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Mini Clubman/Audi A3 Sportback: Vergleichstest

Clubman gegen A3 getestet

Minis neuer Clubman passt nun locker in die Kompaktklasse. Dort wartet auf den Briten allerdings der sehr ausgereifte Audi A3 Sportback. Vergleichstest.

Die Plattform- und Gleichteilestrategie macht auch vor dem Premiumsgement nicht halt. Folglich teilt sich der neue Mini Clubman seine Plattform (Werkscode: UKL 2) mit dem BMW X1 und dem BMW 2er Active Tourer. Das bedeutet für den Clubman gegenüber seinem Vorgänger vor allem eines: Größenwachstum. Unser Test zeigt: Das sind üppige 29 Zentimeter mehr Außenlänge (4,25 Meter) und immerhin gut zwölf Zentimeter mehr Radstand (2,67 Meter). Auch in der aktuellen Version blieb die bekannte Clubman-Silhouette erhalten, jedoch besitzt der Neue jetzt zwei Fondtüren. Vor allem hinter den Vordersitzen, so zeigt unser Test, ist der Mini deutlich größer geworden. Sitzriesen genießen hier spürbar mehr seitliche Kopffreiheit und Knieraum als im Audi A3 Sportback. Ein Vergleich ergibt allerdings: Um die Ellbogenfreiheit ist es im Ingolstädter dagegen besser bestellt.

Bilder: Mini Clubman vs. Audi A3 Sportback im Vergleichstest

Neue Größe, neue Sorgen im Mini. A3 wie immer mit tadelloser Verarbeitung

Geblieben ist die mäßige Übersichtlichkeit des Briten. So stören nach wie vor beim Blick in den Rückspiegel die senkrechten Rahmenstreben der zweiflügeligen Hecktür. Und wer mit dem neuen Clubman zu nah an der Ampel hält, muss sich wegen der relativ kleinen und steil stehenden Frontscheibe den Hals verrenken, um diese zu sehen. Dank eines Bediensystems, das sich an BMWs iDrive orientiert, hat man die Steuerung der wichtigsten Fahrzeugfunktionen im Mini rasch verstanden. Doch es gibt auch Schatten: Beim Öffnen der Hecktüren des Testwagens läuft Regenwasser in den Kofferraum, und bei der Sprachbedienung des Navigationssystems versteht unser Clubman so manche Ortsnamen nicht. Das Kofferraumvolumen taugt bei beiden Testkandidaten für mehr als nur Kurztrips (Audi: 380 bis 1220 Liter, Mini: 360 bis 1250 Liter), ohne aber wirklich für die deutsche DIN-Familie zu taugen. Im Gegensatz zum Mini verzichtet der Audi auf die Option einer dreigeteilt klappbaren Rückbank, was ihn Zähler bei der Variabilität kostet. Obendrein fehlen dem A3 Sportback gegenüber dem Clubman in puncto Sicherheitsausstattung eine Notruftaste und das fortschrittliche Head-up-Display. Tadellos fällt dagegen die Verarbeitung des Bayern aus, hier kommen auch die Penibelsten auf ihre Kosten. Zwar hat der Mini Clubman in diesem Punkt im Vergleich zu seinem Vorgänger zugelegt. Unterschiedliche Passungen an den Vordertüren lassen allerdings auf weitere Verbesserungen hoffen.

