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Peugeot 208/308 GTI: Test

208 und 308 als GTI im Test

Was bei Peugeot vor mehr als 30 Jahren begann, findet aktuell seine Fortsetzung mit den GTi-Versionen von 208 und 308 – und liefert Fahrspaß auf französische Art. Zwei Brüder im Test.

Vor mehr als 30 Jahren sorgte ein kleines, französisches Auto für große Aufmerksamkeit. Über Nacht schien ein adrett gezeichneter Peugeot in einen Zaubertrank gefallen und diesem mit Bärenkräften wieder entstiegen zu sein – als 205 GTi mit 105 PS aus einem 1,6-Liter-Vierzylinder bei 850 Kilogramm Leergewicht. Ab 1984 sollten jene drei Buchstaben, die schon acht Jahre zuvor am Mittellandkanal für eine Überraschung an der Verkaufsfront gesorgt hatten, auch an der Seine reüssieren. Das Rezept, ein relativ kleines Auto mit einem leistungsstarken Motor zu versehen, ging in ganz Europa auf. Allein in Deutschland wurden 29.242 Ausführungen des löwenstarken Vorgängers des Peugeot 208 GTi zugelassen. Damit wurden die Franzosen Trendsetter bei den Kraftzwergen.

Bilder: Peugeot 208 GTI und 308 GTI by Peugeot Sport

Kult-Peugeot 208 GTI schnuppert in Porsche-Regionen

32 Jahre später ist das Zwergen-Doping immer noch aktuell. Zu einem ganz besonderen Test stellt sich bei uns der Nachfahre vor: Zwar bleibt es beim aktuellen 208 GTi "by Peugeot Sport", so der Namenszusatz, bei einem Hubraum von nur 1,6 Litern, dank Turboaufladung hat sich die Leistung aber fast verdoppelt: Auf 208 PS, womit er sogar die straßenzugelassene Version des verwegenen Mittelmotor-Rallye-Sportlers 205 Turbo 16 übertrifft. Auch die Kompaktklasse ist inzwischen mit dem GTi-Virus infiziert. Als GTi trägt der Peugeot 308 den in seinen Grundzügen identischen Motor unter der Haube, der noch aus der Kooperation zwischen PSA und BMW stammt und im französischen Golf 272 PS leistet. Die 64 Mehr-PS unseres Testwagens wurden durch einen größeren Turbolader, 1,7 statt 1,2 bar relativem Ladedruck wie beim 208, einen neuen Ladeluftkühler sowie einen Abgaskrümmer aus Stahl (208 GTi Grauguss) generiert. Entsprechend wurde auch die Elektronik neu kalibriert. Damit der Spaß von Dauer ist, kommen beim Peugeot 308 GTI beispielsweise Schmiedekolben mit doppelter Spritzölkühlung, verstärkte Kolbenringe und Pleuelschrauben zum Einsatz.

208 geht in 6,4 auf Tempo 100

Platz nehmen im Testobjekt Peugeot 208 GTi heißt einfädeln in die perfekt geformten Schalensitze. Der Blick bleibt am Cockpit hängen, extravagant gestylt mit kleinem Lenkrad sowie darüber angeordnetem Tacho und Drehzahlmesser. Deren Nadeln bekommen nach dem Dreh am Zündschlüssel reichlich zu tun. Bissig hängt der Vierzylinder am Gas, schaufelt turbotypisch Unmengen von Frischluft mit deutlich vernehmbaren Zischen in die Brennkammern und jagt, begleitet von kernigem Auspuffsound, die Drehzahlleiter empor. Dabei drückt es die Insassen bei dem kleinen Peugeot-Tester ordentlich in die Schalensitze. 6,4 Sekunden zeigt das Messgerät für den Sprint von null auf 100 km/h, maximal sind 230 km/h drin. In Kurven reagiert der 208 GTI zackig auf Lenkbefehle. Engagierter Leistungseinsatz bedeutet aber keineswegs, dass die Motorkraft des Fronttrieblers Peugeot 208 GTI sinnlos verraucht. Stattdessen sorgt das Torsendifferenzial – serienmäßig bei der Version "by Peugeot Sport" – dafür, dass der kleine Löwe wie mit Industriekleber auf dem Asphalt haftet. Zumindest, solange der Fahrer auf dem Gas bleibt. Gaslupfer lassen das Heck schon mal eindrehen, bevor das ESP eingreift. Mit deaktiviertem Schleuderschutz ist in unserem Test ein gutes Reaktionsvermögen gefragt. Doch das passiert alles erst bei recht hohem Tempo. Bis dahin steht die Michelin Pilot Super Sport-Bereifung in Haftungsfragen außer Zweifel und katapultiert den Kult-Peugeot mit einem Slalom-Tempo von 71,4 km/h locker in Porsche-911-Regionen. Mit einer Rundenzeit von 1:47,4 Minuten muss sich der kleine 208 GTi ebenfalls nicht verstecken. Dass beim Thema Komfort da Kompromissbereitschaft gefragt ist, versteht sich von selbst.

