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Alfa Romeo Giulietta Berlina und Giulietta 1.4 TB 16V MultiAir im Vergleich

Alfa Romeo Giulietta

Mit seinem Namen weist der neue Alfa Romeo Giulietta zurück in die Mitte der 50er Jahre. Damals betörte eine Limousine gleichen Namens die Massen. Treffen der zwei Schönen

Wurde ja auch Zeit, dass Alfa Romeo an die Giulietta erinnert. Seit 1983 hießen die Kompaktklasse-Modelle der sportlichen Fiat-Tochter 33, 145, 146, und 147 – hm. Davor gab es nur den Alfasud, was ja auch kein richtiger Name ist. Und nun, endlich: Giulietta. Modern gezeichnet und expressiv steht sie da in tiefem Rot unter der Sonne Ostfrieslands, trägt stolz das Markenwappen am Bug und ihren schönen Namen in geschwungener Schrift zwischen den großen Heckleuchten, die des Nachts so einfallsreich strahlen.

Wenn dieser Name Programm und Verpflichtung ist, dann schlüpft dieses Auto in richtig große Schuhe, denn die erste Giulietta von 1955 war nichts weniger als eine Revolution für Alfa Romeo. Kaum zu glauben, wenn man das weiße Stufenheck-Limousinchen, das auch ein Peugeot sein könnte, so ansieht. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts hatte sich Alfa Romeo von der exklusiven Marke für die Reichen dieser Welt zum Massenhersteller wandeln müssen. Erstes Modell dieser Entwicklung war der Alfa Romeo 1900 gewesen, der zwischen 1950 und 1958 rund 17.400 Käufer fand.

Die markentypische Dynamik brachte aber erst die 1955 präsentierte Giulietta in die Verkaufsstatistiken. Die nur vier Meter lange Stufenhecklimousine, von der bis 1964 in mehreren Versionen rund 132.000 Exemplare verkauft wurden, traf das Publikum mitten ins Herz und spülte viel Geld in die Kassen. Sie war der erste Alfa Romeo für den kleineren, nicht allerdings für den kleinen Geldbeutel. 12.200 Mark kostete unser Foto-Julchen bei seiner Erstzulassung im Jahr 1957. Dafür bekam man auch drei VW Käfer, doch was will man damit?

ZWEI NOCKENWELLEN
Die Karosserie der Giulietta ist sehr schlicht geraten mit runden Knopfaugen. Die verchromten Lufteinlässe am Bug geben ihr ein freundliches Maus-Gesicht, Schnurrbart inklusive. Die schmalen 15-Zoll- Rädchen mit 155er-Reifen wirken betulich, entschleunigt im Vergleich zu den dicken Walzen der roten Giulietta, die als Kind unserer Zeit das Lächeln verlernt zu haben scheint und entschlossen durch extragroße Scheinwerfer in die Welt schaut. Und doch war die erste Giulietta zu ihrer Zeit nichts weniger als ein Sportwagen fürs Volk, der am Wochenende nicht chancenlos bei Rennen oder Rallyes hätte antreten können – ein früher Golf GTI sozusagen.

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Während andere Motoren dieser Zeit noch auf zentrale Nockenwellen und träge Stößelstangen zur Ventilsteuerung setzen, trägt der kleine Dreizehnhunderter der Giulietta unter seinem Einfachvergaser zwei obenliegende Nockenwellen wie sonst nur lupenreine Rennmotoren. Der Block des für eine optimale Schwerpunktlage sehr tief montierten Motors besteht aus Aluminium, je nach Baujahr kommen so zwischen 50 und 74 PS zusammen – genug also, um die schnellen Mercedes und sogar die Porsche 356 zu jagen. Auch die Giulietta des Jahres 2010 bricht aus der Normalität des aktuellen Motorenbaus aus.

Mit vier Ventilen und Turboaufladung schwimmt sie zwar im Mainstream der ambitionierten Kompakt-Benziner. Doch die Einlassventile werden elektrohydraulisch variabel gesteuert für mehr Leistung und Drehmoment bei weniger Verbrauch und saubereren Abgasen. 170 kultiviert-leise PS schickt der 1,4-Liter-Turbo ins Sechsganggetriebe und puscht die rote Giulietta so auf 218 km/h. Selbst für einen Einsteiger-Porsche zu wenig, doch für manche Mercedes reicht es. Rundum fürsorglich servo-unterstützt und ESP-überwacht, lenkt und bremst man sich unangestrengt durch Stadt und Land, überholt im Handumdrehen. Die weiß gekleidete, in Würde gealterte Signora dagegen weckt den Kraftfahrer in dir.

Den fehlenden Bremskraftverstärker ersetzen die Beinmuskeln, worauf die – an der Vorderachse wunderschön verrippten – Trommelbremsen tun, was eine Bremse tun muss. Die fehlende Servolenkung stählt Bizeps und andere Regionen. Vier Gänge, mit schönem Schwung am Lenkrad sortiert, reichen fürs Fortkommen. Das endet, wenn die weiße Tachonadel kurz jenseits der 140 zittert. Doch der Spaß beginnt ja viel eher. Das schwarze Bakelitlenkrad ist so schön, dass es jeden Gedanken an die mitten ins Herz zielende, ungeteilte Lenksäule zur Seite drängt. Und die zierlichen Hebel an Lenkrad und Türinnenverkleidung fassen sich so gut an, funktionieren so leichtgängig, dass sie pure Funktionslust wecken.

DAS LEBEN IST SCHÖN
Erstaunlich weich gefedert und gedämpft gleitet man vergnügt singend über die Landstraße, derweil die moderne Hektik sich davonstiehlt. Man überholt nicht, man wird überholt. Und aus dem schnelleren Auto lächeln Gesichter über nach oben zeigenden Daumen durch die Seitenscheiben – das Leben ist schön. Sportlimousine? Und dann eine durchgehende Sitzbank vorn, weich wie eine Federkernmatratze und frei von jeglicher Seitenführung? Ja, die Zeiten waren so, als Signore und Signora damals in ihrer Giulietta beschwingt nach Castelfusano schnürten, wo im September 1957 das erste Autokino Europas eröffnet hatte. Und wie sie dort auf der Bank, in kuscheliger Umarmung, den neuesten Film mit Giulietta Masina sahen. Die Sitze der neuen Giulietta halten die Körper fest wie im ernsthaften Sportwagen. Klar, Kuschel- Filme guckt man heute daheim auf DVD.
Michael Harnischfeger

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