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BMW 530d/730d: Vergleich Mittel- gegen Oberklasse

Der 5er nimmts mit dem 7er auf

Satte 30.000 Euro trennen die bewährte Business-Limousine BMW 530d vom neuen Luxusliner 730d. Ist der heftige Aufpreis für das Münchner Topmodell wirklich gerechtfertigt? Vergleichstest.

Der neue 7er BMW hat zwei wichtige Missionen zu erfüllen: Einerseits soll er den Thron im Segment der Luxuslimousinen erklimmen und die Konkurrenz aus Ingolstadt sowie Stuttgart in die Schranken weisen. Andererseits soll er die Verhältnisse innerhalb der Modellpalette der Marke BMW wieder zurechtrücken und das unmissverständliche Topmodell der weiß-blauen Marke sein. Schließlich gab es zuletzt zahlreiche kritische Stimmen, die dem eben abgelösten 7er vom Typ F01 attestierten, nicht viel mehr als ein geräumigerer 5er zu sein. Mit diesem Vorwurf will der 265 PS starke 730d im Vergleichstest gegen die kleinere BMW-Baureihe unmissverständlich aufräumen. Doch der ausgereifte, 258 PS starke 530d ist alles andere als ein leichter Gegner. Dank sorgfältiger Modellpflegemaßnahmen befindet sich der beliebte Business-BMW in der Form seines Lebens. Auch wenn unser 5er alles andere als ein enges Auto ist, an das feudale Raumangebot des neuen 7er reicht er nicht heran. Gerade hinten wird der Klassenunterschied der beiden Testwagen aufgrund der üppigeren Beinfreiheit offensichtlich. Zehn Zentimeter mehr Radstand sorgen hier für ein deutliches Plus an Bewegungsfreiheit für die Fondgäste. Etwas kurios: Der rund 19 Zentimeter kürzere BMW stellt im Test einen minimal größeren Kofferraum bereit.

Bildergalerie: BMW 530d gegen BMW 730d im Bruder-Test

Der 730d verhält sich im Test wie ein fliegender Teppich

Auf einem erfreulich hohem Niveau ist in beiden BMW-Modellen die Sicherheitsausstattung, die jeweils mit aktuellsten Assistenzsystemen aufwartet. Der neue 7er ist bereits serienmäßig vollgestopft mit zahllosen Infotainment-Funktionen. Schwer zu bedienen ist er deshalb aber nicht. Im Gegenteil: Wie auch der Kontrahent aus gleichem Hause, wartet das bayerische Topmodell mit logisch gruppierten Menüs auf – wenngleich sie etwas anders, eben moderner, als im seit sechs Jahren angebotenen 5er aussehen. Neben dem bekannten iDrive-Controller bietet der intern G11 genannte Luxusliner als Novum für einen BMW einen Touchscreen sowie erstmalig eine Gestensteuerung. Letztere stellt im Testfahrzeug aber nicht viel mehr als eine nette Spielerei dar, da die Menge an steuerbaren Funktionen überschaubar ist und das System eher träge reagiert. Deshalb fährt man in den meisten Fällen am besten mit der bewährten Bedienung über den zentralen Dreh-Drück-Steller oder über die Tasten am Lenkrad. Unterschiede gibt es ferner bei der Materialauswahl. Keine Frage, der 530d in unserem Vergleichstest ist absolut hochwertig gemacht und hervorragend verarbeitet. Dennoch wirkt der große Verwandte noch edler, was im Wesentlichen am reduzierten Kunststoffanteil im Cockpit liegt. So verfügen beispielsweise nahezu sämtliche Tasten im Armaturenträger über ein schmuckes Aluminium-Cover mit hinterleuchtetem Funktionssymbol.

Mehr Fahr- und Motorengeräusche im BMW 5er

Wenn derzeit ein Fahrzeug aus München das Attribut "fliegender Teppich" verdient hat, dann der neue 7er. Die serienmäßig mit Luftfederung und adaptiven Dämpfern ausgerüstete Luxuslimousine bietet einen überlegenen Federungskomfort und bügelt fast jede noch so schlechte Straße glatt. Dabei ist es dem großen Bajuwaren herzlich egal, ob sich lediglich eine Person an Bord befindet oder das zulässige Gesamtgewicht von immerhin 2450 Kilogramm anliegt. Anders der getestete 530d, der leer mit den optionalen adaptiven Dämpfern (1300 Euro) zwar ordentlich federt, bei maximaler Beladung allerdings merklich weniger Reserven bereitstellt und auf extrem unebenen Fahrbahnoberflächen früher an seine Grenzen stößt. Sowohl der 530d als auch der 730d treten den Test mit optionalen Komfortsitzen an. Dementsprechend reist es sich vorn in beiden Limousinen ähnlich kommod – wenngleich das BMW-Topmodell dank Rücklehnenknick-Einstellung und Massagefunktion auch hier einen kleinen Vorteil bietet. Über einen maßgeblich besseren Sitzkomfort dürfen sich indes im 7er die Fondpassagiere freuen. Die geräumige Rückbank ist nicht nur angenehmer gepolstert, sie verfügt auch über eine größere Beinauflage, was vor allem Großgewachsene wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Zudem ist der 7er ein echter Leisetreter. Fahr- und Motorgeräusche übertragen sich wesentlich schwächer in den Innenraum als dies im 5er der Fall ist.

