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Abgas-Skandal: Chronologie (Update!)

Alles zum VW-Abgas-Skandal

Volkswagen hat mit den ersten Nachbesserungen begonnen. Für insgesamt 3,7 Millionen Autos mit dem Diesel-Motor EA 189 wurden die Ausbesserungsmaßnahmen bisher freigegeben. Wir sagen, welche Modelle der Marken VW, Audi, Seat und Skoda betroffen sind.

Seit Monaten tobt der Abgas-Skandal um VW und wirbelt nicht nur die Zentrale des Konzerns in Wolfsburg durcheinander. Jetzt wurde der VW-Vorstand auf der Aktionärs-Hauptversammlung entlastet. Das Land Niedersachsen enthielt sich jedoch seines Stimmrechts für den ehemaligen Konzernchef Martin Winterkorn und den derzeitigen VW-Markenvorstand Herbert Diess. Grund dafür sind aktuelle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen die beiden VW-Chefs, in denen ihnen Marktmanipulation vorgeworfen wird. Für das Endergebnis war die Enthaltung des Landes Niedersachsen jedoch eher symbolischer Natur: Da die Mehrheit der Konzern-Anteile in Händen der Porsche SE liegt, konnten alle Vorstände entlastet werden. Außerdem wurde für die Aktionäre eine Mini-Dividende beschlossen.

Bildergalerie: Alle betroffenen Modelle im VW-Konzern

VW Diesel-Skandal: Die aktuellen Entwicklungen

Millionen Autofahrer, das Kraftfahrtbundesamt und andere Behörden sowie Politiker auf der ganzen Welt fordern Aufklärung von Volkswagen und wollen schnellstmöglich wissen, welche Modelle betroffen sind und wie der Konzern mit der Abgas-Affäre umgehen will. Derzeit erarbeitet VW technische Lösungen, die das Abgasverhalten der betroffenen Fahrzeuge verbessern und auf das ursprünglich versprochene Niveau heben. Insgesamt wurden europaweit bereits 3,7 Millionen Fahrzeuge zur Ausbesserung freigegeben. Betroffen sind nach aktuellem Kenntnisstand ausschließlich Fahrzeuge mit dem Diesel-Motor EA 189, der sowohl als Vierzylinder mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum als auch in Form eines 1,2 Liter großen Dreizylinder-Motors verbaut wurde. Nicht betroffen sind aktuelle Neuwagen, deren Motoren bereits die Abgasnorm EU6 erfüllen. Neben zahlreichen Modellen der Kernmarke Volkswagen sind auch diverse Fahrzeuge der Konzernmarken Audi, Seat und Skoda mit TDI-Motor betroffen und verfehlen in Praxistests die in den USA gültigen Grenzwerte für Stickoxid-Emissionen deutlich.

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Der VW Diesel-Skandal – Chronologie der Ereignisse:

