

0-100 km/h in 4.00s

Allradantrieb, permanent, 6 Gang manuell

Spitze 313 km/h

Preis 156.400,00 €

Porsche 911 Turbo S Cabrio

PS/KW 530/390

0-100 km/h in 3.00s

Allradantrieb, permanent, 7-Gang-Doppelkupplung

Spitze 315 km/h

Preis 184.546,00 €