Test-A3 vermittelt besser zwischen Insasse und Fahrbahn

Die ab 310 Euro für den Clubman erhältlichen Sportsitze sind eine gute Wahl, denn das Gestühl passt wie angegossen. Auf Dauer wirken die Polster allerdings eine Spur zu straff. So entsteigt man dem Audi nach Langstrecken etwas entspannter. Das Gleiche gilt für die Fondpassagiere, die sich im Engländer mit zu wenig Oberschenkelauflage arrangieren müssen. Gut im Test: Im Mini-Kofferraum gibt es Ablagefächer und ein Fixierband zur sicheren Beförderung von Kleinkram. Auf der Autobahn wahrt auch der Clubman der dritten Generation seinen bekannten Federungs-Charakter. Sprich: Die straffe Grundabstimmung lässt die Insassen nie im Unklaren darüber, mit welcher Bodenwelle sich der Kleinkombi gerade beschäftigt. Da vermittelt der A3 Sportback im Vergleichstest schon wesentlich besser zwischen Insassen und Fahrbahn. Das gilt auch auf den Marterpisten des Testgeländes, wo der Mini Schlaglöcher und Querkanten recht trocken durchreicht. Unter voller Beladung kehrt sich das Bild jedoch um: Dann zeigt der Mini Cooper D Clubman Nehmerqualitäten. Mit weniger Aufbaubewegungen und beachtlichen Federungsreserven wirkt er recht komfortabel. Unter gleichen Bedingungen neigt der Test-Audi dagegen schon fast zum Durchschlagen. Mit kräftigen, je 150 PS starken 2,0-Liter-Turbodieseln sind die zwei Kompaktklässler alles andere als untermotorisiert. Lediglich 8,2 Sekunden vergehen in unserem Test bis Tempo 100. Damit unterbietet er die Werksangabe um 0,4 Sekunden, während der Mini den Herstellerwert mit 9,1 um 0,6 Sekunden verfehlt. Auch in der Höchstgeschwindigkeit deklassiert der Ingolstädter mit 218 km/h seinen Konkurrenten um sechs km/h. In Sachen Leistungsentfaltung spricht der Audi im Drehzahlkeller dafür weit weniger spontan an als sein Rivale. Das ist im Alltag etwas gewöhnungsbedürftig. Obwohl die optionale Achtstufen-Automatik des Mini – nur diese Version stand als Testwagen zur Verfügung – für ein niedrigeres Drehzahlniveau als im Audi sorgt, liegt der Brite im Testverbrauch mit 6,5 Liter Diesel auf 100 km hinter dem Audi mit konventionellem Sechsgang-Getriebe (5,9 Liter).

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Beim Bremsen bietet der Mini das bessere Pedalgefühl

Bei den Fahrdynamikprüfungen geben sich die Testkandidaten von Mini und Audi keinerlei Blöße. Beide schieben an der Reifenhaftgrenze moderat über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand. Abruptes Gaswegnehmen ördert nur ein leichtes, gut kontrollierbares Eindrehen der Hecks zutage – für solche Situationen stehen sanft eingreifende ESP-Systeme bereit. So ist man zügig, sicher und vor allem auch unterhaltsam unterwegs. Auffällig ist jedoch, dass der A3 Sportback 2.0 TDI in Kurven deutlich mehr Mühe hat, seine Leistung in Vortrieb zu verwandeln. Traktionstechnisch ist ihm hier der Mini klar überlegen. Die Audi-Lenkung erfordert etwas weniger Kraftaufwand als die des Clubman, reicht aber nicht ganz an deren Präzision heran. Der Brite wiederum lenkt zwar ähnlich agil ein wie der A3 – wer sich aber an die Lebhaftigkeit des Vorgängers erinnert, muss feststellen, dass sich die aktuelle Ausgabe davon ein gutes Stück entfernt hat. Immerhin bietet der Mini beim Brems-Test das bessere Pedalgefühl. Und was die Verzögerung generell angeht, so braucht er mit einem Kaltbremswert von 34,6 Metern aus Tempo 100 bis zum Stand einen Meter weniger als der Audi. Einmal auf Temperatur, verzögert allerdings der A3 mit 33,3 Metern um 0,6 Meter besser als sein Rivale. Wie der Blick in die Tabelle zeigt, liegen beide in der testrelevanten Ausstattung preislich relativ dicht beieinander. Das gilt ebenso für den Wertverlust. Die jährlichen Werkstattkosten für Wartung und Verschleißreparaturen ohne Reifen differieren auch nur um 61 Euro. Und der Unterschied bei den Versicherungstarifen für Haftpflicht und Vollkasko beträgt gerade mal 85 Euro im Jahr. Die unbegrenzte Mobilitätsgarantie verschafft dem A3 Sportback daher den knappen Punktevorsprung.

Elmar Siepen
Fazit

Goodbye Kleinwagen – der neue Mini Cooper Clubman ist größer, komfortabler und alltagstauglicher, aber auch nicht mehr so agil wie sein Vorgänger. Kein Zweifel, dem Briten ist der Aufstieg in die Premium-Kompaktklasse gelungen. Dort weht allerdings ein rauer Wind, wie die Begegnung im Vergleichstest mit dem Audi A3 Sportback zeigt: Bessere Fahrleistungen, niedrigerer Verbrauch, umfangreichere Garantien und auch die bessere Verarbeitung sichern dem Ingolstädter den Sieg.