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BMW X6 M50d vs. Porsche Cayenne S Diesel

Masse-Tauglich

Fahrkomfort

Im direkten Vergleich sitzt man im BMW wie in einem SUV: hoch und weniger ins Fahrzeug integriert. Die Sportsitze (Serie) sind aber bequemer, weil weiter geschnitten als die des Porsche. Der bietet dafür seinen Fondgästen mehr Konturierung, wenn man die vielfach einstellbaren Sportsitze für vorn ordert (1892 Euro). Auf guten Polstern, aber mit stärker angewinkelten Beinen und wenig Seitenhalt nehmen die X6-Fondpassagiere Platz. Der subjektive Geräuscheindruck gefällt im BMW besser als im Porsche, was auch das Messgerät belegt. Der Reihensechser säuselt stets leise – es sei denn, man wechselt in den Sport- Modus und lässt sich vom Soundgenerator beschallen. Bei hohem Tempo nerven außerdem Windgeräusche. Der Cayenne-Klang ist Geschmackssache, ein echter V8 eben – das hören auch die Hinterherfahrenden. Ansonsten ist der Porsche gut geräuschisoliert, der Testwagen sogar mit Dämmglas für 1226 Euro. So lässig der Cayenne seine 850 Nm aus dem Antrieb schüttelt, so souverän nimmt er auch Fahrbahnunebenheiten jeglicher Art. Er gerät fast nie aus der Ruhe – dank Luftfederung und adaptiver Dämpfer rundum (3499 Euro). Auch der BMW rollt zwar adaptiv gedämpft über Straßenschäden, gibt sich aber trotzdem härter. Er liegt speziell bei hohem Tempo und angeregt durch Unebenheiten nicht so satt wie der Porsche – Einflüsse in der Lenkung inklusive.

Motor / Getriebe

Ja, auch BMW hatte mal einen V8-Diesel, doch zwei Zylinder weniger und drei Turbolader reichen auch – dank SCR-Kat jetzt mit Euro- 6-Abzeichen. Seidenweich und linear dreht der Dreiliter-Reihensechser im Sportmodus bis 5500 Touren hoch (sonst bis 4500 / min), entwickelt maximal 381 PS und zwischen 2000 und 3000 /min satte 740 Nm Drehmoment. Doch hier setzt der Porsche mit modifiziertem 4,1-Liter-V8 von Audi und zwei Ladern noch eins drauf: 385 PS und 850 Nm ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen sind fürs Knacken der Fünfsekunden-Marke beim Standard-Sprint verantwortlich. Die Achtstufen-Automaten schalten hier wie dort weich und unauffällig, im BMW noch eine Spur sanfter und per Knopfdruck sogar mit zackigem Sport-Charakter. Die Top-Diesel schlucken ähnlich viel und machen nicht nur an der Ampel eine Pause, sondern gehen bei Gaswegnahme während der Fahrt auf Leerlaufdrehzahl, im Fachjargon „Segeln“ genannt (BMW: im „Eco-Pro-Modus“). Beim Porsche stört diese Funktion allerdings, weil er beim erneuten Gasgeben eine Gedenksekunde für den Kraftschluss benötigt . Doch mit diesem Hilfsmittel und dem 100-Liter-Reservoir (ohne Aufpreis) kommt der Cayenne S Diesel über 900 km weit.

Fahrdynamik

Ein Schuss mehr Dynamik merkt man dem neuen X6, der auf dem X5 basiert, an. Zwar untersteuert er im Grenzbereich noch immer stark, er kommt dem Cayenne in diesem Test aber sehr nahe. Der stürmt mehr heckbetont voran, erlaubt bei Lastwechseln auch mal etwas Übersteuern und ist hier mit fast allem ausgestattet, was die Fahrdynamik zusätzlich steigert. Dass der BMW dynamisch quasi auf Augenhöhe mit dem Porsche fährt, liegt besonders an der sensiblen Optionsbereifung des Cayenne. Im Einzeltest (Ausgabe 24/2014) waren noch 20 Zoll große, prima haftende Michelin Latitude Sport montiert, jetzt rollt der Porsche auf einen Zoll größeren Yokohama Advan Sport. Die brauchen höhere Temperaturen, ehe sie richtig haften – das zeigen besonders die Bremswerte und das Fahrverhalten im Grenzbereich. Damit der massige Cayenne sein volles fahrdynamisches Potenzial ausschöpfen kann, benötigt er eine sehr starke Seitenführung, die ihm die Yokohama nur bedingt liefern. In puncto Lenkung sowie Geradeauslauf hat der Por- Das war knapp: Mit kleinem Vorsprung hält der überarbeitete Cayenne S Diesel den taufrischen BMW X6 M50d auf Distanz. Dieser hat in puncto Fahrwerk, Komfort und Ausstattung dazugewonnen, setzt seinen vermeintlichen Effizienzvorteil mit dem Triturbo- Diesel aber nicht konsequent um. Der Porsche überzeugt auch nach dem Facelift mit gutem Federungskomfort, dynamischem Talent, hohem Nutzwert sowie faszinierendem Antrieb.

Paul Englert