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Die Fünf-Prozent-Hürde muss fallen

Interview: Peugeot-Chef Jean-Philippe Collin

04.09.2008 / Aus AUTO ZEITUNG 1/2004
Interview: Peugeot-Chef Jean-Philippe Collin

Unser Top-Autonews

Jean-Philippe Collin, General-Direktor von Peugeot, gibt im Interview Auskunft über die Zukunftsstrategie von Modellen, Kosten, Umwelt und Absatz. Seine Ziele sind ehrgeizig

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Peugeot hat schon vor einiger Zeit einen Diesel-Hybrid-Prototypen vorgestellt. Wann wird das Auto in Serie gehen?
Wir wollen 2011 soweit sein. Die Mehrkosten sind allerdings beachtlich. Deshalb kommen wir mit einem Diesel-Hybrid eher im gehobenen Mittelklasse-Segment. In der Kompaktklasse ist das nicht realisierbar, denn wir reden hier schon über Mehrkosten im deutlich vierstelligen Bereich.

In welchen Märkten hat Peugeot noch Wachstumspotenziale?
Zunächst einmal wollen wir in Deutschland weiter Gas geben. Wir haben hier noch keinen Marktanteil, der uns gebührt. Auch Italien und England stehen in Westeuropa auf der Wachstumsliste. Daneben sind natürlich Russland, Südamerika und China Märkte, in denen wir künftig besser aussehen wollen.


Was sind ihre Ziele in Deutschland?

Hier gibt es ganz klare Vorstellungen. In Deutschland muss Peugeot die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

Das klingt nicht nur sehr ehrgeizig, sondern fast unmöglich vor dem Hintergrund, dass der gesamte Markt in Deutschland rückläufig ist.
Das mag sein. Aber vielleicht ist das der Grund, warum ich heute Peugeot leite. Wir können mit kleineren Nutzfahrzeugen beispielsweise deutlich Marktanteile erobern. Der 308 wird weiter ergänzt werden. Bereits nächstes Jahr kommen neue Modelle, unter anderem der 308 CC. Und wir müssen weitere Segmente abdecken. Derzeit decken wir nur rund 72 Prozent der Segmente ab. Wir wollen 90 Prozent erreichen. Dazu gehören ein Crossover, im SUV-Segment ein Sportcoupé und ein Mini-Van.


Setzen Sie bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge auch weiter auf Kooperationen?

Selbstverständlich. Peugeot ist führend in Kooperationen. Wir arbeiten mit BMW und Mitsubishi zusammen, um nur einige zu nennen. Es hängt natürlich auch von den Fahrzeug-Segmenten ab. So haben wir angekündigt, mit Mitsubishi bei Elektrofahrzeugen zusammenzuarbeiten. Derzeit haben alle Hersteller aber noch Probleme bei der Sicherheit der Batterien, und auch die Reichweite ist derzeit noch problematisch.
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In der Vergangenheit hat es insbesondere beim 307 öfter Probleme gegeben. Haben Sie die Qualität inzwischen im Griff?
Die Qualitätsstatistik des 308 ist beispielsweise ausgesprochen gut. Und wir haben auch die Servicequalität des Händlernetzes in Deutschland deutlich verbessert. In drei Jahren wollen wir in Sachen Qualität und Service unter die ersten Fünf in Deutschland gelangen. Wir müssen allerdings noch einen Zahn zulegen.

JP Collins Interview 02Peugeot ist erfolgreich im Rennsport. Aber noch gibt es keinen Sportwagen von Peugeot. Wird sich das ändern?
Nein, wir haben bis heute keine Pläne, einen großen Sportwagen zu bauen. Die Motivation, warum wir Motorsport betreiben, ist doch eine andere. Zum einen wollen wir die Marke bekannt machen, zum anderen wollen wir Synergien zwischen Rennsportentwicklungen und Serie nutzen. Außerdem gibt uns der Rennsport die Möglichkeit, Events und Ereignisse zu kreieren, sodass wir in den jeweiligen Ländern den Kontakt mit den Händlern aufnehmen können.

Im Billigpreis-Segment ist Renault mit der Marke Dacia in Deutschland sehr erfolgreich. Ist das ein Vorbild für Sie?
Nein, wir haben nicht die Absicht, neue Marken einzuführen, denn der Peugeot 107 läuft sehr gut und ist bereits im untersten Segment angesiedelt. Darunter würde keine Marke mehr passen.

Werden Sie 2008 Ihre definierten Umsatz- und Absatzziele erreichen?
Wenn der Trend vom ersten Halbjahr sich fortsetzt, muss es uns gelingen. Wir werden weltweit ca. 2.025.000 bis 2.075.000 Autos der Marke Peugeot in 2008 zulassen.


Peugeot hat 2007 ein radikales Sparprogramm eingeläutet und 10000 Arbeitsplätze abgebaut. Wird es weitere Stellenstreichungen geben?

Der Personalanpassungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Allerdings werden wir weniger verschlanken als 2007. Es betrifft aber nicht nur die Produktion, sondern wir werden auch in anderen Bereichen, selbst beim Vertrieb, das so genannte Leanprogramm weiter verfolgen. Im Übrigen möchte ich betonen, dass die Steigerung des Konzernumsatzes und -gewinns in erster Linie aus dem Konzerngeschäft Automobil kommt. Und hier werden wir weiter offensiv agieren. So wird auch eine gehobene Mittelklasse-Limousine kommen, und in der zweiten Jahreshälfte 2009 starten ein Minivan und ein kleines SUV.

JP Collins Interview 03Wie sehen Sie als Chef von Peugeot die Differenzierung zu Citroën? Ist sie groß genug?
Bisher ist es uns trotz gleicher technischer Komponenten gut gelungen, die Differenzierung zu pflegen. Wir achten akribisch darauf, uns nicht zu ähnlich zu werden. Doch es ist natürlich recht schwierig bei zwei generalistischen Marken, die auch alle wesentlichen Segmente abdecken müssen. Aber Peugeot hat beispielsweise eine eigene Geschichte und auch eigene Modelle, zum Beispiel die CC-Modelle, die bei Citroën in der Form nicht vorhanden sind.

Viele sagen, der Hybrid sei nur eine Übergangslösung und das Elektrofahrzeug oder der Brennstoffzellenantrieb die Zukunft. Was ist Ihre Ansicht?
Die Brennstoffzelle bereitet uns immer noch große Kostenprobleme. Die wirtschaftliche Gleichung haben wir noch gelöst. Auch die Elektrofahrzeuge stehen noch in den Anfängen. Man muss heute parallel viele Technologien erforschen und beherrschen. Kein Hersteller kann es sich erlauben, nur auf eine Technik zu setzen.

Neuheiten Peugeot
Mit dem Luftikus 308 CC startet im Frühjahr 2009 die nächste Open-Air-Saison. Schon zur Jahresmitte folgt ein völlig neues Modell: das Kompakt-SUV Peugeot 3008, wahlweise mit und ohne Allradantrieb. Die Designstudie dazu zeigen die Franzosen auf dem Pariser Autosalon. Ebenso wie die neue Studie Concept-Car RC, eine viertürige Sportlimousine mit Hybridantrieb und 313 PS. Weiter gehts mit dem 218 PS starken Sportcoupé 308 RC Z: Premiere des nur 1,32 Meter hohen, schicken 2+2-Sitzers ist auf der IAA 2009, Verkaufsstart Anfang 2010.
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