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BMW Z4/Mercedes SLC: Test

Neuer SLC fordert den Z4 heraus

Mit dem Facelift wird aus dem SLK ein Mercedes SLC. Wie gut der überarbeitete Schwaben-Roadster fürs Frischluftvergnügen taugt, klärt der Vergleichstest mit dem bayerischen Rivalen BMW Z4.

Zweifellos war der Mercedes SLK bei seiner Markteinführung 1996 mit seinem Metall-Klappdach so etwas wie ein Trendsetter unter den modernen Roadstern – obwohl die Technik erstmals schon in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts bei Peugeot debütierte. Heute, nunmehr in der dritten Generation unterwegs, erhielt der SLK mit dem Facelift nicht nur das moderne Mercedes-Markengesicht, sondern startet auch mit einem neuen Namen durch: Aus dem SLK wird der Mercedes SLC, womit auf die technische Verwandtschaft zur C-Klasse hingewiesen wird. Der BMW Z4 hat sich in der zweiten Generation ebenfalls von der Stoffmütze verabschiedet und hält in diesem Vergleichstest wetterfest dagegen. In nur 19 Sekunden faltet sich das SLC-Dach mit elektrohydraulischer Hilfe in den Kofferraum. Der Test-Z4 benötigt für diesen Vorgang 26 Sekunden, erlaubt aber im Gegensatz zum Mercedes das Öffnungs- und Schließprozedere während der Fahrt bis 40 km/h. Der Stuttgarter muss hierfür jeweils zunächst einmal auf fünf km/h abgebremst werden, kann den Vorgang dann allerdings während der Fahrt ebenfalls bis 40 km/h fortsetzen – wahrscheinlich ein Zugeständnis an das optionale und schwere Vario-Glasdach (2642 Euro). Die etwas höherwertige Materialanmutung im Innenraum des SLC schmeichelt dem Auge, und die hohe Verwindungssteifigkeit beweist die Solidität des Schwaben.

Bildergalerie starten: BMW Z4 und Mercedes SLC

Mercedes Modellpalette (Video):

 

Roadtser-Test: BMW Z4 und Mercedes SLC

Kompromisse erfordert das Be- und Entladen der Kofferräume, die bei geöffnetem Dach auf 180 (Z4) beziehungsweise 225 Liter ( SLC) schrumpfen, denn hier bleibt nur ein kleiner Schacht übrig, durch den das Gepäck bugsiert werden muss. Viel darf es ohnehin nicht sein, da die Zuladung sowohl im Z4 (232 Kilogramm) als auch im SLC (289 Kilogramm) ziemlich begrenzt ist. Sehr gut fällt die Sicherheitsausstattung im Mercedes aus: Spurhalte- und Spurwechselassistent oder Verkehrszeichenerkennung sucht man beim BMW vergebens. Dauert die Roadster-Tour mal bis in den kühleren Abend, wärmt der Mercedes SLC mit seiner in die Kopfstützen integrierten Kopfraum-Heizung Airscarf wirkungsvoll den Nacken. Auch die Schulterabstützung fällt bei seinen serienmäßigen Sportsitzen besser aus als bei den aufpreispflichtigen Fauteuils des BMW Z4. Allerdings sind die Kopfstützen des Mercedes zu weit hinten montiert, und ihr Neigungswinkel lässt sich nicht einstellen. Mit dem Facelift erhielt der Stuttgarter einen auf sieben Zoll gewachsenen Bildschirm. Der überfrachtete Multifunktionshebel am Lenkrad mit Drehschalter für Scheibenwischerbedienung, Blinker und Lichtschalter aber blieb. Sehr gut: Die Bedienelemente für die Sitzeinstellung sind griffgünstig in die Türverkleidung integriert. Unterwegs begeistern die beiden Roadster mit einem angenehm niedrigen Schalldruckpegel, allerdings sind die Reifenabrollgeräusche im Mercedes stets recht präsent. Spätestens wenn die Cabrio-Tour über zweit- und drittklassige Landstraßen führt, ist das jedoch vergessen und die Freude über den satten Abrollkomfort des Stuttgarters steigt. Es ist beachtlich, was er mit seinen adaptiven Dämpfern trotz 18-Zoll-Mischbereifung an Straßenunebenheiten herausfiltert. Da verzeiht man ihm die gelegentlich starken Ausfederbewegungen der Hinterachse auf kurzen Bodenwellen gern. Der Münchner, in unserem Test ebenfalls mit optionalen adaptiven Dämpfern bestückt, schüttelt seine Insassen deutlich stärker durch, spart sich aber die teils heftigen Ausfederbewegungen. Dafür teilt er den Passagieren die Qualität des Straßenbelags über mitunter auftretende Fahrwerksgeräusche mit.

