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VW: Wer wird Nachfolger von Piëch?

Ende einer Ära

Bruch mit dem Patriarchen: Der Machtkampf an der VW-Spitze hat mit dem Rücktritt des Aufsichtsratschefs Piëch eine jähe Wende genommen. Unklar ist, wie es nun weitergeht bei Volkswagen

Nach wochenlanger Führungskrise bei Volkswagen ist Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch als Verlierer des beispiellosen Machtkampfs zurückgetreten. Dies bedeutet eine historische Zäsur bei Europas größtem Autokonzern. Der 78-jährige Piëch gab am Samstag überraschend mit sofortiger Wirkung sein Amt auf, wie VW mitteilte. Begründet wurde dies mit einem zerrütteten Verhältnis zu den anderen Mitgliedern des innersten VW-Machtzirkels - dem Betriebsrat, dem Land Niedersachsen und der Familie Porsche.

Mit der Kür eines Nachfolgers will sich VW Zeit lassen. In dieser Woche rückt der Fokus daher zunächst wieder auf das Alltagsgeschäft: Am Dienstag eröffnet der Vorstand in Berlin die Neuauflage des «Automobil Forums Unter den Linden». Dort präsentiert VW alle zwölf Marken und die VW-Finanztochter unter einem Dach. Erwartet wird neben Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel der gesamte Vorstand um seinen Chef Martin Winterkorn. Tags darauf veröffentlicht der Konzern seine Geschäftszahlen für das erste Quartal 2015.

VW-Machtkampf: Zitat von Piëch bringt Stein ins Rollen

Piëch war vor zwei Wochen von VW-Vorstandschef Winterkorn abgerückt. Dies hatte einen Machtkampf ausgelöst, der auch zu einem Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piëch führte. Sie halten die Stimmenmehrheit an VW. Der frühere IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber übernimmt im Aufsichtsrat kommissarisch den Vorsitz. Auch Piëchs Ehefrau Ursula gibt ihr Mandat im Aufsichtsrat ab.

«Die Mitglieder des Präsidiums haben einvernehmlich festgestellt, dass vor dem Hintergrund der vergangenen Wochen das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendige wechselseitige Vertrauen nicht mehr gegeben ist», hieß es in einer Erklärung des sechsköpfigen VW-Aufsichtsratspräsidiums nach einem Krisentreffen am Samstag in Braunschweig.

Piëch, der Enkel des legendären Autokonstrukteurs Ferdinand Porsche, war von 1993 bis 2002 VW-Chef und überwachte den Konzern anschließend als Aufsichtsratschef. Er galt lange Zeit als das VW-Machtzentrum und hatte zahlreiche Konflikte für sich entschieden. Nach der Demontage seines langjährigen Wegbegleiters Winterkorn aber stand Piëch zunehmend auf verlorenem Posten. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und auch Piëch-Cousin und VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche stärkten Winterkorn den Rücken.

«Die Diskussion der vergangenen zwei Wochen ist schädlich gewesen für Volkswagen», sagte Weil am Samstag in Hannover. Das Land Niedersachsen ist VW-Großaktionär. Das Präsidium des Aufsichtsrates habe deshalb die «notwendige Klarheit» schaffen müssen. Huber sprach von einem Vertrauensverlust zwischen Piëch und dem Rest des Präsidiums, «der sich in den letzten Tagen als nicht mehr lösbar erwiesen hat».

Der Rückzug Piëchs bietet nach Ansicht von Aktionärsschützern die Chance für einen Generationswechsel im Vorstand von Volkswagen. «Jetzt wäre es an der Zeit, dass Martin Winterkorn den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt und in der Geschäftsführung ein Generationswechsel stattfindet», sagte der Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, der Deutschen Presse-Agentur. Winterkorn besitze mit seinen Erfahrungen und seinem Ansehen über die nötigen Voraussetzungen, um Chefkontrolleur zu werden. «Er passt zu VW.»

Piëch hatte vor zwei Wochen ein internes Ringen um die Zukunft der VW-Spitze öffentlich gemacht, indem er dem «Spiegel» sagte, er sei «auf Distanz» zu Winterkorn. Hinter Piëchs Kritik stand auch die Frage, wie VW seine Probleme etwa im angeschlagenen US-Geschäft oder bei der renditeschwachen Kernmarke VW lösen will. Bis zu der Attacke war der 67-jährige Winterkorn als Piëch-Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrates gehandelt worden. Mit Piëchs Äußerung stand plötzlich ein Fragezeichen vor Winterkorns Zukunft.

dpa/az