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Audi A3/BMW 1er/VW Golf: Test

A3, 1er und Golf mit Dreizylinder

Während VW Golf und BMW 1er dem Dreizylinder schon länger die Hauben geöffnet haben, zieht der Audi A3 erst mit dem Facelift nach. Wir bitten den Basisbenziner mit 115 PS zum Vergleichstest.

Audi A3, BMW 1er und VW Golf zählen zu den beliebtesten Angeboten in der Kompaktklasse. Wir haben die drei Deutschen mit Dreizylinder zum Vergleichstest gebeten und schauen uns an, wie sparsam die kleinen Benziner wirklich sind. Auch wenn der A3 nach vier Jahren im Markt noch immer recht frisch dasteht, hat Audi seinem Kompaktklasse-Star jetzt eine intensive Detailpflege zukommen lassen. Dabei konfigurierten die Ingolstädter nicht nur die Ausstattungsumfänge neu: Das Design wurde nachgeschärft, die Sicherheitsausstattung aufgewertet und die Motorenpalette umgekrempelt. Der Einstiegsbenziner ist nun der Dreizylinder-Turbo, der aus knapp einem Liter Hubraum 115 PS und 200 Newtonmeter schöpft. Wie gut der kleine Triebsatz zum Premium-Anspruch von Audi passt, muss er im A3 Sportback gegen die Dreizylinder-Modelle VW Golf 1.0 TSI Blue-Motion und BMW 116i beweisen. Zumindest optisch tritt der Audi schon im Stand ausgesprochen selbstbewusst auf. Mit der Modellpflege haben ihm die Designer einen noch dominanteren Kühlergrill spendiert und sowohl die Scheinwerfer an der Front als auch die Rückleuchten schärfer konturiert. Die bekannt positiven Eigenschaften, die insbesondere der viertürige Sportback mit sich bringt, blieben unverändert gut. Das Raumangebot passt: Fahrer und Beifahrer finden ausreichend Bewegungsfreiheit vor, und auch die Gäste im Fond sitzen weder zu dicht an den Türen noch sucht die Frisur Kontakt zum Dach.

Bildergalerie: Audi A3, BMW 1er und VW Golf im 3-Zylinder-Vergleich

Diese Neuigkeiten bringt das Audi A3 Facelift (Video):

 

Test: Audi A3, BMW 1er und VW Golf mit Dreizylinder

Der VW Golf bietet allerdings in allen Belangen etwas mehr und die höhere Sitzposition im Wolfsburger Erfolgsmodell sorgt auch für eine bessere Rundumsicht. Der BMW 1er ist im Vergleich deutlich knapper geschnitten: Beim viertürigen, kleinen BMW rücken die B-Säulen gegenüber der dreitürigen Variante deutlich weiter nach vorn, und die Sitze sind dichter an den Türen platziert, als es bei A3 und Golf der Fall ist. Auch hinten pflegen die Passagiere engeren Kontakt zu den Vordersitzen und zur Karosserie als in den Rivalen aus dem VW-Konzern. Dafür steht der Fahrer bei BMW markentypisch im Mittelpunkt – vor allem in puncto Bedienung. Der Bildschirm liegt gut im Sichtfeld, alle Schalter und Tasten sind logisch gruppiert, und die intuitive Menüführung sowie die Bedienstruktur über den zentralen iDrive-Dreh-Drück-Steller immer noch das Maß der Dinge. Allerdings hat Audi beim A3 die Struktur des MMI-Systems schon vor dem Facelift sinnvoll überarbeitet und die Tasten auf der Mittelkonsole um den Dreh-Drück-Steller konzentriert – und damit zu BMW aufgeschlossen. Der Golf setzt hin-gegen auf Touchscreen-Bedienung, die  während der Fahrt nicht ganz so locker von der Hand geht. Die zwei bayerischen Hersteller halten auch schon für ihre Basismotorisierungen das volle Sicherheitsprogramm bereit. VW dagegen bietet den 1.0-Motor nur als Spritsparmodell BlueMotion an – hier lassen sich weder der Notbremsassistent noch die adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung optional ordern wie bei den anderen Golf-Varianten. Über jeden Zweifel erhaben ist die Verarbeitung des A3 Sportback: Hochwertige, mit viel Geschmack kombinierte Materialien und die penible Sorgfalt machen ihn zur Re-ferenz für die ganze Kompaktklasse. Volkswagen lässt beim Golf am Türrahmen das lackierte Blech in den Innenraum strahlen und verzichtet im Fond auf den Softtouch-Überzug an den Türen. Der BMW wiederum profitiert von seiner grundsoliden Karosseriestruktur. Nur die Materialgüte im Innenraum dürfte etwas hochwertiger ausfallen.

