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Mercedes 2015: Starke Zahlen, aber auch offene Baustellen

Quo vadis, Daimler?

Mit starken Quartalszahlen beweist Mercedes auf dem richtigen Weg zu sein, aber es gibt auch offene Baustellen in Stuttgart

Vor zwei Jahren stand Daimler-Chef Dieter Zetsche scheinbar vor einer Herkulesaufgabe. Nach einer Gewinnwarnung sprach der Daimler-Chef sich und seiner Belegschaft Mut zu. Mittlerweile läuft es deutlich besser: Mercedes verbucht immer neue Absatzrekorde. Damit zahlt sich der Vertrauensvorschuss für Dieter Zetsche aus, der schon im Mai – weit vor der üblichen Zeit – darüber informiert wurde, dass der Aufsichtsrat die Absicht habe, seinen Vertrag bis 2019 zu verlängern. Es läuft gut bei dem Stuttgarter Autobauer – das demonstrierten die am Donnerstag vorgelegten Quartalszahlen. Einige Baustellen bleiben dem Konzernchef trotzdem.

Mercedes 2015: Starke Zahlen, aber auch offene Baustellen

CHINA: Lange hechelte Daimler den Rivalen Audi und BMW hinterher. Langsam scheint sich das Blatt zu wenden. Im zweiten Quartal legten die Stuttgarter in dem wichtigen Markt um 38,5 Prozent zu, während die Konkurrenz im Vergleich dazu schwächelte. Ein Grund: Die Einführung neuer Modelle und der Ausbau des Händlernetzes. Die Frage ist, ob Daimlers Sonderkonjunktur auch angesichts weniger rosiger Prognosen für den Markt und des jüngsten Kursrutsches an den Börsen anhält: Daimler-Chef Zetsche betonte am Donnerstag «Auch in China hat Mercedes-Benz allen Grund zur Zuversicht.» Denn in der Vergangenheit habe Daimler – im Gegensatz zur Konkurrenz – sein Potenzial in China nicht ausgeschöpft.

«Daimler profitiert noch von einem gewissen Neuigkeitswert», bestätigt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach: Die Stuttgarter müssten möglicherweise angesichts drohender Überkapazitäten ihre Planung anpassen. Der Scheitelpunkt der höchsten Gewinne pro Fahrzeug sei überschritten. «China ist nicht mehr «die» Goldgrube», sagt Bratzel. Jetzt dürften keine Fehler gemacht werden, warnt auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Allerdings sei das Management mit Hubert Troska gut aufgestellt.

MODELLE: Daimlers Absatz beflügelt seit Monaten eine Flut neuer Modelle. «Daimler muss die hohe Geschwindigkeit seiner Modellerneuerung beibehalten», sagt der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen, Willi Diez. Bei der C-Klasse sei beispielsweise das T-Modell nachgeschoben worden. «Dieser Zyklus ist richtig.» Denn auch die Konkurrenz legt demnächst nach. BMW bringt in diesem Jahr seinen neuen 7er auf den Markt. «Das wird ein harter Kampf, die Position der S-Klasse zu verteidigen», warnt Diez. Im der kommenden Jahr lege Daimler mit der neuen E-Klasse nach, kündigte Zetsche an.

KOSTEN: Die alten Sparprogramme in Pkw und Lkw-Sparte sollen in diesem Jahr volle Wirkung zeigen. Ein neues groß angelegtes Programm ist bislang nicht geplant, wohl aber will Zetsche an der Effizienz schrauben. «Das ganze Unternehmen wird Schritt für Schritt effizienter», sagte er am Donnerstag. «Alleine das Ergebnis deutet darauf hin, dass Daimler auf dem richtigen Weg ist», sagt Diez. «Die Standorte in Deutschland sind langfristig wichtig, denn die Produktionsstruktur sollte in etwa der Absatzverteilung entsprechen.» Daimler habe zuletzt überraschend hohe Produktivitätsgewinne vorgelegt, sagt Metzler-Analyst Pieper. «Jetzt geht es nicht mehr ums Eingemachte, sondern um Luxusfragen.» So könnten Investoren, wenn das Profitabilitätsziel von 10 Prozent erreicht ist, auch langfristig zweistellige Gewinnmargen erwarten. 

ARBEITNEHMER: Mit dem Wechsel an der Betriebsratsspitze im vergangenen ist Zetsches hartnäckiger Gegenspieler Erich Klemm Geschichte, der neue Betriebsratschef heißt Michael Brecht. Das Gesprächsklima in Verhandlungen soll sich seitdem deutlich verbessert haben. Für fast alle Standorte in Deutschland wurden inzwischen Investitionsprogramme und sogenannte «Zukunftsbilder» verhandelt, die Investitionen, aber auch Einsparungen beinhalten. Ein großer Brocken wartet aber noch auf Zetsche: Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen in  Deutschland läuft 2016 aus. Die Zusage dürfte Brecht kaum kampflos aufgeben. Auch das Thema Werkverträge dürfte den Konzern weiter beschäftigen.

NEUE TECHNOLOGIEN: Daimler setzt beim Thema Alternative Antriebe wie andere Hersteller stark auf Plug-In-Hybrid-Motoren, die sowohl Strom als auch Benzin tanken. Bislang lässt der Durchbruch der reinen E-Autos bekanntermaßen auf sich warten. Entsprechend stehen die Autohersteller in Lauerstellung «Mit der nächsten Batteriegeneration werden die Karten neu gemischt», sagt Bratzel. Darüber hinaus will Daimler noch bis 2017 ein Auto mit Brennstoffzellen-Antrieb auf dem Markt bringen. Dieser Plan habe nach wie vor Bestand, so Zetsche.

dpa/az