Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Hybrid-Limousinen: BMW 7er, Lexus LS und Mercedes S-Klasse im Vergleichstest

BMW ActiveHybrid 7, Lexus LS 600h, Mercedes S 400 Hybrid

Hybridtechnik hält langsam Einzug in der Luxusklasse. Mit dem neuen BMW ActiveHybrid 7 gibt es schon das dritte Modell, allerdings mit leicht unterschiedlichem Konzept. Alle drei Systeme im Verbrauchstest

Zugegeben – es ist ein wenig vermessen, bei Autos der 100 000-Euro-Liga vom Sparen zu sprechen. Doch mittlerweile ist das Vernunfts- Image selbst in der Oberklasse einigen Kunden sehr wichtig. Da sind diese drei Limousinen genau die richtige Wahl, denn auf jeder prangt ein Hybrid-Schriftzug. Dass sich hinter BMW ActiveHybrid 7, Lexus LS 600h und Mercedes S 400 Hybrid völlig unterschiedliche Konzepte verbergen, merkt man auf den ersten Blick nicht.

In Sachen Luxus zeigen alle absolutes Topniveau. Sitzkomfort, Geräuschpegel, Klimatisierung – komfortabler als in diesen gut fünf Meter langen Dickschiffen lässt es sich nirgendwo anders reisen. Und die Ausstattungsvielfalt ist in keiner anderen Klasse so ausgeprägt. Jedes noch so ausgefallene Extra kann mit an Bord genommen werden. Bleibt die Frage nach dem Antrieb.

BMW kombiniert einen hochmodernen, 450-PS-V8-Biturbo mit einem 20-PS-Elektromotor und der brandneuen Achtstufenautomatik – natürlich mit Heckantrieb. Der deultich komplexer aufgebaute Antrieb des Lexus setzt auf einen Fünfliter-V8-Sauger (394 PS) und ein gewaltiges Elektrokraftwerk mit 225 PS. Ein stufenloses Getriebe verteilt die Kraft über drei Differenziale auf alle vier Räder.

In der S-Klasse werden ein effizienter V6 mit 279 PS und die bekannte Siebengangautomatik vom gleichen E-Motor unterstützt wie im BMW. Der flache Drei-Phasen-Drehstrom-Motor sitzt, wie auch im 7er, zwischen Verbrenner und Getriebe und wurde von beiden Herstellern zusammen mit ZF entwickelt.

Das System erlaubt aber keinen Vollhybrid-Modus – das heißt, 7er und S-Klasse können nicht rein elektrisch fahren, sie nutzen die E-Maschine vor allem im Start-Stopp-Modus und als kurze Schubunterstützung beim Beschleunigen. Die Energie, die beim Bremsen zurückgewonnen wird, speichern beide Autos in einem baugleichen Lithium-Ionen- Akku. Dieser wurde von Continental entwickelt und ist der erste mit Serienreife.

Der Lexus hingegen baut auf Nickel-Metall-Hydrid-Technik. Weil der 2,3-Tonner bis Tempo 50 rein elektrisch fahren kann, muss der Akku im Kofferraum entsprechend üppig dimensioniert sein. Im Heck bleiben so nur 330 Liter Platz für Gepäck. Die Deutschen haben es da leichter. BMW versteckt den kompakten Akku in einer kleinen Box im Kofferraum, bei Mercedes sitzt er traditionell im Motorraum. So bleibt hier das Gepäckabteil mit 560 Liter vollständig erhalten.

HYBRID IST NICHT GLEICH HYBRID

Um die Vor- und Nachteile der einzelnen Antriebs-Konzepte besser bewerten zu können, müssen sich die Kontrahenten neben der Normverbrauchsrunde (die alle Testwagen absolvieren) zwei zusätzlichen Verbrauchskontrollen unterziehen. Bei einer Konstantfahrt über 100 Kilometer mit Tempo 90 wird vor allem die Effizienz des Verbrennungsmotors bewertet, denn hier kommen die Vorteile des Hybridantriebs (elektrisch Fahren, Start-Stopp) kaum zum Tragen. Vielmehr zählen hier klassische Tugenden: Gewicht sowie Effizienz von Motor und Antrieb. Diese Prüfung besteht die S-Klasse mit Auszeichnung.

Trotz 1,9 Tonnen Leergewicht begnügt sie sich mit nur 6,7 Liter Super Benzin. Dickes Lob an den seidenweichen Sechszylinder. BMW und Lexus haben hingegen acht Mäuler zu stopfen, halten sich mit 7,2 und 7,3 Litern aber annehmbar zurück. Die zweite Sonderschicht legen die Limousinen bei der 100 Kilometer langen Stadtverkehr-Runde ein. Im Stop-and-Go des Ampel-Dschungels zeigt sich schnell, wer die elektrische Unterstützung besonders gut nutzt.

