Möchten Sie auf die mobile Seite wechseln?

JA NEIN

Audi A8, BMW 7er, Mercedes S-Klasse im Luxus-Limousinen-Vergleich 2012

Eine saubere Gesellschaft

Bis zu 250 km/h schnell sind sie, dieseltypisch sparsam und abgasarm nach der scharfen Euro-6-Norm: Mit den Dreiliter-Dieseln der Topmodelle von Audi, BMW und Mercedes lässt sich automobiler Luxus mit reinem Gewissen genießen. Vergleichstest

Vielleicht sind die drei Limousinen dieses Vergleichstests ja mehr als nur Schnäppchen für wenige Wohlhabende. Natürlich gibt es stärkere und glamourösere Angebote mit mehr Zylindern und mehr Power in den Preislisten des Audi A8, des BMW 7er und der Mercedes S-Klasse. Doch bieten diese Diesel der 250-PS-Klasse bei Grundpreisen unter 80.000 Euro nicht auch schon all den Raum-, Federungs- und Geräuschkomfort, der die Luxusklasse so attraktiv macht? Hinzu kommen durchaus beachtliche Fahrleistungen und – zumindest im Fall der Testwagen – ein reines Umweltgewissen:

Schließlich erfüllen der Audi und der zart modellgepflegte BMW nach Zuzahlung von 1250 respektive 1190 Euro als 3.0 TDI clean diesel und 730d BluePerformance schon die strenge Euro-6-Abgasnorm. Die S-Klasse präsentiert sich serienmäßig als Saubermann – und das, obwohl sie schon seit 2005 gebaut und im kommenden Jahr ersetzt wird. Mercedes lässt sein Topmodell eben nicht ungeliebt auslaufen, sondern schenkt ihm auch im Herbst seines Lebens noch technische Zuwendung – sympathisch.

Mehr Tests & Fahrberichte: Der kostenlose Newsletter der AUTO ZEITUNG

Mit jenem dicken, sozusagen ab Leerlaufdrehzahl gestemmten Drehmoment, das Diesel so angenehm macht, sind die drei Rivalen wie geschaffen für die mühelose Bewältigung auch langer Strecken, ohne dass bei jedem Tankstopp Tränen fließen. Und wenn die Fünf-Meter-Karossen geentert sind, wird sehr schnell klar, dass man es hier stundenlang sehr gut aushalten kann.

Karosserie

Die Frage, warum diese Autos so groß sind, beantworten die Innenräume, die übrigens durchweg penibel verarbeitet und mit hochwertigen Materialien ausgekleidet sind. Fahrer und Beifahrer sitzen hier wie da ohne jedes Engegefühl, was im Mercedes auch für die Mitfahrer auf der Rückbank gilt. Dort geht es im Audi schon ein wenig enger zu, denn die Füße passen nicht so geschmeidig unter den Vordersitz, und die Schläfe kommt dem Dach auch näher als im Fond des BMW, wenn die Körpergröße jenseits der 1,85 Meter liegt. Jammern auf hohem Niveau, klar, schließlich ist der Platzvorteil im Vergleich zu Mittelklasse-Massenware auch im A8 erheblich.

Traditionell bemühen sich Oberklasse-Limousinen nicht primär um möglichst große Kofferräume. 500 (BMW), 510 (Audi) und 560 Liter (Mercedes) sind zwar eine ganze Menge Platz, und die erlaubten Zuladungen von mindestens 500 Kilogramm (Mercedes) passen dazu. Doch man zahlt ja nicht nur so viel Geld, um möglichst viel transportieren zu können.

Als Marken-Flaggschiffe beanspruchen die drei eben Spitzenpositionen auf allen Gebieten, so auch auf dem der Bedienfreundlichkeit. Hier gerät der Mercedes im Vergleich mit den konstruktiv jüngeren Konkurrenten in Rückstand. Seine hoch in den Türtafeln untergebrachte Sitzeinstell-Mimik wird wohl auf ewig Maßstab bleiben. Doch das Comand-System zur Steuerung von Navigation, Radio, CD und Telefon ist schlicht umständlicher zu handhaben als die MMI- und iDrive-Lösungen von Audi und BMW.

Als Maß der Dinge darf heute das iDrive-System aus München gelten, das durch verwechslungssicher gestaltete Tasten und eine klare Struktur bestens zu bedienen ist. Möglichst viele Funktionen in Menüs zu packen, wie es Audi und Mercedes praktizieren, ist eben nicht immer optimal.

Bei der Sicherheitsausstattung liegen die drei solide im guten Bereich jenseits der 100 Punkte (siehe Tabelle letzte Seite), wobei es durchaus Unterschiede gibt: Pre-Crash-Funktionalitäten wie selbsttätig schließende Seitenscheiben und die Korrektur der Sitzeinstellung bei hoher Crashwahrscheinlichkeit, die Mercedes einst exklusiv bot, haben nun zwar auch der Audi (optional sogar für den Heckaufprall) und der BMW. Doch der 7er verzichtet etwa auf seitliche Fondairbags, die der A8 und die S-Klasse serienmäßig bieten. Dem Mercedes wiederum fehlen – wohl altersbedingt – jene Rundum-Kamera-Angebote, mit denen A8- und 7er-Eigner Parkschäden verhindern können, während der BMW als einziger mit einem Head-Up-Display für Navigation, Tempo und Verkehrsschilderkennung ausgerüstet werden kann. Schon nach kurzer Zeit möchte man diese Technik nicht mehr missen, während die von allen dreien angebotenen Nachtsichtassistenten durchaus verzichtbar erscheinen.

Bei der Modellpflege, die dem BMW 7er im Karosseriebereich eine prominentere Niere und besonders helle LED-Scheinwerfer bescherte, ließ BMW die Chance ungenutzt, die Qualität des Autos auch im letzten Winkel sichtbar zu machen: Auf der Unterseite der Motorhaube etwa findet sich kein Klarlack, und die vom Kofferraum aus sichtbare Unterseite der Hutablage zeigt sich in blecherner Tristesse.

KarosserieMax. PunkteBMW 730dAudi A8 3.0 TDI quattroMercedes S 350 BlueTEC
Raumangebot vorn100949494
Raumangebot hinten100888690
Übersichtlichkeit70383838
Bedienung/ Funktion100858280
Kofferraumvolumen100414248
Variabilität100333
Zuladung/ Anhängelast80454942
Sicherheit150104102102
Qualität/ Verarbeitung200180185185
Kapitelbewertung1000678681682
Bewertung aller Fahrzeuge ansehen

Inhaltsübersicht

Autos im Test

BMW 730d

PS/KW 258/190

0-100 km/h in 6.00s

Hinterrad, 8-Stufen-Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 74.900,00 €

Audi A8 3.0 TDI quattro

PS/KW 250/184

0-100 km/h in 6.50s

Allradantrieb, permanent, 8-Stufen-Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 74.850,00 €

Mercedes S 350 BlueTEC

PS/KW 258/190

0-100 km/h in 7.20s

Hinterrad, 7-Stufen-Automatik

Spitze 250 km/h

Preis 76.517,00 €