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Der BMW 1er überrascht als 116i mit Komfort-Qualitäten

Mehrfachlenkerachse und adaptive Dämpfer – damit punkten üblicherweise die Produkte aus dem VW-Konzern, die auf der MQB-Plattform stehen, in jedem Vergleichstest beim Fahrkomfort. Allerdings gilt das nicht für die Varianten mit dem kleinen Dreizylinder. Weder die Mehrfachlenkerachse noch  die optionalen adaptiven Dämpfer sind für die kleinen Motorisierungen erhältlich. Hier trumpft der BMW 116i auf. Der Bayer gibt auf schlechten Strecken oder Querfugen klar den Ton an. Insbesondere sein feines Ansprechverhalten und die im Vergleich deutlich sensibler ge-führte Hinterachse sind von der Härte der Konkurrenten weit entfernt. Während der Audi noch das Beste aus seiner straffen Grundabstimmung herausholt und mit ordentli-chem Ansprechverhalten die trocken-hölzern agierende Verbundlenker-Hinterachse über weite Strecken erfolgreich kaschiert, zeigt der Golf deutlich weniger Feingefühl. Da es den Einliter-Motor nur als Spritsparmodell BlueMotion gibt, gehört automatisch die damit verbundene Tieferlegung durch das serienmäßige Sportfahrwerk dazu. Auch auf gut anliegende Sportsitze verzichtet VW beim Testauto, der exzellente ErgoActive-Sitz mit kompensierender Massagefunktion ist für den BlueMotion überhaupt nicht erhältlich. Umso besser, dass selbst die Seriensitze eine gute Kontur aufweisen. Die aufpreispflichtigen Sportsitze in BMW und Audi entlasten den Körper mit ihren anschmiegsamen Seitenwangen und der ausziehbaren Oberschenkelauflage aber besser. Der überarbeitete Ingolstädter rollt zudem angenehm geräuscharm dahin. Vom Antrieb ist kaum etwas zu hören, nur die Hinterachse  produziert den einen oder anderen Störeinfluss. Der Münchner hingegen leidet unter den mit steigendem Tempo intensiveren Windgeräuschen, während beim Wolfsburger vor allem die Dröhnfrequenzen des Motors beim Dahinbummeln nerven.

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Ein Liter Hubraum genügt in Audi A3 und VW Golf völlig

Der neue, gerade einmal 999 cm3 kleine Dreizylinder erledigt im A3 Sportback einen tollen Job. Das kompakte Triebwerk wiegt lediglich 88 Kilogramm und kommt ohne Ausgleichswelle aus. Ausgesprochen kultiviert und leise  arbeitet sich der Motor aus dem Drehzahlkeller bis hinauf ans Drehzahllimit. 115 PS und 200 Newtonmeter klingen 2016 in der Kompaktklasse zwar eher verhalten, aber dank des perfekt arbeitenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes (2000 Euro) werden sie immer perfekt in Szene gesetzt. Von Verzicht keine Spur. Den Sprint absolviert der A3 in 10,4 Sekunden. Und auch wenn es ab Tempo 190 etwas gedämpfter nach vorn geht, erreicht er problemlos seine Höchstgeschwindigkeit von 206 km/h. Zumindest bei den Fahrleistungen zeigt sich der VW dem Audi ebenbürtig. Der knurrigere Unterton und die beim Dahincruisen mit niedrigen Drehzahlen auftretenden Dröhnfrequenzen zeigen aber, dass Audi die harmonischere Abstimmung des Dreizylinder-Antriebs gefunden hat. Der mit einer Ausgleichswelle versehene Dreizylinder des 116i hat zwar 50 Prozent mehr Hubraum, generiert jedoch nur magere 109 PS und bescheidene 180 Newtonmeter. Um das 1500er-Aggregat stets bei Laune zu halten, ist viel Schaltarbeit erforderlich, da der Basis-1er ausschließlich mit manuellem Getriebe angeboten wird. Eine automatische Schaltbox wie bei A3 und Golf würde auch beim 1er die besten Seiten des Dreizylinders besser zutage fördern. Selbst wenn der 116i bei den Fahrleistungen etwas zurückfällt, so liegt er in puncto Verbrauch mit dem neuen Audi A3 Sportback 1.0 TFSI doch auf einem Niveau. Der auf Effizienz ausgelegte Golf BlueMotion unterbietet allerdings mit 5,9 Litern pro 100 Kilometer die 6,2 Liter seiner beiden Rivalen problemlos.