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SLC 300 und Z4 sDrive28i setzen auf Downsizing-Vierzylinder

BMW Modellpalette (Video):

 

Wo in dieser Leistungsklasse früher sechs Zylinder am Werk waren, übernehmen diese Rolle heutzutage downgesizte vier – hier wie dort mit freundlicher Unterstützung eines Turboladers. Jeweils 245 PS liefern die Benzin-Direkteinspritzer mit 2,0 Liter Hubraum. Dabei wirkt der BMW Z4 sDrive28i etwas lebhafter als der leistungsgleiche Mercedes SLC. Subjektiv hängt sein Motor etwas besser am Gas und gibt sich auch drehfreudiger. Bei den Fahrleistungen setzt der Z4 mit 5,6 Sekunden für den Standardsprint auf 100 km/h im Test die Bestmarke (SLC: 6,4 s), die Spitze beträgt bei beiden elektronische abgeregelte 250 km/h. In puncto Kraftübertragung verhilft dem Mercedes die serienmäßige, im Comfort-Modus recht träge reagierende Neunstufen-Automatik zwar zu einem niedrigen Drehzahlniveau, nicht aber zu einem geringen Verbrauch: 9,4 Liter vom teuren Super Plus sind auf 100 km fällig, während sich der BMW mit 9,2 Liter Super begnügt. Doch muss hier erwähnt werden, dass eine schnelle Autobahnhatz die Verbräuche turbotypisch überproportional ansteigen lässt. Schnell signalisieren die recht genau anzeigenden Bordcomputer dann 15 Liter und mehr.

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Subjektiv ist der BMW Z4 dynamischer, objektiv der SLC 300

Auf dem Handlingkurs beeindruckt der BMW Z4 sDrive28i mit seiner feinfühligen, rückmeldungsfreudigen Lenkung. Weniger ins Bild passen die Aufbaubewegungen in schnellen Wechselkurven. Hier muss der Fahrer vor dem Einbiegen mit der top dosierbaren Bremse recht viel Tempo herausnehmen, um die Untersteuertendenz im Zaum zu halten. Am Kurvenausgang freut sich der BMW-Treiber dann über ein leicht handhabbares Leistungsübersteuern, erkennt aber auch, dass die Traktion schlechter als beim Mercedes SLC ausfällt. Dieser produziert bei Kurvenfahrt deutlich weniger Aufbaubewegungen, setzt vorgegebene Richtungswechsel jedoch subjektiv nicht so spontan um. Obendrein operiert seine optionale Direkt-Lenkung zwar sehr zielgenau, bietet aber weniger Fahrbahnkontakt als die seines Rivalen, und der Sportmodus erfordert etwas zu hohe Lenkkräfte. So fühlt sich der SLC im Test in der Summe etwas träger an. Trotzdem nimmt er dem Z4 bei der Zeitnahme im Handling eine halbe Sekunde ab, während beim Slalom der leichtfüßige BMW einen Hauch schneller ist. Liegen beide beim Kaltbremswert noch gleichauf, braucht der Mercedes SLC mit einem Warmbremswert von nur 35,8 m aus 100 km/h fast zwei Meter weniger als der Z4.

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Die Motoren der beiden Kandidaten wurden nach der Downsizing-Devise entwickelt, ihre Kosten dagegen nicht. Mit testrelevanter Ausstattung kratzen sowohl der Mercedes SLC 300 als auch der BMW Z4 sDrive28i an der 50.000-Euro-Grenze. Der Wertverlust binnen vier Jahren und 80.000 km beläuft sich hier wie dort auf den Gegenwert eines gut ausgestatteten Kompaktwagens. Auch die Werkstattkosten sind nicht von Pappe: So müssen BMW-Kunden 616 Euro pro Jahr kalkulieren, Mercedes-Fahrer gar 660 Euro. Dafür ist der Stuttgarter in der Steuer günstiger. Kurios: Die zwei Roadster weisen haargenau die gleichen Typklassen auf. Alles in allem hat das Frischluftvergnügen der beiden Konkurrenten seinen Preis. Das Testfazit lesen Sie unterhalb der Tabelle mit technischen Daten und Messwerten.

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Technische Daten BMW Z4 sDrive28i
Mercedes SLC 300
Zylinder/Ventile p.Z. R4/4; Turbo R4/4; Turbo
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1997 cm³ 1991 cm³
Leistung
bei
180 kW/245 PS
5000–6500 /min
180 kW/245 PS
5500 /min
Max. Drehmoment
bei
350 Nm
1250–4800 /min
370 Nm
1300–4000 /min
Getriebe 8-Stufen-
Automatik
9-Stufen-
Automatik
Antrieb Hinterrad Hinterrad
L/B/H in mm 4239/1790/1291 4133/18717/1301
Gepäckraum 180 – 310 l 225 – 335 l
0-100 km/h 5,6 s 6,4 s
0-200 km/h 22,2 s 25,1 s
Höchstgeschw. 250 km/h 250 km/h
100-0 km/h
kalt/warm
36,2 / 37,7 m 36,0 / 35,8 m
Handling 1:47,9 min 1:47,4 min
Testverbrauch 9,2 l S/100 km 9,4 l S/100 km
Grundpreis 44.250 Euro 46.380 Euro
Platzierung 2 1

Elmar Siepen
Fazit

Auch nach dem Facelift bleibt der SLK, pardon Mercedes SLC, seinen Werten treu: Solide und komfortabel geht er mit umfangreicher Sicherheitsausstattung und guten Bremsen als Testsieger aus diesem Rennen. Der BMW Z4 Roadster rollt als Zweitplatzierter vom Redaktionsparkplatz. Ein Verlierertyp im klassischen Sinne ist er deshalb nicht. Sein sparsamer und drehfreudiger Motor sowie die tolle Automatik bedienen nach wie vor die Freunde gehobener Fahrdynamik. In Sachen Bremsen und Traktion fällt er jedoch hinter den Mercedes zurück. Auch sonst merkt man ihm im Detail an, dass er in die Jahre gekommen ist. Sei's drum, der frühe Sonntagmorgen auf einsamen Landstraßen lässt sich in beiden Roadstern vortrefflich genießen.