Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Mercedes CLS und Jaguar XFR im Vergeichstest

Mercedes CLS und Jaguar XFR

Fahrkomfort

Heimspiel für Mercedes-Benz, das Fahrkomfort-Kapitel sollte mit Pauken und Trompeten nach Stuttgart gehen. Sollte. Dass der Jaguar XFR hier eine reelle Chance auf einen Kapitelsieg haben könnte, wírd spätestens dann klar, wenn drei Kilometer nach der Autobahnabfahrt diese kleine Landstraße auftaucht und der Mercedes CLS 63 AMG mit deutlicher Härte über all die Schlaglöcher und Frostbeulen rumpelt. Bis hin zur Qualität des Asphalts ist der CLS by AMG deutlich auskunftsfreudiger als sein englischer Widerpart – da ist heute einmal nicht James Bond geschüttelt und gerührt, sondern sein schwäbischer Gegner.

Dass der Jaguar spürbar komfortabler kann, stellt er aber nicht nur auf schlechten Straßen klar, sondern als Ganzes: Samtiges Abrollen, eine für das Fahrzeugkonzept verblüffende Schluckfreudigkeit, gedämpft summende Maschine im Langstreckeneinsatz. Es mag wie Ketzerei klingen, aber der Jaguar fühlt sich an wie ein echter Mercedes … Da hilft auch nicht, dass der CLS 63 den tendenziell besseren Sitzkomfort bietet und die gelungenere Ergonomie. AMG hat bei der Abstimmung des CLS 63 deutliche Komforteinbußen in Kauf genommen. Das Auto wird zwar niemals unangenehm und ist für sich gesehen immer noch ein souveräner GT, findet im Jaguar aber seinen Meister.

FahrkomfortMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Sitzkomfort vorn150143134
Sitzkomfort hinten1007873
Ergonomie150118109
Innengeräusche504250
Geräuscheindruck1007681
Klimatisierung504745
Federung leer200130144
Federung beladen200125139
Kapitelbewertung1000759775
Bewertung aller Fahrzeuge ansehen

Motor & Getriebe

Das dumpfe Hämmern und voluminöse Donnern der großvolumigen V8-Motoren deutet es schon die ganze Zeit an: Mit dem Motorenkapitel beginnt die eigentliche Paradedisziplin dieser strotzenden Saft-und-Kraft-Automobile. Fünfl iter-Kompressor-Motor im Jaguar, 5,5-Liter-Biturbo- Maschine im AMG. Fight! Die Kontrahenten finden sich an der Startampel ein, leicht erhöhte Leerlaufdrehzahl, dann springt die Ampel um auf Grün: Viereinhalb Sekunden später knackt der AMG die 100-km/h-Marke, eine halbe Sekunde später fliegt der Jaguar XFR vorüber. Und dann legt sich der seidig arbeitende britische Kompressor-V8 richtig ins Zeug.

Die 200-km/h-Schallmauer schafft er um Zehntel schneller als der CLS, erst darüber kann der schwäbische Biturbo wieder gleich ziehen und dank seiner kostenpflichtigen 300er-Entdrosselung den XFR an der 250- km/h-Marke zurücklassen. Was für eine Show! So saftig wie diese Prachtstücke antreten, wünscht man sich ja einen 500-PS-V8 auf Rezept gegen Depressionen und Liebeskummer. Das Geheimnis liegt jedoch nicht einmal in den lässig hingeschlenzten Längsdynamikwerten, sondern in der unglaublichen Souveränität im Alltag.

Mit kraftvollem Drehmoment erledigen die aufgeladenen Big-Blocks nahezu jede Verkehrssituation mit wenig mehr als gefühltem Standgas, die wesentlichen Unterschiede liegen dabei in der Art und Weise, wie hier 510 PS und 625 Nm (Jaguar) respektive 525 PS und 700 Nm (CLS) vorgetragen werden: Der Jaguar XFR beeindruckt durch hohe Laufkultur, läuft bei sanfter Gangart schmeichelzart sowie akustisch dezent und bewahrt selbst unter kompromisslosestem Vorwärts-Brass stets die Contenance. Dagegen wirkt der AMG-Motor fast ungehobelt, er vibriert mehr und klingt, wie ein richtiger Dragster eben klingen muss: tief grollend im Drehzahlkeller, heiser raspelnd durch die Mitte und hart donnernd obenheraus. Ganz kompromisslos unterstützen die dazu kombinierten Getriebe den jeweiligen Charakter.

Der Jaguar überzeugt mit einer ebenso sanft wie schnell schaltenden Sechsgang-Automatik, der Mercedes CLS 63 kommt mit einer AMG-Spezialität namens Siebengang-MCT Speedshift: Nasse Anfahrkupplung statt Drehmoment-Wandler – das Ganze soll den Schaltkomfort einer Automatik mit den Schaltgeschwindigkeiten eines Doppelkupplungsgetriebes verbinden. In der Realität funktioniert das ausgezeichnet, lediglich im Stop-and-go-Verkehr oder beim Heranrollen an Ampeln tut sich das System gelegentlich durch sanftes Ruckeln hervor.

Das Zünglein an der Kapitel-Waage neigt sich allerdings immer weiter zugunsten des AMG-Triebwerks, weil es neben roher Kraft auch hohe Effizienz zu bieten hat. Den Testverbrauch von 13 Litern kann der Jaguar (14,4 l) nicht mitgehen, hier zeigt der AMG das Potenzial von Benzin-Direkteinspritzung, Start-Stopp-Automatik und einem auf Verbrauchsreduktion getrimmten Schaltprogramm: anfahren im zweiten Gang, frühes Hochschalten und drehzahlsenkende Schaltpunkte.

Motor und getriebeMax. PunkteMercedes CLS 63 AMGJaguar XFR
Beschleunigung150143139
Elastizität10000
Höchstgeschwindigkeit15010990
Getriebeabstufung1009996
Kraftentfaltung505048
Laufkultur1008489
Verbrauch325134108
Reichweite25137
Kapitelbewertung1000632577
Bewertung aller Fahrzeuge ansehen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Mercedes CLS 63 AMG

PS/KW 525/386

0-100 km/h in 4.50s

Hinterrad, 7-Stufen-Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 115.846,00 €

Jaguar XFR

PS/KW 510/375

0-100 km/h in 5.00s

Hinterrad, 6-Stufen Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 91.700,00 €