Nach einigen Stunden in der Innenstadt ist es keine Überraschung, dass der Voll-Hybrid-Lexus die Nase klar vorn hat. Zeitweise rollt der LS 600h ausschließlich mit Elektroenergie von Ampel zu Ampel. Am Ende zeigt die Zapfsäule 9,3 Liter. Trotz Start-Stopp-Automatik kann die S-Klasse mit 10,4 Litern da nicht mithalten. Zudem setzt sich der Mercedes nicht so geschmeidig und ruckfrei in Gang wie Lexus und BMW.

Auch im 7er stellt sich der Motor an der roten Ampel zuverlässig ab. Lupft man jedoch nur leicht die Bremse, springt er sofort wieder an und grummelt im Leerlauf dahin. Das kostet Sprit, ebenso wie das gierige Ansprechen des potenten Achtzylinders. Ergebnis: 11,7 Liter für 100 Kilometer Stadtverkehr. So weit, so gut. Doch ob die drei auch ohne den äußerst sensiblen Gasfuß sparen können, muss sich im Alltag beweisen.

BEI VOLLGAS SCHEIDEN SICH DIE GEISTER
Die Verbrauchsrunde der AUTO ZEITUNG spiegelt das wahre Leben zwischen Stadt, Land und Autobahn realistisch wider. Anders als im EU-Normzyklus – wo das Höchsttempo 130 km/h beträgt – dürfen die Autos hier für knapp 20 Kilometer auf offener Piste von der Leine gelassen werden. Der beherzte Tritt aufs Gas erfolgt bei allen fast gleichzeitig.

Während sich der Lexus eine minimale Reaktionszeit gönnt und die S-Klasse ihre Gänge für die richtige Drehzahl nach unten sortiert, marschiert der 7er spontan mit aller Gewalt davon. Jetzt heizen die beiden Turbolader und der Elektro-Boost dem Achtzylinder mächtig ein. Der Schub ist gewaltig und wird nur durch ein fernes V8-Grummeln untermalt. Im Nu schnellt der BMW über die 200er-Marke und kurz danach in den Begrenzer. Ohne die elektronischen Fesseln wäre hier noch viel mehr drin.

Sehr zügig erreicht auch der kraftvolle Lexus die 250 km/h, gefolgt vom Mercedes. Klar, dass der Gewaltmarsch des BMW ordentlich Durst erzeugt und den Schnitt auf 12,2 Liter hochtreibt. Doch auch der Lexus gönnt sich hier deutlich mehr als zwölf Liter. Er zollt Tribut an sein hohes Gewicht und den Allradantrieb. Einzig der Mercedes S 400 Hybrid setzt hier erneut heimlich, still und unauffällig einen kleinen Verbrauchsrekord und fährt somit zum Gesamtsieg.

VERBRAUCH
Betrachtet man nur den Verbrauch, verdient sich der Mercedes im Vergleich den ersten Platz. Er hat das ausgewogenste Sparkonzept. Der Lexus kann vor allem im Stadtverkehr dank rein elektrischer Fahrten richtig punkten. Trotzdem gehen 10,4 Liter für den unglaublich starken BMW in Ordnung.

BMW ActiveHybrid 7 (PLATZ 3)

Kraftpaket mit 4,4-Liter- V8-Biturbo und 15-kW-Elektro-Boost. Sprint auf Tempo 100: 4,9 Sekunden!
EU-Verbrauch: 9,4 l Super / 100 km; AZ-Testverbrauch*: 10,4 Liter / 100 km

LEXUS LS 600h (PLATZ 2)
Hightech aus Japan – das potente Zusammenspiel aus Elektro- und V8-Motor gelingt perfekt
EU-Verbrauch: 9,3 l Super Plus / 100 km; AZ-Testverbrauch*: 9,7 Liter / 100 km

MERCEDES S 400 HYBRID (PLATZ 1)
Modifizierter V6 aus dem S 350. Er spielt seidenweich und super sparsam den Alleskönner
EU-Verbrauch: 7,9 l Super / 100 km; AZ-Testverbrauch*: 9,2 Liter / 100 km

*Mittelwert aus AUTO ZEITUNG-Normrunde, Stadtverbrauch und Minimalverbrauch

Fazit

Auch wenn die Hybridmodelle von BMW und Mercedes nicht rein elektrisch fahren, können sie beim Sparpotenzial zum Lexus aufschließen. Der punktet als Vollhybrid vor allem im zähen Stadtverkehr. Die S-Klasse zieht dem Japaner aber im Alltagsverbrauch deutlich davon. Sie ist 360 Kilogramm leichter, unwesentlich langsamer und hat einen vollwertigen Kofferraum. Der BMW überzeugt mit Fahrleistungen auf Sportwagenniveau. Sein Durst hält sich dabei trotzdem in Grenzen.

Martin Urbanke

Inhaltsübersicht

Autos im Test

BMW ActiveHybrid 7

PS/KW 449/330

0-100 km/h in 4.90s

Hinterrad, 8-Stufen-Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 105.900,00 €

Lexus LS 600h

PS/KW 394/290

0-100 km/h in 6.30s

Allradantrieb, permanent, Stufenlose Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 108.400,00 €

Mercedes S 400 Hybrid

PS/KW 279/205

0-100 km/h in 7.20s

Hinterrad, 7-Stufen-Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 86.037,00 €