Mini-Van-Vergleich 2012: Neuer Ford B-Max, Citroen C3 Picasso und Opel Meriva

Citroën C3 Picasso VTi 120 | Ford B-MAX 1.0 EcoBoost | Opel Meriva 1.4 Turbo ecoFLEX

Es gibt Zuwachs unter den Mini-Vans. Der neue Ford B-MAX muss im ersten Kräftemessen mit Opel Meriva und Citroën C3 Picasso zeigen, ob er das Zeug zum Sieger hat

Bis Anfang November müssen sich die Interessenten noch gedulden, dann erfolgt der Verkaufsstart für das dritte Mäxchen in Fords Produktpalette. Auf S- und C- folgt nun der auf dem Kleinwagen Fiesta basierende B-MAX, der den Vorgänger Fusion ablöst. Nach dem Opel Meriva ist der Kölner ein weiterer Vertreter aus Deutschland in dieser Fahrzeugklasse. Bereits seit 2009 geht der Citroën C3 Picasso erfolgreich auf Kundenjagd, nun möchte auch Ford etwas vom Kuchen abgreifen.

Drei Autos, drei unterschiedliche Türsysteme

Während bei der Motorleistung von 120 PS genau bis auf die letzte Pferdestärke Einigkeit unter den Mini-Vans herrscht, beschreiten die drei, was das Türsystem betrifft, vollkommen unterschiedliche Wege. Beim C3 Picasso öffnen die Türen ganz konventionell, Opel wiederum hat dem Meriva jeweils zwei entgegengesetzt öffnende Seitentüren spendiert.

Und der Ford? Um sich vom Meriva abzugrenzen, blieb den Ford- Verantwortlichen nur noch die Variante Klapptür vorn, Schiebetür hinten. Da sich die hintere Tür wegen der Führungsschienen nicht beliebig weit nach hinten schieben lässt und der Karosserieausschnitt somit eher klein ausfallen würde, muss der Ford B-MAX ohne die übliche B-Säule auskommen. Deren tragende Funktion im Fall eines Seitenaufpralls übernehmen dabei die beiden Türen, die gezielt mit ultra-hochfesten Stählen verstärkt wurden. Der Einstieg in den Fond gelingt problemlos, allerdings nur, sofern die vordere Tür ebenfalls geöffnet ist. Ansonsten gibt die Schiebetür nur einen recht kleinen Karosserieausschnitt frei. Auch die fehlende Armaufl age in der Türverkleidung sowie das umständliche und schwergängige Schließen der Tür von innen (siehe Kasten auf folgender Seite) können nicht vollauf überzeugen. Das Ein- und Aussteigen in den Mervia-Fond gestaltet sich wegen des recht kleinen Türausschnitts ebenfalls nicht so angenehm wie der Hersteller verspricht, der praktische Haltegriff an der B-Säule erleichtert das Prozedere allerdings. Positiv: Die hintere Tür öffnet fast im rechten Winkel, der Raum zwischen den beiden geöffneten Türen ist daher entsprechend groß und verschafft einem viel Bewegungsfreiheit – etwa wenn es darum geht, den Nachwuchs im Kindersitz unterzubringen.

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Der C3 Picasso bleibt mit seinen vier Klapptüren in diesem Wettstreit der Türkonzepte auf der konventionellen Seite, macht damit aber auch nichts falsch. Dafür wartet er im Gegensatz zum BMAX mit einer asymmetrisch verschiebbaren Rückbank sowie dreistufi g einstellbarer Rücksitzlehne auf. Gegen Aufpreis lässt sich zusätzlich die Lehne des Beifahrersitzes umklappen, wodurch eine durchgehende Ladefl äche entsteht. Der Kölner belässt es bei einer im Verhältnis 1/3 zu 2/3 teilbaren Rückbank und einem umklappbaren Beifahrersitz (Serie). Hier hätten wir uns von einem neuen Wagen etwas mehr erhofft, zumal der Meriva die Messlatte in puncto Variabilität bereits sehr hoch gelegt hat. Nur der Rüsselsheimer verfügt in der zweiten Reihe über drei klappbare Einzelsitze – die beiden äußeren lassen sich längs verschieben, und die Rückenlehnen kann man ebenfalls einstellen. Allen drei gemein ist ein doppelter, auch bei umgeklappter Bestuhlung ebener Ladeboden. Mit 318 bis maximal 1386 Litern hat der B-MAX auch in puncto Ladevolumen das Nachsehen gegenüber den beiden Kontrahenten, deren Kofferräume mehr Gepäck aufnehmen können (Citroën: 385 bis 1506, Opel: 400 bis 1500 Liter).

