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VW-Skandal: Neues Abgas-Messverfahren

Höhere Kfz-Steuern durch neues VW-Messverfahren

Zur Lösung des VW-Skandals streben die Wolfsburger ein neues, realitätsnäheres Abgas-Messverfahren für Verbrauchs- und Emissionswerte an. Die ehrenwerten Absichten haben für die Verbraucher jedoch eine Schattenseite: Sie könnten höhere Kfz-Steuern nach sich ziehen.

Nach dem VW-Skandal arbeitet man in Wolfsburg auf Hochtouren an einer Lösung zur Wiederherstellung des beschädigten Images. Um die Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen, will der Konzern jetzt ein neues, realitätsnäheres Abgas-Messverfahren für die Verbrauchs- und Emissionswerte seiner Fahrzeuge einführen. Von den gesetztlich erlaubten Schummeleien, mit denen die Hersteller ihre Ergebnisse der NEFZ-Tests aufpolieren, will VW Abstand küftig nehmen. Dazu zählt zum Beispiel das Abkleben alle Ritzen und Öffnungen des Autos, um für optimale Werte im Abgas-Messverfahren zu sorgen. Doch die Wolfsburger wollen die Folgen des VW-Skandals nun offenbar mit Ehrlichkeit bekämpfen. Nach den neuen VW-Richtlinien zur Abgas-Messung steigen die CO2-Emissionen der Modelle im Schnitt um zwei Gramm. Mit immer strengeren EU-Richtlinien, die bis 2021 maximal 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer tolerieren, wird das natürlich zu einer enormen Hürde. Nicht nur VW auch alle anderen Hersteller kämpfen um jedes Gramm CO2, das eingespart werden kann. Die Lösung des neuen Abgas-Messverfahrens könnte aber nicht nur für VW und die anderen Autobauer schwierig umzusetzen sein, sondern auch für die Verbraucher Folgen haben. Höhere CO2-Werte bedeuten eine höhere Kfz-Steuer. In Zahlen ausgedrückt muss man mit zwei Euro mehr pro Gramm CO2 rechnen.

Mehr zum Thema: Neue VW-Software im Abgas-Test

Überblick zum VW-Skandal im Video:

 

Neues Messverfahren nach VW-Skandal

Für die technischen Probleme, die den VW-Skandal erst hervorgerufen haben, hat man in Wolfsburg eine unkompliziertere Lösung gefunden. Als der Diesel-Skandal ans Licht kam, rechneten viele Beobachter mit einem extrem teuren Rückruf für Volkswagen. Doch wie die Wolfsburger mitteilten, halten sich die Materialkosten für die notwendigen technischen Änderungen an den Motoren zumindest in Europa in engen Grenzen: Bei den meisten Vierzylinder-Dieseln der EA189-Familie, dem 2.0 TDI-Motor, genügt ein reines Software-Update. Beim 1.6 TDI müssen Hardware-Änderungen vorgenommen werden, dabei handelt es sich aber um einen sehr überschaubaren Eingriff, der in weniger als einer Stunde erledigt ist. Für die entscheidende Verbesserung der Abgasqualität sorgt ein sogenannter Strömungstransformator, bei dem es sich um ein simples Gitternetz vor dem Luftmassenmesser handelt. Das Gitter sorgt für eine gleichmäßigere Anströmung des Sensors, verbessert die Messgenauigkeit und ermöglicht so ein besseres Management des Verbrennungsvorgangs. Neben der minimal geänderten Hardware ist auch beim 1,6-Liter-Diesel eine Software-Anpassung nötig. Die nötigen Maßnahmen für den Dreizylinder 1.2 TDI, der auch vom Diesel-Skandal betroffen ist, werden in den nächsten Tagen konkret benannt.

Bildergalerie starten: Das ändert VW am 1,6-Liter-Diesel

Cent-Artikel löst Abgas-Probleme bei VW-Diesel

Die von Volkswagen vorgeschlagenen Maßnahmen wurden vom KBA bereits akzeptiert und werden nach aktueller Planung ab Januar 2016 umgesetzt. Betroffene Kunden werden angeschrieben und zu einem Besuch bei ihrem VW-Händler aufgefordert, um die notwendigen Änderungen durchführen zu können. In diesem Zusammenhang sichert VW allen Kunden zu, für den Zeitraum der Reparatur einen kostenfreien Ersatzwagen bereitzustellen. VW verzichtet außerdem ausdrücklich darauf, wartenden Kunden eine Verjährung einreden zu wollen. Somit besteht für niemanden die Notwendigkeit, Garantie- oder Gewährleistungsansprüche im Zusammenhang mit der Software des EA189-Motors durch aktives Handeln zu wahren. Ähnlich wie bei Volkswagen soll die Reparatur auch bei Audi, Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge auf eine Art und Weise durchgeführt werden, die den Kunden so gut wie keine Umstände bereiten soll.

Mehr zum Thema: Chronologie des VW-Abgasskandals

Lösung für VW-Abgas-Probleme im Video:


Lena Reuß/Benny Hiltscher