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Wirtschaft: Nissan - seit sechs Jahren auf Wachstumskurs

Der Gewinnbringer

Nissan hat im ersten Halbjahr 1,71 Milliarden Euro verdient. Wir zeigen die Erfolgsgeschichte der einst schwächelnden Japaner

Zu Beginn der Renault-Nissan-Allianz waren die Rollen klar verteilt: In dem 1999 geschlossenen Bündnis traten die Franzosen als Gewinnertypen auf. Sie hatten ein erfolgreiches Jahrzehnt mit innovativen Modellen wie dem Twingo und dem Scénic sowie steigenden Marktanteilen hinter sich. Nissan kämpfte dagegen mit stagnierenden Zahlen in den USA und Europa. Und nach der Asienkrise 1997 lagen auch die für die Japaner wichtigen Märkte im Fernen Osten am Boden.

15 Jahre später ist Nissan zum Gewinnbringer der gemeinsamen Allianz mit Renault geworden: In der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2014 erzielten die Japaner einen Gewinn von 1,71 Milliarden Euro, das sind satte 24,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Umsatzrendite stieg auf 5,1 Prozent. Renault erwirtschaftete in den ersten sechs Monaten lediglich ein Plus von 729 Millionen Euro, was einer Rendite von 3,7 Prozent entspricht.

Auch bei den Verkaufszahlen haben die Japaner eindeutig die Nase vorn: Nissan setzte im ersten Halbjahr 2014 rund 2,58 Millionen Neuwagen ab, Renault mit 1,36 Millionen gerade einmal die Hälfte. So konnten die Japaner in den USA bis Oktober 2014 über eine Million Autos an den Mann bringen – 14 Prozent mehr als im ebenfalls erfolgreichen Vorjahr. Auch in Deutschland gehört Nissan mit einem Plus von rund 15 Prozent zu den Gewinnern 2014. Es sieht ganz so aus, als könnten die Japaner ihre weltweiten Auslieferungen im sechsten Jahr in Folge steigern.

Erfolgsrezept: Die passenden Autos für die wichtigen Märkte

„Zudem sind wir mit weltweit über 142.000 verkauften Nissan Leaf der mit großem Abstand führende Hersteller im Bereich der Elektromobilität“, berichtet Thomas Hausch, Geschäftsführer Nissan Center Europe. In Norwegen liegt das kompakte Elektroauto aktuell sogar auf Platz drei der meistverkauften Neuwagen hinter VW Golf und Toyota Auris. Doch wie konnten die Japaner innerhalb von nur 15 Jahren vom Sorgenkind zum Gewinnbringer der Renault-Nissan-Allianz werden? Liegt es daran, dass sie im Gegensatz zu Renault in den Wachstumsmärkten der letzten Jahre, den USA und China, stark vertreten sind?

Sicherlich, doch der Erfolg in diesen Ländern beruht auf einer langfristigen Strategie. So hat Nissan seine Modellpalette in den vergangenen Jahren stark vergrößert, bietet immer mehr Fahrzeuge an, die speziell für einzelne Märkte entwickelt wurden. Beispiel Kompaktklasse:

Während der geräumige Sentra in den USA Erfolge feiert und dort weit vor dem Konkurrenten VW Jetta liegt, bedient der neu belebte Almera die Bedürfnisse der russischen Kunden. Und in Europa stellt sich der moderne Pulsar mit Schrägheck seinen Wettbewerbern. Da wundert es nicht, dass Nissan in Europa, China, Japan, den USA und Brasilien insgesamt sieben Designzentren unterhält.

Diese globale Produktoffensive war nur durch gemeinsame Plattformen realisierbar. Zudem nutzt Nissan die Möglichkeiten der Allianz mit Renault – der Dacia Duster etwa wird in Indien als Nissan Terrano verkauft. Durch die Synergien mit den Franzosen will Nissan bis 2016 ganze 4,3 Milliarden Euro sparen. „Außerdem zahlen sich jetzt unsere Investitionen inflexible Produktionssysteme aus“, sagt Hausch. Nissan hatte in der Vergangenheit auch den Mut, frühzeitig unprofitable Segmente zu verlassen:

Mit der Einstellung von Almera und Primera stiegen die Japaner in Europa aus der stark umkämpften Kompakt- und Mittelklasse aus. Dafür erschlossen sie – ebenso mutig – neue Segmente: Der von vielen Experten zuerst kritisch beäugte Crossover Qashqai wurde zu einem riesigen Erfolg. Bis heute hat Nissan über zwei Millionen Exemplare produziert. Und die Japaner legten nach: Der außergewöhnlich gestylte Nissan Juke war eines der ersten SUV im Kleinwagen-Segment und damit Vorläufer für Opel Mokka und Renault Captur.

Auch der Juke verkauft sich gut, er liegt etwa in Großbritannien mit 32.658 Zulassungen auf Platz zehn der meistverkauften Neuwagen. „Nicht zuletzt arbeiten wir erstmals systematisch an unserer Markenstärke“, erklärt Hausch. Um das Image von Nissan zu kräftigen, unterstützen die Japaner ab dieser Saison die UEFA Champions League als Sponsor. Dabei hat Nissan im Gegensatz zu anderen japanischen Marken schon früh auf emotionale Modelle gesetzt:

Der Nissan 370Z steht wie seine Vorgänger für bezahlbare Sportcoupés, und der GT-R braucht sich auch vor europäischen Spitzensportlern nicht zu verstecken. Darüber hinaus bietet Nissan einige Volumenmodelle als leistungsstarke Nismo-Varianten an. Nissan gibt Gas, um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen: Carlos Ghosn, seit 13 Jahren Vorstandsvorsitzender des japanischen Herstellers, will bis 2016 seine Strategie „Nissan Power 88“ umsetzen.

Die erste Acht steht dabei für den globalen Marktanteil, die zweite Acht für die Umsatzrendite, die Nissan bis dahin erreichen möchte. Spätestens dann sollte Ghosn auch über einen neuen Namen für die gemeinsame Allianz nachdenken: Statt Renault-Nissan müsste sie eigentlich Nissan-Renault heißen.

Markus Bach