Daimler und Renault-Nissan: Gemeinsame Produktion geplant

Tabubruch bei Mercedes?

Tabubruch bei Daimler: Offenbar gibt es Pläne, Mercedes-Modelle gemeinsam mit Nissan-Renault-Konzern produzieren zu lassen

Der Autohersteller Daimler steht einem Pressebericht zufolge vor einem Tabubruch. Der Konzern denke darüber nach, erstmals gemeinsam mit dem Partner Renault-Nissan ein Auto der Kernmarke Mercedes-Benz zu bauen, schreibt die "Financial Times Deutschland" (Donnerstag) unter Berufung auf hochrangige Konzerninsider. Dem Bericht nach könnten schon von 2016 an kleinere Mercedes-Modelle und Autos der Nissan-Premiumtochter Infiniti gemeinsam vom Band laufen. Daimler könnte so versuchen, in der Produktion Anschluss an seine profitableren Konkurrenten Audi und BMW zu finden.

Eine Daimler-Sprecherin wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Sie verwies aber darauf, dass die 2010 vereinbarte Kooperation mit Renault-Nissan gut funktioniere. "Das ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe", sagte die Sprecherin. Es würden zahlreiche Ideen entwickelt. Wenn es für beide Seiten vorteilhaft sei, würden diese Projekte auch umgesetzt. Vor einem Jahr hatte etwa Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt angekündigt, von 2014 an ein Auto auf Basis der neuen Kompaktwagenfamilie von Mercedes-Benz bauen zu wollen.

Daimler und Nissan-Renault: Gemeinsamer Geländewagen?

Zu Handelsbeginn legten Daimler-Aktien knapp ein Prozent zu. Ein Händler wollte dem Zeitungsbericht dabei allerdings zunächst nicht zu große Bedeutung beimessen. Er verwies vielmehr auf das insgesamt positive Börsenumfeld.

Das erste gemeinsam produzierte Auto könnte laut "FTD" ein kleiner Geländewagen sein. Als möglichen Standort für die Fertigung auf Basis der Mercedes-A- und -B-Klasse sei Osteuropa im Gespräch. Mercedes baut bereits im ungarischen Kecskemet Wagen der Kompaktklasse. Nissan besitzt eine Fabrik im russischen Sankt Petersburg. Eine Entscheidung könnte Ende des Jahres fallen, schreibt das Blatt. Schon beim Pariser Autosalon am 28. September wollen Daimler-Chef Dieter Zetsche Renault-Nissan-Chef Ghosn über den Stand der Kooperation berichten. Im Gespräch ist laut Zeitung auch ein Austauschprogramm für Manager der Autohersteller.

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Für Mercedes wäre eine gemeinsame Produktion mit Nissan ein großer Schritt. Die Stuttgarter tun sich bislang schwer damit, ihre Kernmarke Mercedes über einzelne Komponenten hinaus mit dem Partner zu teilen. Kritiker im Konzern befürchten einen Imageschaden für die stolze Marke mit dem Stern. Bei Nutzfahrzeugen ist Daimler schon weiter. In Japan haben die Schwaben mit Nissan bereits eine gegenseitige Belieferung mit einzelnen Modellen beschlossen.

Die Kooperation ist für Daimler wichtig bei der Aufholjagd auf die enteilte Konkurrenz. Audi und BMW verdienen pro Auto mehr Geld.
Das will Daimler-Chef Zetsche ändern und bis 2020 die Vormachtstellung zurückerobern. Anders als die Wettbewerber entwickeln die Stuttgarter ihre Autos bislang zu aufwendig und bauen zu wenig gleiche Teile in ihre unterschiedlichen Fahrzeugmodelle ein.
dpa/az