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Werkverträge bei Mercedes - Lohndumping-Debatte übertrieben?

Skandal oder Skandalisierung?

Daimler Personalchef Wilfried Porth hält die aktuelle Debatte um Lohndumping durch Werkverträge für übertrieben und warnt vor hohen Mindestlöhnen

Nach einem SWR-Bericht über Lohndumping durch Werkverträge wurde Mercedes von vielen Seiten kritisiert, jetzt äußert sich Daimler-Personalchef Wilfried Porth zu der entflammten Debatte die er für übertrieben hält. "Ich sehe mit Sorge, dass Dinge skandalisiert werden, die kein Skandal sind", sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Mit möglichst hohen Mindestlöhnen oder durch Veränderungen der Werkvertragsgesetzgebung wird die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft gefährdet. Im Endeffekt haben die Arbeitnehmer nichts davon."

Daimler-Personalchef findet Debatte übertrieben

Der Autobauer war in die Kritik geraten, weil er nach Recherchen des SWR über Werkverträge an seinen Fließbändern Menschen beschäftigen soll, die ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssen. Der Konzern hatte der Darstellung des Senders damals widersprochen.

"Löhne, die zwischen Sozialpartnern ausgehandelt worden sind, sollte man nicht skandalisieren. Mann kann nicht diejenigen, die das in Anspruch nehmen, kritisieren, wenn es vorher so ausgehandelt wurde", betonte er. "Wir werden in diesem Land nicht die Situation haben, wo jeder das Gleiche verdient."

Zugleich warnte der Daimler-Vorstand vor zu hohen Belastungen für Unternehmen. "Zwei Entwicklungen halte ich für bedenklich: eine weitere Erhöhung der Lasten für unsere Unternehmen und Regulierungsansätze, die die freie Marktwirtschaft infrage stellen."

Er sehe die Gefahr, dass Unternehmen ihre Standorte wegen zu hoher Kosten komplett ins Ausland verlagerten. "Die Wertschöpfungskette im Automobilbereich ist nicht beliebig teilbar", warnte Porth. "Wenn das Gesamtsystem unwirtschaftlich ist, dann gerät auch das Gesamtsystem in Gefahr."

Daimler produziert beispielsweise einen Teil seiner Kompaktwagen aus Kostengründen zusätzlich im ungarischen Kecskemet. "Bei den Kompaktfahrzeugen sind wir in einem Fahrzeugsegment unterwegs, das nicht die Renditen bietet, die wir am oberen Ende unseres Produktsegments haben", sagte er. Aus finanzieller Sicht spiele daher eine "Mischkalkulation" vom deutschen Stammwerk in Rastatt und dem Werk in Ungarn eine wichtige Rolle.

Die Mitarbeiterzahl im Inland bleibt Porth zufolge nahezu gleich. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er insgesamt mit einem leichten Plus bei der Belegschaft - allerdings getrieben durch das Wachstum im Ausland.

dpa/az