  • 18.09.: Die amerikanische EPA gibt bekannt, dass sie wegen Verstößen gegen den Clean Air Act Ermittlungen gegen Volkswagen aufgenommen hat. Mit einer speziellen Software sollen Abgasmessungen von Diesel-Fahrzeugen manipuliert worden sein. Strafzahlungen von bis zu 18 Milliarden US-Dollar stehen im Raum.
  • 20.09.: Am Sonntag nimmt VW-Chef Martin Winterkorn erstmals Stellung und kündigt eine umfassende Aufklärung an. Ein Sprecher des Konzerns gibt zu, dass es Software-Manipulationen gegeben hat.
  • 21.09.: Als Konsequenz aus den aktuellen Ermittlungen stoppt VW den Verkauf von Diesel-Fahrzeugen in den USA.
  • 21.09.: Der Aktienkurs bricht bereits am Montag Morgen um über 15 Prozent ein, am Ende des Tages lag die Aktie 18,6 Prozent niedriger und befand sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Juli 2012.
  • 21.09.: Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kündigt eine Überprüfung von VW Diesel-Pkw an und beauftragt das Kraftfahrtbundesamt mit spezifischen Nachprüfungen durch unabhängige Gutachter.
  • 22.09.: Aus den USA wird bekannt, dass auch das Justizministerium gegen Volkswagen ermittelt und prüft, ob dem Konzern kriminelle Machenschaften vorzuwerfen sind.
  • 22.09.: Auch Südkorea, Australien und andere Länder kündigen Sondertests für VW-Diesel an.
  • 22.09.: Der VW-Konzern gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt die Rückstellung von 6,5 Milliarden Euro für das dritte Quartal 2015 an.
  • 22.09.: Volkswagen spricht erstmals von weltweit bis zu 11 Millionen betroffenen Fahrzeugen.
  • 22.09.: Bundeskanzlerin Angela Merkel verlangt eine rasche und vollständige Aufklärung: "Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen."
  • 22.09.: In einer Video-Botschaft bittet VW-Chef Winterkorn um Entschuldigung: "Die Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren unseres Konzerns widersprechen allem, für was Volkswagen steht. Auch ich habe zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Antworten auf alle Fragen." Seinen immer lauter geforderten Rücktritt lehnt er ab.
  • 22.09.: Verkehrsminister Alexander Dobrindt setzt eine Untersuchungskommission zur Aufklärung des Skandals ein.
  • 22.09.: Am Abend hat die VW-Aktie weitere 19,82 Prozent verloren und wird für 106,00 Euro gehandelt.
  • 23.09.: Volkswagen engagiert die amerikanische Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis, die im Jahr 2010 den Ölkonzern BP nach dem Untergang der "Deepwater Horizon" vertreten hatte.
  • 23.09.: Das Präsidium des Aufsichtsrats kommt zu einer Krisensitzung in Wolfsburg zusammen und berät über Konsequenzen aus dem Skandal. Am Abend erklärt VW-Chef Martin Winterkorn seinen Rücktritt, betont aber in einer Erklärung seine Unschuld: "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltes bewusst bin."
  • 23.09.: In den USA werden zahlreiche Sammelklagen vorbereitet, die dem Konzern unter anderem Betrug und diverse Vertragsbrüche vorwerfen.
  • 24.09.: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt stellt klar, dass auch Fahrzeuge in Europa vom Diesel-Skandal betroffen sind. Außerdem wird bekannt, dass neben zahlreichen VW-Baureihen auch Modelle von Audi, Seat und Skoda betroffen sind.
  • 25.09.: Der Aufsichtsrat tagt in Wolfsburg und beschließt eine umfassende Neuordnung, diverse Vorstände verlieren ihre Posten. Matthias Müller wird neuer Vorstandsvorsitzender und tritt damit die Nachfolge von Martin Winterkorn an.
  • 28.09.: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig teilt mit, dass sie Ermittlungen gegen Martin Winterkorn und Volkswagen aufgenommen hat.
  • 29.09.: VW kündigt mit einem Aktionsplan den Rückruf von mehreren Millionen Fahrzeugen mit dem Diesel-Motor EA 189 an, in Deutschland sind nach aktuellem Stand 2,8 Millionen Fahrzeuge betroffen.
  • 30.09.: Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt leitet ein Prüfverfahren gegen die VW-Tochter Audi ein.
  • 01.10.: Entgegen eines früheres Statements richten sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig bisher nicht konkret gegen den ehemaligen VW-Chef Winterkorn, sondern nur gegen den Konzern.
  • 06.10.: Auf den Websites von VW, Audi, Seat und Skoda können besorgte Kunden überprüfen, ob ihr Auto mit dem Diesel-Motor EA 189 ausgestattet ist.
