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Lexus CT 200h und BMW 118d im Vergleich

BMW 118d und Lexus CT 200h

Erstmals kommt mit dem CT 200h ein kompakter Lexus auf den Markt. Mit edlen Zutaten und modernster Hybrid-Technik fordert er den 118d von BMW heraus. Ein erster Vergleich der Premium-Sparer

Es gibt sicher treue Lexus-Kunden, die sich dieses Auto gewünscht haben – ein kompaktes für die Stadt, das weniger auffällig ist als ein RX oder sparsamer als ein GS. Eben ein klassischer Zweitwagen. Bisher musste man sich nämlich bei der Konzernmutter Toyota danach umschauen, fand dort sicherlich das passende, wenn auch nicht ganz so exklusive Angebot. Aber eben keinen Lexus. Der neue CT 200h dürfte somit also schon eine beglückte Stammkundschaft besitzen, bevor er im März überhaupt auf den Markt kommt.

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Bereits jetzt sind 400 feste Vorbestellungen bei den deutschen Lexus-Foren eingegangen. Doch die Lexus-Gemeinde wird nicht die einzige sein, die mit dem Frischling aus Japan liebäugelt. Nach einem ersten Vergleich geht der CT 200h als echte Alternative zu Audi A3 und BMW 1er durch. Schon von außen reiht sich der graphitgraue 200er in die Riege dieser kompakten Premiumwagen ein – mit markant dynamischer Statur, minimalen Spaltmaßen und einer auch ansonsten hochwertig verarbeiteten Karosserie. Die ist sogar acht Zentimeter länger als die des fünftürigen 1er-BMW, der zu diesem Vergleich als 118d in Marrakeschbraun antritt.

Obwohl das Interieur des Japaners komplett neu gestaltet ist, kommt es einem doch irgendwie vertraut vor – Lexus-Kunden werden sich auf jeden Fall zu Hause fühlen. Materialien, Knöpfe und Anzeigen stammen eindeutig von den höherpreisigen Modellen. Auch wenn es Konkurrent BMW noch besser schafft, alles wie aus einem Material-Guss wirken zu lassen, erscheint das Arrangement im Lexus nicht weniger hochwertig. Vor allem die flauschigen Velourssitze machen einen sehr erlesenen Eindruck und nehmen Fahrer und Beifahrer angenehm fest in die Zange.

Auf der hinteren Bank hat man zwar nicht viel mehr Platz als im kleinen BMW, kommt aber zu zweit auch längere Zeit gut zurecht. Nur Sitzriesen werden hier wie da Probleme mit der Kopffreiheit bekommen. Als überraschend geräumig erweist sich der Kofferraum hinter der kleinen Luke. 375 Liter passen ins CT-Heck, ganze 45 Liter mehr als beim 1er. Dieser Wert ist umso erstaunlicher, weil sich unter dem Ladeboden noch die Batterie für den Hybridantrieb versteckt. Unter dem Blechkleid arbeitet nämlich die gleiche Antriebstechnik wie im Toyota Prius der aktuellen dritten Generation.

Gemeint ist der leistungsverzweigte Vollhybrid samt stufenlosem Automatikgetriebe. Unter der mehrfach gewölbten Motorhaube rotiert also nicht nur ein Benzinmotor – in diesem Falle ein 1,8 Liter großer Vierzylinder mit 99 PS –, sondern auch eine 60 Kilowatt starke E-Maschine. Beide Aggregate können einzeln oder gemeinsam die Vorderräder antreiben. Während der Verbrenner seine Energie einem 45-Liter-Benzintank entnimmt, zieht die E-Maschine die Kraft aus einer Nickel-Metallhydrid-Batterie, die eben über der Hinterachse sitzt.

Der etwa 40 Kilogramm schwere Akku mit einer Kapazität von 1,3 Kilowattstunden reicht aus, um den CT 200h bis zu zwei Kilometer weit und 45 km/h schnell rein elektrisch zu bewegen. Lautloses Vom-Hof-Schleichen und emissionsfreie Ampelstarts sind also durchaus drin. Und im zähen Stop-and-go-Verkehr des Stadtalltags kann der Lexus mit dem Generator beim ständigen Abbremsen Energie zurückgewinnen und elektrisch im Akku speichern. Ladezustand, Antriebsart und Energiefluss können auf dem Display angezeigt werden und animieren zum Sparen. Doch Achtung, hinter der Ökoanzeige versteckt sich echtes Suchtpotenzial. Wer das Knausern auf die Spitze treiben will, nutzt die neue Funktion der Automatik.

