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Kleinwagen-Vergleich 2013: Neuer Fiesta gegen Polo, Corsa und Clio

Kleine Garde

Fahrkomfort

Schon bei der ersten Sitzprobe fühlt sich das Gestühl im VW Polo sehr erwachsen an. Nicht nur die Dimensionen werden auch Fahrern von mehr als 1,85 Metern Körperlänge gefallen, auch der Seitenhalt passt. Hinzu kommen die praktische und gut nutzbare Gestaltung von Ablagen und Fächern sowie die perfekte Ergonomie. Durch die klobige Mittelkonsole im Corsa wird nicht nur der Sitzkomfort etwas geschmälert, sondern auch die Anzahl der Ablagen und Getränkehalter. Im Clio gibt es immerhin eine brauchbare und gummierte Ablage über dem Handschuhfach, im Fiesta ein geräumiges Mittelfach, das auch als Armlehne dient.

Dennoch sichern die straff gepolsterten Sitze im Opel Corsa einen ordentlichen Komfort, sie sind für eine anständige Schulterabstützung aber etwas zu klein geraten. Wie im Ford hält die sportliche Ausformung der Vordersitze nicht ganz, was ihre Optik verspricht. Die Ford-Sportsitze der Individualausstattung könnten in Sachen Seitenhalt die bessere Wahl sein. Auf langen Strecken gefällt die weiche Polsterung im Fiesta aber allemal. Lob verdienen sich in dieser Beziehung auch die großzügig bemessenen Sessel im Renault Clio.

Der neue Star unter den französischen Kleinwagen überrascht zudem mit einer sehr souveränen Fahrwerksabstimmung. Im Gegensatz zum etwas holprigen Vorgänger kommen Unebenheiten trotz straffer Abstimmung kaum zu den Insassen durch. Der etwas komfortabler ausgelegte Corsa zeigt sich auf der Vorderachse ebenso feinfühlig, von hinten dringen allerdings hin und wieder Impulse und Geräusche in den Innenraum. Etwas zwiespältig gibt sich die VW-Abstimmung. Werden Gullideckel, Schlaglöcher und Querfugen noch gut verdaut, neigt der Niedersachse bei längeren Fahrbahnwellen durch die weiche Auslegung zuweilen zum Nachschwingen.

Von ganz anderem Schlag ist der Ford Fiesta. Er liefert stets eine authentische Rückmeldung und beruhigt sich selbst nach herben Stößen schnell wieder. So lässt er sich überaus sportlich und trotzdem komfortabel bewegen. Ebenso gut ist die Geräuschdämmung gelungen, die bei höheren Geschwindigkeiten selbst die Ruhe im Polo in den Schatten stellt.

FahrkomfortMax. PunkteVW Polo 1.2 TSIFord Fiesta 1.0 EcoBoostRenault Clio TCe 90Opel Corsa 1.4 16V
Sitzkomfort vorn15090868884
Sitzkomfort hinten10050484853
Ergonomie150125121120121
Innengeräusche5037372830
Geräuscheindruck10065666462
Klimatisierung5028282426
Federung leer200110114112108
Federung beladen200108112110104
Kapitelbewertung1000613612594588
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Motor & Getriebe

Nach seinem Facelift darf der Fiesta jetzt auch auf die neueste Motorengeneration von Ford zurückgreifen. Und so kommt statt des bisherigen 1,6 Liter großen Vierzylinders (nur noch mit Automatik und 105 PS zu haben) nun der ein Liter große Dreizylinder-Turbo EcoBoost zum Einsatz, den es mit 100 PS und 125 PS gibt. Zusammen mit dem Start-Stopp-System (200 Euro) erreicht der Fiesta 1,0 EcoBoost im Normzyklus einen Verbrauch von 4,3 Liter Superbenzin auf 100 Kilometern und 99 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer.

Ähnlich fortschrittlich motorisiert ist der neue Clio TCe 90. Herstellerverspechen: 4,5 Liter Verbrauch und 105 Gramm CO2 pro Kilometer. Allerdings muss dieser Dreizylinder mit 0,9 Litern und 90 PS auskommen. Gegen solch kleine Kraftwerke wirkt der 1,4 Liter große Vierzylinder von Opel wie ein Hubraumriese. Dafür benötigt der drehfreudige Rüsselsheimer keinen Turbolader und erreicht seine Leistung von 100 PS bei 6000 Touren. Den Mittelweg geht Volkswagen beim 1,2 TSI – ein Vierzylinder mit Turboaufladung und 105 PS.