Mehr zum Thema: Peugeot 308 GTI im Vergleich

Umsteigen in den Peugeot 308 GTi bedeutet, in Sachen Komfort eindeutig aufzusteigen. Dessen Sportsitze sind leichter zu entern als die Schalen des 208 GTi. Hier gibt es ein ähnlich gestaltetes Cockpit, doch lässt sich das Lenkrad so einstellen, dass die Anzeigen besser ablesbar sind als im kleinen GTi. Selbstredend bietet der kompakte Peugeot 308 GTI by Peugeot Sport mehr Platz und unterwegs sind seine Abrollgeräusche spürbar besser gedämmt als die des Kleinwagens. Wer nun glaubt, das alles ginge zu Lasten der Fahrdynamik, muss sich eines Besseren belehren lassen. Einmal von der Leine gelassen, jagt der Peugeot 308 GTi noch furioser nach vorn, knackt die Tempo-100-Marke nach nur 6,1 Sekunden und nimmt dem Mini-Sportler bis 180 km/h im Vergleich über vier Sekunden ab. Erst bei 250 km/h ist Schluss. Das sorgt für dauerhafte Präsenz auch im Rückspiegel von üppig motorisierten Oberklasse-Limousinen. Das Getriebe des getesteten 308 GTi ist ähnlich eng gestuft wie das des 208, lässt sich aber noch knackiger schalten.

Peugeot 308 GTi ist das eindeutig fahrstabilere Auto

Durch Kurven kann man den 308 ähnlich präzise zirkeln wie das GTi-Pendant 208. Seine Lenkung bietet allerdings mehr Fahrbahnkontakt. An seiner Handlichkeit gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Bei der engagierten Hatz auf dem Rundkurs wirkt er auf der Hinterachse weit weniger nervös als sein kleinerer Test-Konkurrent. Und auch beim Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten liegt er stabiler auf der Strecke. Zwar gibt es auch beim Peugeot 308 GTi bei Lastwechseln einen Eindreheffekt, doch fällt dieser wesentlich sanfter aus als bei seinem Markenkollegen. Gefühlt ist man zwar langsamer, tatsächlich aber schneller unterwegs als im 208 GTi – nicht zuletzt dank der hier ebenfalls aktiven Sperrwirkung des Torsendifferenzials an der Vorderachse, das jegliche Traktionszweifel pulverisiert. Mit 71,2 km/h im Slalom liegt er zwar auf dem Niveau seines Rivalen, mit einer Rundenzeit von 1:44,7 Minuten kann sich der größere GTi-Peugeot aber klar absetzen. Diesseits des Attacke-Modus fällt auf, dass der 308 GTi im Test sensibler auf Bodenunebenheiten anspricht. Die dem 208 GTi eigenen, teils heftigen Nickschwingungen auf kurzen Bodenwellen sind dem größeren der beiden Peugeot-Sportler fremd. Gleichwohl kann auch er seine sportliche Abstimmung nicht verhehlen, beispielsweise wenn es über Kanaldeckel oder Fahrbahnkanten geht. Doch einen sänftenartigen Charakter erwartet wohl niemand von Automobilen, die ein GTi-Kürzel prominent auf der Heckklappe tragen.

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Technik Peugeot 208 GTI
Peugeot 308 GTI
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo
Hubraum 1598 cm³ 1598 cm³
Leistung 153 kW / 208 PS bei 6000 /min 200 kW / 272 PS bei 6000 /min
max. Drehmoment 300 Nm bei 3000 /min 330 Nm bei 1900 /min
Getriebe, Antrieb 6-Gang, manuell; Vorderrad 6-Gang, manuell; Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 962/1829/1450 mm 4253/1804/1446 mm
Radstand 2538 mm 2617 mm
Leergewicht/Zuladung 1194/456 kg 1331/459 kg
Anhängelast gebr./ungebremst 1800 / 725 kg 1200 / 645 kg
Kofferraumvolumen 285 – 1076 l 420 – 1228 l
0-100 km/h 6,4 sec 6,1 sec
Höchstgeschw. 230 km/h 250 km/h
Verbrauch 7,8 l S/100 km 8,6 l SP/100 km
EU-Verbrauch 5,4 l S/100 km 6,0 l SP/100 km
CO2-Ausstoß 125 g/km 139 g/km
Grundpreis 27.790 Euro 34.950 Euro
 

 

Elmar Siepen
Fazit

Der Peugeot 208 GTi steht in der Tradition seines Ahnen als GTi ohne Filter. Der kleine Athlet verlangt nach einem kundigen, selbstbeherrschten, aber auch kompromissbereiten Piloten, entschädigt dafür aber mit jeder Menge Fahrspaß. Der stärkere Peugeot im Test, 308 GTi, bietet als der größere Fünftürer mehr Platz, mehr Komfort und lässt auch fahrdynamisch keine Wünsche offen. Dafür ist er aber auch deutlich teurer.