Denn neben den Fahrstufen für vor- und rückwärts lässt sich der kleine Hebel auch kurzzeitig auf B stellen. Dann erzeugt der Generator ein höheres Schleppmoment und damit mehr elektrische Energie. Sinnvoll ist dieses Extra zum Beispiel bei Bergabfahrt oder dem Heranrollen an rote Ampeln. Im Rekordverbrauchsfieber kamen wir bei unserer Stadtfahrt durch Frankfurt laut Bordcomputer tatsächlich mit weniger als vier Liter Benzin je 100 Kilometer aus. Da muss selbst der überaus sparsame BMW 118d mit Sechsgang-Schaltung und Start-Stopp- System passen. Bei ihm standen nach der Prüfung sechs Liter in der Anzeige.

Doch der 200er kann auch anders. Wer den kleinen Alu-Drehknopf in der Mittelkonsole von „EV“ (Electric Vehicle) über „Eco“ und „Normal“ ganz nach rechts dreht, sieht buchstäblich Rot. Dann nämlich wechseln Tacho-, Armaturenund Cockpitbeleuchtung von blau auf rot, und das linke Rundinstrument verwandelt sich vom Öko-Bogen in einen Drehzahlmesser. Jetzt reagiert die Lenkung spitzer, ESP und Traktionskontrolle später und das Gas direkter. Kurzzeitig kann sogar der Elektromotor seine Betriebsspannung um 150 auf 650 Volt erhöhen und kräftiger anschieben.

Den Effekt merkt man sofort und nutzt ihn gern vor Überholmanövern. Denn im Normalmodus braucht die Automatik zum spontanen Beschleunigen doch ein wenig lang, um den Benziner auf Touren zu bringen. Beide Motoren im Lexus mobilisieren zusammen maximal 136 PS. Der Zweiliter-Diesel von BMW leistet zwar nur sieben PS mehr, wirkt aber stets um einiges kräftiger, weil er seine Kraft gelassen auch aus tiefen Drehzahlen aufbringen kann. Dennoch hält der Lexus auf kurvigen Landstraßen ordentlich mit, vor allem weil sein Fahrwerk sehr sportlich-straff ausgelegt ist.

Lenkung und Federung geben direkte Rückmeldung, bei Unebenheiten vielleicht sogar etwas zu viel. Dafür wirkt die Karosserie extrem steif. Der ultrafeste Rahmen um die Kofferraumöffnung und der lange, für die Klasse unübliche Querdämpfer zwischen den vorderen Federdomen (500 Euro) zeigen Wirkung. Auf der Autobahn muss der CT 200h den BMW ziehen lassen. Während der ohne Aufregung die 200-km/h-Marke knackt, will man dem Hybriden kaum mehr als 160 km/h zumuten. Zu laut wird dann der Motor, der durch die stufenlose Übersetzung zu unangenehm hohen Drehzahlen gezwungen wird.

Und die harte Fahrwerksabstimmung trübt beim regelmäßigen Überfahren von Querfugen den ansonsten so unaufgeregten Eindruck. Nein, die Autobahn ist nicht das Revier des Japaners – auch wenn sich der Verbrauch hier mit gut acht Litern weniger dramatisch entwickelt als das akustische Erlebnis vermuten lässt. Auf schnellen Langstrecken ist das BMW-Konzept klar überetlegen. Das Fahrwerk bildet einen idealen Kompromiss aus Sportlichkeit und Langstreckenkomfort, und der Durst pegelt sich selbst bei zügigerer Fahrweise unerschütterlich bei sechs Litern ein.

Beim Preis liegen beide Kontrahenten auf Augenhöhe – rechnet man beim BMW Klimaautomatik, Lenkradfernbedienung und Soundsystem zum Grundpreis hinzu. Den Automatik- und Hybrid-Bonus behält aber der Lexus. Der Japaner lässt sich obendrein in den Ausstattungslinien Executive, Dynamic oder Impression bestellen. Letztere ist stolze 10.120 Euro teurer als die Basis, dafür allerdings schon mit Leder, Navi, und LED-Scheinwerfern bestückt. Der Abstandsregeltempomat mit Pre-Crash-Sicherheitssystem kostet nochmals 2.530 Euro extra.

Fazit

Wer eine exklusive Alternative zu den Edel-Kompakten von Audi oder BMW sucht, wird jetzt endlich bei Lexus fündig. In Sachen Alltagstauglichkeit, Qualität und Verarbeitung steht der neue CT 200h den deutschen Kontrahenten in nichts nach. Sicher sind Autobahn-Vielfahrer mit einem Diesel besser bedient. Doch lautlos durch Stadt und Land rollen kann man nur mit diesem Nobel-Hybriden. Und bei Kundenzufriedenheit und Markentreue ist die Marke Lexus ohnehin Spitze.

Markus Schönfeld

Inhaltsübersicht

Autos im Test

Lexus CT 200h

PS/KW 99/73

0-100 km/h in 10.30s

Vorderrad, Stufenlose Automatik

Spitze 180 km/h

Preis 28.900,00 €

BMW 118d

PS/KW 143/105

0-100 km/h in 9.00s

Hinterrad, 6 Gang manuell

Spitze 210 km/h

Preis 26.350,00 €