So unterschiedlich die Konzepte sind, so verschieden lassen sich die Kleinwagen auch bewegen. Prinzipbedingt verfügt der Corsa über ein vergleichsweise niedriges Drehmoment von 130 Newtonmetern, das erst bei 4000 Umdrehungen erreicht wird. Damit sich der 16-Ventiler trotzdem sportlich in Szene setzen kann, verpasste ihm Opel ein sehr kurz übersetztes Fünfgang-Getriebe. Das knackige Schalten macht zusammen mit dem direkt ansprechenden Motor zwar Spaß, jedoch vermisst man vor allem bei längeren Autobahnstrecken einen sechsten Gang. So rotiert die Kurbelwelle bei Tempo 130 fast 4500 Mal die Minute. Zum Vergleich: Im fünften Gang des Ford Fiesta sind es gerade 2900 Umdrehungen. Kein Wunder also, dass der Opel auch beim Spritkonsum das Nachsehen hat. Auf der Normrunde der AUTO ZEITUNG verbraucht er 7,4 Liter Benzin. Das sind 1,2 Liter mehr als der sehr sparsame Fiesta für 100 Kilometer benötigt. Weil der Kölner Dreizylinder sein Drehmoment von 175 Newtonmetern zudem über ein deutlich breiteres Drehzahlband abrufen kann, muss bei ihm nur selten zum Schalthebel gegriffen werden. Der kernige Vierzylindersound weicht hier allerdings einem brummig heiseren Dreiertakt, der bei höheren Drehzahlen aber ebenso sportlich klingt. Und im Vergleich zum Dreiender von Renault entfaltet das Ford-Aggregat seine Leistung absolut gleichmäßig. Dass hier ein Turbolader für die nötige Kraft sorgt, merkt man kaum.

Im etwas schwachbrüstigen Clio wird einem hingegen häufiger bewusst, dass ein Downsizing-Triebwerk unter der Haube arbeitet. Im Leerlauf unrund aus dem kleinen Auspuff blubbernd, fehlt ihm etwas die Durchsatzkraft des EcoBoost-Motors von Ford. Obendrein nerven die Anfahrschwäche des Franzosen und seine Müdigkeit bei niedrigen Drehzahlen. Mit dem kleinsten Hubraum im Testfeld, dem niedrigsten Gesamtgewicht und serienmäßigem Start-Stopp-System braucht der Clio 6,4 Liter im Testschnitt.

Das sind nur 0,3 Liter weniger als der spürbar stärkere Polo mit einem Zylinder mehr, extra Hubraum und ohne Start-Stopp-System benötigt. Kein großer Verbrauchsvorteil – vor allem, weil der TSI-Motor von Volkswagen auch aus niedrigen Drehzahlen willig antreten kann und zwischen 1550 und 4100 Touren ein Drehmoment von 175 Newtonmetern bereithält. Als einziger im Test ist der Polo mit einem Sechsgang-Getriebe ausgestattet, das sich nicht nur gut und flüssig schalten lässt, sondern auch mit einem besonders langen letzten Gang glänzt. Der hilft, das Geräusch- und Verbrauchsniveau bei schnellen Autobahnetappen niedrig zu halten. Und schnell kann der Wolfsburger werden. Problemlos passiert die Tachonadel die 160er- und 180er-Markierung, während die anderen Kleinwagen bei diesen Tempi spürbar mit den Fahrtwiderständen zu kämpfen haben. Lässt man es mit dem Polo fliegen, sind hier Verbräuche von mehr als acht Litern an der Tagesordnung. Das gelingt aber auch mit Ford Fiesta, Opel Corsa und Renault Clio.

Motor und getriebeMax. PunkteVW Polo 1.2 TSIFord Fiesta 1.0 EcoBoostRenault Clio TCe 90Opel Corsa 1.4 16V
Beschleunigung15096947387
Elastizität10059696565
Höchstgeschwindigkeit15046384038
Getriebeabstufung10088858580
Kraftentfaltung5025252224
Laufkultur10064625860
Verbrauch325254264261241
Reichweite2512121310
Kapitelbewertung1000644649617605
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Inhaltsübersicht

Autos im Test

VW Polo 1.2 TSI

PS/KW 105/77

0-100 km/h in 10.30s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 190 km/h

Preis 18.390,00 €

Ford Fiesta 1.0 EcoBoost

PS/KW 101/74

0-100 km/h in 10.50s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 180 km/h

Preis 16.070,00 €

Renault Clio TCe 90

PS/KW 90/66

0-100 km/h in 13.30s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 182 km/h

Preis 16.300,00 €

Opel Corsa 1.4 16V

PS/KW 101/74

0-100 km/h in 11.40s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 180 km/h

Preis 15.110,00 €