BMW 530d wirkt etwas träger als sein großer Luxusbruder

Dank des hervorragenden Reihensechszylinder-Turbodiesels mit drei Liter Hubraum laufen die beiden schweren Viertürer zur Höchstform auf. Den Standardsprint aus dem Stand auf Tempo 100 absolvieren sie in weniger als sechs Sekunden. Die sieben PS Leistungsvorteil für den 7er fallen im Testduell derweil nicht ins Gewicht – wohl aber das um 60 Nm höhere Drehmoment, dank dem die größere der beiden BMW-Limousinen in niedrigen Drehzahlregionen noch wuchtiger anschiebt. In beiden Fällen ein kongenialer Partner des laufruhig agierenden Power-Diesels ist die hier wie da serienmäßige Achtstufen-Automatik, die von ZF zugeliefert wird. Sie wechselt die Übersetzungen schnell, treffsicher und nahezu unmerklich. Was aufgrund der schieren Größe etwas überrascht: Der neue 730d ist im Vergleich zum 530d nicht nur das deutlich komfortablere, sondern gleichzeitig auch das fahrdynamischere BMW-Modell. Dies beweist der gerade einmal 88 Kilogramm schwerere Luxusliner zum einen auf dem anspruchsvollen Handlingkurs, den er eine ganze Sekunde schneller umrundet als der kompaktere Bajuware. Zum anderen eilt er auf der Teststrecke  schneller durch die Slalomgasse. Verantwortlich für die gute Vorstellung des 7er sind die harmonische Fahrwerksabstimmung inklusive optionalem Wankausgleich (2950 Euro), die hervorragende Traktion sowie die mitteilungsfreudige Lenkung, über die sich der stattliche Viertürer präzise dirigieren lässt.

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Der 530d wirkt, obwohl er wie auch der 730d mit der optionalen variablen Allradlenkung ausgestattet ist, insgesamt träger. Dazu schiebt er stärker über die Vorderräder. Außerdem verliert die Business-Limousine aufgrund der längeren Bremswege im Test der beiden Limousine wichtige Punkte. Der 7er braucht in kaltem Komponentenzustand fast drei Meter weniger für die Vollbremsung aus 100 km/h bis zum Stand. Darüber hinaus begeistert die Bremse der Luxus-Limousine mit einem glasklaren Pedalgefühl. Der 530d ist im zu bewertenden Preis ganze 33.000 Euro günstiger als sein höherklassiger Testgegner. Dass er damit das Kostenkapitel klar für sich entscheidet, liegt auf der Hand – zumal dem 730d ein immenser Wertverlust prognostiziert wird. Zusätzlich verhageln dem Neuling die ungünstigeren Typklassen-Einstufungen die Kostenbilanz. Immerhin: Dank der im Neupreis enthaltenen Wartungsaufwendungen für die ersten fünf Jahre oder 100.000 Kilometer fallen die Werkstattkosten für die Luxuslimousine erfreulich niedrig aus.

Marcel Kühler
Fazit

Mission erfüllt: Der BMW 730d weist den kleineren Kontrahenten aus dem eigenen Stall trotz dessen unbestrittener Qualitäten klar in die Schranken. Dem bajuwarischen Luxuskreuzer gelingt der schwierige Spagat zwischen Freude am Fahren und überragendem Fahrkomfort wie kaum einem anderen aktuellen Auto. Er fährt sich gelassener und gleichzeitig agiler als der 530d. Dazu geht sein antrittsstarker Motor in unserem Vergleichstest noch sparsamer mit Kraftstoff um. Der kleinere der beiden Nobel-Bayern entpuppt sich nach wie vor als ausgereiftes Langstreckenfahrzeug, das erwartungsgemäß im Kostenkapitel auftrumpft. Wer sich den 7er nicht leisten kann oder will, findet im 5er eine repräsentative Alternative, die auch nach sechsjähriger Bauzeit nicht zum alten Eisen gehört.