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Im Fahrdynamik-Kapitel setzt der Audi A3 den Maßstab

Mit sportlichem Profil im 17-Zoll-Format hängt der A3 den 1er und den Golf ohne Mühe auf dem Handlingparcours und in der Slalomgasse ab. Fein austariert und mit herrlich neutralem Fahrverhalten wetzt der Audi über den Kurs. Seine Lenkung trifft genau den richtigen Kompromiss aus intensiver Rückmeldung und gelassener Ruhe. Der VW hingegen kombiniert rollwiderstandsoptimierte Reifen mit dem knackigen Set-up des Sportfahrwerks. Dass er damit nicht so harmonisch durch die Pylonengasse und durch Kurven wieselt, versteht sich von selbst. Die gute Rückmeldung von der Vorderachse über das im Vergleich zum Sportback früher einsetzende Untersteuern lässt sich aber gut kontrollieren. Der BMW 1er bringt eigentlich als Hecktriebler mit guter Gewichtsverteilung alles mit, um hier die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Der fehlende Punch und die sichere, untersteuernde Auslegung lassen ihn aber recht zahnlos wirken. Die obendrein nur mäßigen Verzögerungswerte werfen ihn zudem noch weiter in diesem Kapitel hinter den auf Sportwagenniveau verzögernden Audi A3 zurück.

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Während der A3 Sportback 1.0 TFSI und der BMW 116i mit ihren Dreizylindern den Einstieg in die Premium-Kompaktklassen der Bayern darstellen, lässt VW dem Dreizylinder als Effizienz-Modell BlueMotion eine Sonderrolle im Golf-Sortiment zukommen. Dadurch übertrifft der Golf auch schon beim Basispreis inklusive vier Türen deutlich die 20.000-Euro-Grenze. Auch wenn er damit unterm Strich immer noch günstiger ist als der Audi A3 und der BMW 1er, stört vor allem die eingeschränkte Optionsliste der sonst so umfangreichen VW-Sicherheitsausstattung. Der Audi ist sowohl in der Basis als auch mit allen testrelevanten Extras der teuerste Kandidat im Feld. Allerdings beträgt die Differenz zum BMW nur 915 Euro. Obendrein verliert der Ingolstädter innerhalb von vier Jahren deutlich weniger an Wert und gleicht damit seinen höheren Preis gegenüber dem BMW aus. Die im Vergleich zum Rivalen aus München besseren Garantiebedingungen setzen ihn in der Gesamtbilanz ebenfalls in ein besseres Licht. Der VW Golf bleibt jedoch in fast allen Punkten das wirtschaftlichste Auto dieses Trios. Unser Gesamt-Fazit lesen Sie unterhalb der Tabelle mit technischen Daten und Messwerten.

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Technische Daten Audi A3
Sportback 1.0 TFSI
BMW 1er
116i
VW Golf
1.0 TSI BlueMotion
Zylinder/Ventile p.Z. R3/4; Turbo R3/4; Turbo R3/4; Turbo
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Kette Zahnriemen
Hubraum 999 cm³ 1499 cm³ 999 cm³
Leistung
bei
85 kW/115 PS
5000–5500 /min
80 kW/109 PS
4500–6000 /min
85 kW/115 PS
5000–5500 /min
Max. Drehmoment
bei
200 Nm
2000–3500 /min
180 Nm
1250 /min
200 Nm
2000–3500 /min
Getriebe 7-Gang,
Doppelkupplung
6-Gang,
manuell
7-Gang,
Doppelkupplung
Antrieb Vorderrad Hinterrad Vorderrad
L/B/H in mm 4313/1785/1426 4329/1765/1440 4255/1790/1491
Gepäckraum 380 – 1220 l 360 – 1200 l 380 – 1270 l
0-100 km/h 10,4 s 11,3 s 10,4 s
Höchstgeschw. 206 km/h 195 km/h 204 km/h
100-0 km/h
kalt/warm
33,4 / 33,6 m 36,0 / 36,7 m 34,3 / 33,6 m
Handling 1:51,4 min 1:53,6 min 1:53,3 min
Testverbrauch 6,2 l S/100 km 6,2 l S/100 km 5,9 l S/100 km
Grundpreis 24.200 Euro 24.000 Euro 21.575 Euro
Platzierung 1 3 2

Michael Godde
Fazit

Die Überarbeitung des Audi A3 Sportback hat sich gelohnt. Als neues Einstiegsmodell mit Dreizylinder kann der Audi selbst den günstigeren Klassenprimus VW Golf hinter sich lassen und diesen Test für sich entscheiden. Die typische grundsolide Verarbeitungsqualität, das dynamische, ausreichend komfortable Fahrverhalten und die gelungene Antriebseinheit machen ihn zum neuen Star der Kompaktklasse – zumindest in dieser Konfiguration. Der VW Golf leidet in der BlueMotion-Version unter seinem harten Fahrwerk und der eingeschränkten Ausstattungsvielfalt, die ihm sein Sonderstatus als Effizienzmodell einbringt. Daher Platz zwei. Dem BMW 1er auf Rang drei fehlt es an Platz und der notwendigen Kraft seiner Antriebseinheit, um sich gegen die spritzigen Rivalen durchzusetzen.