Neuer Boxster S im ersten Roadster-Härtetest

Audi TT RS Roadster S tronic | BMW Z4 sDrive35iS | Chevrolet Camaro Cabrio 6.2 | Mercedes SLK 350 B.E. | Porsche Boxster S PDK

Porsche Boxster S PDK | Audi TT RS Roadster S tronic | BMW Z4 sDrive35iS | Chevrolet Camaro Cabrio 6.2 | Mercedes SLK 350 BlueEFFICIENCY

Fahrkomfort

Roadster fahren verlangte in der Vergangenheit Nehmerqualitäten. Aber zum Glück gibt es auch hier Fortschritte. Umso mehr verwundert es, dass vor allem das große Cabrio von Chevrolet auf buckligen Pisten schwer ins Straucheln kommt. Jeder Kanaldeckel und jede Querfuge wird in den Innenraum übertragen. Die Karosserie des Camaro ist einfach zu weich, das Fahrwerk zu hart und die 20-Zoll-Bereifung zu schwer.

Dass es trotz großer Räder besser funktionieren kann, demonstriert der neue Porsche Boxster S. Je nach persönlichen Vorlieben verrichtet sein Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern (PASM, 1428 Euro) entweder sportlich straff oder mit komfortabler Note souverän seine Arbeit – aber niemals hart. Dort, wo der Porsche noch sensibel Unwegsamkeiten für seine Insassen ausblendet, sind sie in BMW, Mercedes und auch im Audi bereits deutlich zu spüren. Ohnehin passt in keinem dieser drei der Komfortmodus. Das gilt insbesondere für den BMW Z4. Erst im Sportprogramm agiert das Fahrwerk so, wie man es bei einem BMW erwartet. Die extreme Empfindlichkeit auf Querfugen lässt sich aber auch dann nicht unterdrücken.

Dicht beieinander liegt das Roadster-Quartett beim Sitzkomfort. Allerdings sichert sich der SLK mit seiner hohen Lehne und dem in die Kopfstütze integrierten Air-Scarf (488 Euro), der den Nacken auch an kalten Tagen wärmt, ein paar Extrazähler. Der Audi hingegen fährt mit kompromisslosen Schalensitzen vor (2855 Euro), die viel Seitenhalt bieten, aber Einbußen beim Komfort fordern. Das Geld kann man besser investieren. Die bei der ersten Sitzprobe angenehmen Sessel im Camaro Cabrio erweisen sich weder als sonderlich langstreckentauglich noch bieten sie genügend Halt.

fahrkomfort
  Max.
Punkte
Porsche Boxster S PDK Mercedes SLK 350 BlueEFFICIENCY
Sitzkomfort vorn 150110112
Sitzkomfort hinten 10000
Ergonomie 150120122
Innengeräusche 502430
Geräuscheindruck 1008184
Klimatisierung 503332
Federung leer 200117114
Federung beladen 200117112
Kapitelbewertung 1000602606
 

Motor und Getriebe

Ganz traditionell geht es unter den Hauben der fünf Rivalen zu: ein dumpf grollender V8 im Chevy, ein aggressiv röhrender Fünfzylinder-Turbo im Audi, ein seidiger Reihensechser mit Biturbo im BMW, ein wild fauchender Boxer im Porsche und ein heiser röchelnder V6-Triebsatz im Mercedes. Audi TT RS und Z4 liefern sich mit ihren Turbomotoren ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen. Bis Tempo 200 trennt die beiden lediglich eine Zehntelsekunde. Nur der Weg dorthin ist unterschiedlich.

Während der BMW seidig weich dem Drehzahllimit entgegenstürmt, zerrt der Fünfzylinder des Ingolstädters sofort erbarmungslos an allen vier Antriebsrädern. Die Traktionsvorteile kann der Audi auf trockener Piste jedoch nicht gewinnbringend einsetzen. Erst recht nicht gegen den Boxster S. Denn obwohl der Porsche sein Drehmoment-Maximum erst oberhalb von 4500 Touren versammelt und seine 315 PS erst kurz vor 7000 Umdrehungen frei aufgaloppieren, zeigt er Z4 und TT, die beide schon bei 1500 bzw. 1600 Umdrehungen mit vollem Schub anreißen, problemlos die Rücklichter. Der Boxster liebt Drehzahlen – je höher, desto besser.

Dennoch würde etwas mehr Druck aus dem Drehzahlkeller, wie es bei den Turbomotoren der Fall ist, das positive Bild des Sechszylinder-Boxers abrunden. Das gilt auch für den V6 des Mercedes SLK 350. Er müht sich stärker als seine europäischen Mitstreiter, um auf Touren zu kommen und leidet zudem unter den im direkten Vergleich schleppend wirkenden Schaltvorgängen seiner Siebenstufen-Automatik. Deutlich besser kommunizieren die Doppelkupplungsgetriebe von Audi, BMW und Porsche mit ihren Kraftquellen. Vor allem die Abstimmung des Porsche-Doppelkupplungsgetriebes passt perfekt. Die leichte Antrittsschwäche gegenüber den beiden Bayern wird durch blitzschnelles, kaum spürbares Herunterschalten ausgebügelt.

Nicht ganz artgerecht transportiert der Camaro seine Kraft zur Hinterachse. Keine butterweich wandelnde Automatik, sondern ein manuelles Schaltgetriebe portioniert die Leistung. Nicht, dass es für den Camaro keine Automatik gäbe, aber dann leistet der V8 lediglich 405 PS und gibt diese auch nur sehr behäbig an die Hinterräder weiter. Vom kräftigen V8-Punch aus dem Drehzahlkeller ist aber auch beim 6,2-Liter-V8 mit Schaltgetriebe nichts zu spüren. Erst oberhalb von 3500 Umdrehungen kommt der Zweiventil-Stoßstangenmotor in Fahrt. Gnadenlos an sein Drehzahllimit getrieben, schafft der 1,8-Tonnen-Koloss den Sprint auf Tempo 100 in sechs Sekunden – immerhin schneller als der SLK. Die langen Schaltwege und das starke Schaukeln bei Lastwechseln machen im Chevy jeden Schaltvorgang zur Schwerstarbeit.

Dafür löst der Amerikaner sein Versprechen, 14,1 Liter auf 100 Kilometern (EU-Norm) zu verbrauchen, mit einem Testverbrauch von 14,2 Litern nahezu konsequent ein. Audi, BMW und Porsche pendeln sich um die elf Liter ein. Nur der Mercedes begnügt sich mit zeitgemäßen 8,9 Litern. Damit erkämpft er sich nicht nur in diesem Kapitel, sondern auch in der Endabrechnung entscheidende Punkte.

motor und getriebe
  Max.
Punkte
Porsche Boxster S PDK Mercedes SLK 350 BlueEFFICIENCY
Beschleunigung 150141130
Elastizität 100--
Höchstgeschwindigkeit 15011090
Getriebeabstufung 1009282
Kraftentfaltung 504442
Laufkultur 1009287
Verbrauch 325169213
Reichweite 25912
Kapitelbewertung 1000657656
 

Autos im Test


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