  • 06.10.: Auf einer Betriebsversammlung kündigt der neue VW-Chef Matthias Müller harte Sparmaßnahmen an, die "nicht ohne Schmerzen" möglich seien. Der Rückruf betroffener Fahrzeuge soll Anfang 2016 beginnen und bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.
  • 07.10.: Der bisherige VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch übernimmt die Spitze des VW-Aufsichtsrats bis zur nächsten Hauptversammlung, auf dieser kann Pötsch von den stimmberechtigten Anteilseignern offiziell gewählt werden.
  • 07.10.: Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung aufdecken, erkennt die illegale Software des Dieselmotors EA 189 auch den europäischen Fahrzyklus NEFZ. Ob und inwiefern die Software im EU-Zyklus für geänderte Abgaswerte sorgt, ist bisher nicht bekannt.
  • 08.10.: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat am Vormittag eine Razzia bei Volkswagen durchgeführt, dabei wurden sowohl Geschäfts- als auch Privatgebäude durchsucht um Unterlagen und Datenträger sicherzustellen.
  • 10.10.: Die kalifornische Umweltbehörde CARB stellt Volkswagen laut einem Bericht ein Ultimatum bis zum 20. November, spätestens dann soll ein Plan zur Nachrüstung betroffener Diesel-Fahrzeuge vorgelegt werden.
  • 10.10.: Die US-Umweltbehörde will auch einen 2.0 TDI-Motor des Modelljahrs 2016 genauer unter die Lupe nehmen, auch hier könnte eine sogenannte "Defeat Device" den Betrieb auf dem Prüfstand erkennen und die Abgas-Emissionen entsprechend anpassen.
  • 12.10.: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung muss der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn auch alle übrigen Ämter im Konzern abgeben. Nach seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender blieb Winterkorn zunächst in mehreren Aufsichtsräten aktiv.
  • 13.10.: Hollywood-Star Leonardo DiCaprio will den VW Abgas-Skandal verfilmen.
  • 13.10.: Volkswagen beschließt ein Effizienzprogramm und will seine Investitionen in den kommenden Jahren um rund eine Milliarde Euro pro Jahr reduzieren. Der kommende VW Phaeton wird neu konzeptioniert und soll als reines Elektroauto angeboten werden. Außerdem wird ein Modularer Elektrischer Baukasten (MEB) entwickelt, um künftig flexibler Elektroautos entwickeln zu können.
  • 14.10.: Anders als zunächst angekündigt wird der bisherige Skoda-Chef Winfried Vahland offenbar nicht Chef von Volkswagen Nordamerika, stattdessen verlässt der Manager den Konzern.
  • 15.10.: Das Kraftfahrtbundesamt ordnet den Rückruf von 2,4 Millionen betroffenen Autos in Deutschland an, eine freiwillige Reparatur-Maßnahme genügt der Behörde nicht.
  • 15.10.: Es wird bekannt, dass in Europa insgesamt 8,5 Millionen Autos des VW-Konzerns zurückgerufen werden müssen. Die betroffenen Halter werden von Volkswagen direkt kontaktiert. Mit der Nachbesserung der Autos soll im Januar 2016 begonnen werden.
  • 15.10.: Auch in Italien droht VW weiterer Ärger: Die Finanzpolizei hat auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Verona mehrere Objekte von Volkswagen und Lamborghini durchsucht, im Raum steht ein Verdacht auf Handelsbetrug.
  • 04.11.: Neben Diesel-Motoren mit vier und sechs Zylindern sind offenbar auch Benziner von den Unregelmäßigkeiten bei Volkswagen betroffen. Auch CO2-Werte wurden geschönt.
  • 09.11.: Software-Anpassungen werden bei hunderttausenden Motoren nicht für eine vollständige Beseitigung der Probleme ausreichen, das KBA verlangt auch Hardware-Änderungen. In den USA kündigt VW an, betroffene Kunden unter anderem mit Gutscheinen besänftigen zu wollen.
  • 21.11.: VW legt den US-Behörden einen detaillierten Rückrufplan vor und gibt zu, dass auch sämtliche zwischen 2009 und 2016 verkauften Modelle von VW, Audi und Porsche mit 3.0 TDI-Motor über eine als illegal eingestufte Software verfügen.
  • 24.11.: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig weitet ihre Ermittlungen gegen Volkswagen auf der Verdacht der Steuerhinterziehung aus.
  • 25.11.: Volkswagen stellt die technischen Änderungen beim 1.6 TDI-Motor für Europa vor und erklärt, dass bei den betroffenen 2.0 TDI-Motoren ein Software-Update ausreichen ist.
  • 26.11.: Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hat ein Prüfverfahren eingeleitet und will feststellen, ob bei der Audi-Motorenentwicklung strafrechtlich relevante Taten stattgefunden haben.
