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Vergleichstest: Ford Focus ST vs. VW Golf GTI und Seat Leon Cupra

Erfolgsdruck

Erfolgreiche Kompaktwagen mit druckvollem Turbo und Sportfahrwerk bieten bezahlbaren Volkssport. Reicht die Fitness des gelifteten Focus im Vergleich zur durchtrainierten Konkurrenz? Vergleichstest

Da steht er nun, der Kölner Kompakte, und sein Auftritt gerät eigentlich paradox. Obwohl in eher tristem Grau lackiert, ruhen unter seiner Haube stimmungsfördernde 250 PS. Mal sehen, wie Ford das facegeliftete Fahrvergnügen definiert, gilt es doch, sich am Urmeter dieser Zunft zu messen: dem Golf GTI in seiner stärksten Ausgabe mit 230 PS. Noch doller treiben es die Spanier. Hemmungslos haben sie sich im Konzernbaukasten bedient und liefern das Schärfste, was man im VW-Universum mit zwei angetriebenen Vorderrädern kaufen kann: den 280 PS starken Leon in der Cupra-Version. Das könnte unfair gegenüber dem Golf sein? Schauen Sie mal ins pdf und vergleichen Sie die bewerteten Preise.

MOTOR/GETRIEBE

Per Turbolader zwangsbeatmete Zweiliter-Vierzylinder sind in dieser Liga heutzutage Standard. Ford hat sich beim Focus ST längst vom emotionalen Fünfzylinder verabschiedet. Bei aller Vierzylinder-Vernunft bleibt aber genug Raum für Gänsehaut-Feeling. So pustet der Ford wie sonst keiner der Konkurrenten einen prägnanten Motor-Sound in die Gehörgänge, während er die 100 km/h-Marke nach 6,7 Sekunden reißt und sich erst bei 248 km/h den Fahrwiderständen geschlagen gibt.

Akustisch etwas zurückhaltender ist da der Golf, der in der Beschleunigung kaum schlechter (0,1 Sekunden), in der Höchstgeschwindigkeit sogar leicht besser (250 km/h) abschneidet. Seine 20 Minder-PS gegenüber dem Ford haben es aber auch mit 77 Kilo weniger Gewicht zu tun. Wo hingegen der Hammer hängt, zeigt die 280 PS-Ausgabe des ebenfalls 250 km/h schnellen Seat Leon.

Er hat das breiteste Drehmoment-Plateau: 350 Nm zwischen 1700 und 5600/min lassen die Konkurrenz nicht nur bei der Elastizitätsprüfung kapitulieren (s. pdf). Die immense, lang anhaltende Durchzugskraft verschafft dem mit 1386 Kilogramm leichtesten Testkandidaten auch eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur 5,9 Sekunden.

Ein freies Stück Autobahn vorausgesetzt, lässt er nicht nur die Konkurrenz im Rückspiegel kleiner werden, sondern auch so manche üppig motorisierte Business-Limousine. Dennoch  bleibt der Kraftstoffkonsum im Rahmen. Als Testverbrauch ermittelten wir für diese Leistungsklasse akzeptable 9,6 Liter Super Plus auf 100 Kilometer.

Deutlich trinkfester zeigte sich dagegen der Ford Focus ST (10,4 Liter Super Plus), der aber aufgrund seines 62 Liter fassenden Tanks trotzdem die mit 596 Kilometern höchste Reichweite erzielte. Ebenso unauffällig, wie der Golf seine Fahrleistungen serviert, so effizient verbrennt er den Kraftstoff: 8,6 Liter auf 100 Kilometer.

Außerdem begnügt er sich als einziger mit Superbenzin. Durchweg ein Quell der Freude sind die präzise rastenden Sechsgang-Schaltboxen der Kandidaten. Da greift man gerne öfter zu als nötig.

Elmar Siepen