Bei der Zuladung leistet sich der Citroën C3 Picasso allerdings einen Lapsus: Mit höchstens 453 Kilogramm darf er deutlich weniger zuladen als seine beiden deutschen Mitbewerber.

Auf Der strAsse schlÄgt Die stunDe Des forD B-MAX

Doch genug mit dem Rücksitz- Origami, nun müssen die drei Familienautos zeigen, dass sie nicht nur zum Transportieren von Personen und Gepäck taugen, sondern auch Fahrspaß bieten. Der größte Spaßbringer ist zweifelsohne der neue Ford B-MAX, was neben der knackigkomfortablen Fahrwerksabstimmung und der direkten Lenkung vor allem am quirligen Dreizylinder- Turbomotor liegt. Der lediglich 999 cm3 große Benziner legt nach einer kleinen Anfahrschwäche energisch los, dreht spielerisch hoch und zeigt auch bei der Laufkultur keine Blöße. Obwohl akustisch durchaus als Dreizylinder zu erkennen, sind ihm störende Vibrationen fremd – und das, obwohl die Kölner auf eine Ausgleichswelle verzichten. Mit einem Normverbrauch von 4,9 Litern pro 100 km gibt Ford den jüngsten Sprössling zudem als sparsamsten Mini-Van an. Am Ende der Testfahrten wies der Bordcomputer mit 7,0 Litern einen Verbrauchsvorteil von einem halben Liter auf Meriva und C3 Picasso aus.

Trotz identischer Motorleistungen wirken C3 Picasso und Meriva angestrengter und weniger kräftig. Im Fall des Franzosen liegt das am wenig durchzugsstarken Saugmotor, der 1.4 Turbo im Opel hingegen hat mit dem hohen Fahrzeuggewicht und der langen Übersetzung des Sechsgang-Getriebes zu kämpfen. Die Citroën- Schaltung missfällt mit ihrer labberigen Führung und den langen Schaltwegen, und die gefühllose sowie indirekte Lenkung und die softere Fahrwerksabstimmung ersticken jegliche sportlichen Ambitionen des Fahrers. Der Meriva zielt dagegen eher Richtung B-MAX. Seine Lenkung arbeitet angenehm direkt, aber etwas zu schwergängig, das straffe Fahrwerk reicht in Verbindung mit den 17-Zöllern nicht an das gute Ansprechverhalten des Kölners heran. Mit rund 18.500 Euro rangieren die drei Mini-Vans preislich auf einem Niveau. Doch nur der C3 Picasso bietet ab Werk Klimaanlage und CD-Radio – die beiden Deutschen lassen sich diese Annehmlichkeiten teuer bezahlen.

FAZIT

Der Ford B-MAX bringt frischen Schwung in die Klasse der Mini-Vans und ist der neue Fahrspaß-König. Das knackige und zugleich komfortable Fahrwerk gefällt ebenso wie der kräftige sowie sparsame Dreizylinder. In puncto Variabilität und Platzangebot muss er aber dem Opel Meriva den Vortritt lassen, allerdings geht dessen Benziner wenig engagiert zu Werke. Der Citroën C3 Picasso kaschiert Schwächen bei Antrieb und Handlichkeit mit seinem französischen Charme und dem pfiffigen Design.
Alexander Lidl

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Citroën C3 Picasso VTi 120

Citroën C3 Picasso VTi 120

PS/KW 120/88

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Vorderrad, 5 Gang manuell

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Ford B-MAX 1.0 EcoBoost

Ford B-MAX 1.0 EcoBoost

PS/KW 120/88

0-100 km/h in 11.20s

Vorderrad, 5 Gang manuell

Spitze 189 km/h

Preis 18.350,00 €

Opel Meriva 1.4 Turbo ecoFLEX

Opel Meriva 1.4 Turbo ecoFLEX

PS/KW 120/88

0-100 km/h in 11.50s

Vorderrad, 6 Gang manuell

Spitze 188 km/h

Preis 18.315,00 €