  • 01.12.: Die Amerikaner haben Volkswagen im November für den Abgas-Skandal abgestraft, die Verkaufszahlen brachen um rund ein Viertel (-24,7 Prozent) ein.
  • 09.12.: VW vermeldet, dass nach umfassenden Tests bei nur 36.000 statt wie zuvor angenommen 800.000 Fahrzeugen die CO2-Abweichungen nicht der Norm entsprechen. Das KBA bestätigte dies.
  • 17.12.: Erster Kunde gibt seinen Audi Q5 zurück. Die Dr. Stoll & Sauer Rechtsanwaltsgesellschaft mbH erwirkt durch einen Vergleich mit einem Audi-Zentrum, dass der Mandant seinen Audi Q5 2.0 TDI (Baujahr 2011) zurückgibt. Der Kaufpreis betrug 30.250 Euro. Der Mandant erhielt 29.000 Euro für den Audi Q5.
  • 04.01. 2016: Das amerikanische Justizministerium verklagt Volkswagen wegen Verstößen gegen das Klimaschutzgesetz und dem Einsatz einer betrügerischen Software in mehr als 600.000 Fahrzeugen der Marken VW, Audi und Porsche.
  • 11.01.: Der neue VW-Chef Matthias Müller sorgt für Verwirrung, als er den Skandal in einem Radio-Interview verharmlost und von einer falschen Interpretation der Gesetzestexte spricht.
  • 27.01.: Das Kraftfahrtbundesamt erteilt die Freigabe zur technischen Lösung beim Amarok 2.0 TDI, die notwendigen Maßnahmen bei anderen Modellen werden noch geprüft.
  • 02.02.: In Europa wird mit der Umrüstung von betroffenen Diesel-Motoren des Typs EA189 mit 2,0 Liter Hubraum begonnen.
  • 05.02.: VW verschiebt die Termine für die Vorlage des Jahresabschlusses und der Hauptversammlung nach hinten.
  • 04.03.: Die Wolfsburger kündigen die Jahrespressekonferenz für den 28. April 2016 an, die verschobene Hauptversammlung soll nun am 22. Juni in Hannover stattfinden.
  • 09.03.: Volkswagen bestätigt, dass die Sponsoring-Aktivitäten bei FC Schalke 04 und TSV 1860 München zum Saisonende eingestellt werden. Als Hintergrund werden Sparmaßnahmen in Folge des Diesel-Skandals vermutet.
  • 10.03.: Michael Horn, der bisherige Chef von Volkswagen in den USA, tritt mit sofortiger Wirkung zurück. Als Nachfolger wird Hinrich Woebcken benannt.
  • 20.04.: Laut einem Bericht des Handelsblatts liegen die Wurzeln des Abgas-Skandals bei der VW-Tochter Audi. Dort wurde demnach schon 1999 die Software entwickelt, die Jahre später beim VW-Motor EA 189 für reduzierte Emissionen im Prüfstandsbetrieb sorgte.
  • 21.04.: In den USA konnte Volkswagen eine vorläufige Einigung mit Vertretern amerikanischer Diesel-Kunden erzielen. Demnach zahlen die Wolfsburger jedem betroffenen Kunden eine Entschädigung von 5000 US-Dollar, was sich bei 580.000 Fahrzeugen auf knapp drei Milliarden Dollar summiert.
  • 28.04.: Als erster Kompakter wird der VW Golf 2.0 TDI BlueMotion in die Werkstätten bestellt. Der Rückruf beschränkt sich zunächst auf 15.000 Einheiten der Modelljahre 2011, 2012 und 2013, weitere Modelle folgen zu späteren Zeitpunkten.
  • 03.06.: VW erhält vom KBA die Freigabe zur Umrüstung 800.000 weiterer europäischer Autos. Mit den bis zu diesem Zeitpunkt freigegebenen 125.000 Wagen, nähert VW sich nun der Millionen-Grenze. 
  • 08.06.: Der Rückruf nimmt Fahrt auf. Nach den verzögerten Genehmigungen des KBA wurde heute die Freigabe für 1,1 Millionen weitere Fahrzeuge erteilt, betroffen davon sind die Modelle VW Tiguan und Caddy mit Zweiliter-Dieselmotor den Typs EA 189.
  • 20.06.: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und den aktuellen VW-Markenchef Herbert Diess. Ihnen wird vorgeworfen den Finanzmarkt bewusst zu spät über das Ausmaß der Diesel-Manipulationen informiert zu haben.
  • 22.06.: Auf der Aktionärs-Hauptversammlung am Abend wurde der Vorstand vollständig entlastet – mit zwei Ausnahmen: Das Land Niedersachsen verweigerte die Abstimmung bei den Mitgliedern Winterkorn und Diess aufgrund der laufenden Ermittlungen.  Das Votum war dennoch ausreichend, um auch den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und den aktuellen VW-Markenchef zu entlasten. Etwas früher am Tag hatte VW außerdem die Freigabe für die Umrüstung einer Million weiterer Fahrzeuge erhalten. Die Anpassungen beschränken sich nach wie vor auf Zweiliter-Motoren. Insgesamt wurden europaweit 3,7 Millionen Autos zur Umrüstung freigegeben.
Lena Reuß/Benny Hiltscher/Michael Gorissen