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Blackbox im Auto: Datenspeicherung

Blackbox speichert über Jahre

Verkehrsminister Alexander Dobrindt spricht sich für die Blackbox im Auto aus und möchte die Datenspeicherung auf drei Jahre ausweiten. Fragen, die mit neuen Assistenzsystemen im Auto und autonomem Fahren einhergehen, können durch die Blackbox im Auto beantwortet werden.

Je mehr Assistenzsysteme vorhanden sind, desto mehr wird das Auto zur Daten-Lieferstation, die entweder über GSM-Antenne und verbaute SIM-Karte versendet, oder in einer Blackbox gespeichert werden. Bisher profitieren überwiegend die Hersteller von der Datenflut der zahlreichen Sensoren, aber bald sollen die Daten auch anderweitig genutzt werden. Im Zuge einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes plant Verkehrsminister Alexander Dobrindt die Daten in der Blackbox über einen Zeitraum von drei Jahren zu speichern, damit in einem Rechtsstreit zu jeder Zeit nachvollzogen werden kann, wann welche Assistenzsysteme zum Einsatz kamen. Doch was viele nicht wissen: Die Blackbox im Auto ist keine Neuheit, im Gegenteil: In vielen Fahrzeugen mit Assistenzsystemen sind die Datenschreiber bereits vorhanden. Und durch die Forderung von Dobrindt werden künftig wohl noch mehr Autos mit dieser Technologie ausgestattet. Die Autofahrt und die Umstände wie Geschwindigkeit, Betätigen der Bremse oder des Blinkers können dann ebenso minutiös überwacht werden, wie der Reifendruck, der Öl- oder der Kühlwasserstand. Selbstverständlich können auch Daten erfasst werden, die nicht unbedingt nur das Fahrzeug und die Fahrweise betreffen. So wird in der Blackbox möglicherweise auch aufgezeichnet, ob der Fahrer angeschnallt war, wann er wie das Radio bedient hat, oder ob er vielleicht gerade das Navigationssystem eingestellt hat. Wenn das Auto, wie zum Beispiel die Mercedes E-Klasse, einen sogenannten Einschlafwarner besitzt, können auch diese Daten gespeichert werden und auch, wenn sie es eilig haben und ein bisschen drängeln – die Blackbox zeichnet es auf!

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Datenspeicherung durch Blackbox im Auto – Video:

 

Blackbox-Datenspeicherung im Auto über drei Jahre

Bei der Flut an Daten in der Blackbox hat sich natürlich auch Justizminister Maas mit in die Thematik eingeschaltet. Aktuell ist die rechtliche Lage in Bezug auf die Nutzung von Fahrzeugdaten nämlich noch eher undurchsichtig und die Hersteller lassen sich ungern in die Karten schauen. Umso wichtiger, dass hier klare Regeln gefunden werden. Da wird schnell klar, weswegen die Autohersteller den Einbau der Fahrtenschreiber bisher nur eingeschränkt in der Öffentlichkeit thematisiert haben: Die Angst vor der totalen Überwachung durch Digitalisierung und Medien greift immer mehr um sich und jetzt erreicht sie auch den eigentlich privaten Raum des Autos. Klar ist die Blackbox für das Auto keine gänzlich neue Erfindung. Seit einiger Zeit werden Versicherungstarife in Kombination mit dem Einbau eines Fahrtenschreibers angeboten. In den USA sind schon die meisten Autos mit Blackbox unterwegs, könnte das hierzulande vielleicht auch bald der Fall sein? Gut möglich, zwar ist der Fahrtenschreiber an sich noch nicht so weit verbreitet, aber die modernen Autos senden bereits Daten an die Hersteller, mit denen die Fahrweise ebenfalls dokumentiert werden kann. Beispiele gefällig? Die Mercedes B-Klasse funkt unter anderem alle zwei Minuten die GPS-Position und den Fahrzeugstatus (z.B. Tankfüllung, Reifendruck, Ölstand etc.) ans Werk, der BMW i3 sendet nach jedem Ausschalten der Zündung Daten über die Batterie, den aktuellen Stand des Fehlerspeichers und die gewählten Fahrmodi an den Hersteller und der Renault Zoe schickt jede halbe Stunde ein Update zum Batteriestatus und zur Position des Wagens an die Zentrale – und das ist nur ein kleiner Auszug.

Moderne Autos senden permanent Daten ans Werk

Ein prominentes Beispiel für Autos, die schon ab Werk mit einer Blackbox ausgestattet sind und umfangreiche Datenpakete an den Hersteller senden, sind die Tesla-Modelle S und X. Hier hat die Datensammlung bereits einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung von Unfällen geleistet. So ist kürzlich bekannt geworden, dass es im Mai 2016 einen tödlichen Unfall eines Tesla Model S mit einem LKW gab, der dank der Daten in der Blackbox aufgeklärt werden konnte. So kollidierte das Model S auf einer Kreuzung mit dem überquerenden LKW, da der Autopilot, mit dem der Tesla unterwegs war, den LKW als ein hochhängendes Schild verarbeitete und nicht abbremste. Allerdings ergaben die Daten auch, dass der Fahrer unkonzentriert war, denn er betätigte die Bremse ebenfalls nicht. Wie sich später herausstellte, ließ der Fahrer sich von einer Harry-Potter-DVD ablenken und missachtete Teslas Anweisungen auch während des Fahrens mit Autopilot den Blick auf der Straße und die Hände am Steuer zu halten.

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Datensammlung konnte bereits Unfälle aufklären

Auch in einem weniger populären Fall mit einem Tesla Model X konnte die Blackbox zur Aufklärung beitragen. Damals raste die Fahrerin ungebremst auf eine Kaufhauswand zu und beschuldigte das Tesla-Assistenzsystem versagt zu haben. Die Auswertung der Fahrzeugdaten ergab jedoch später, dass die Systeme zu keinem Zeitpunkt der Fahrt eingeschaltet waren. In diesen beiden Fällen konnte die Unfallursache dank Blackbox schnell und unkompliziert aufgeklärt werden, sodass kein Raum für Spekulationen blieb. Hinzu kommt, dass die Daten für die Hersteller natürlich erhebliches Potenzial zum Lernen bieten und die Straßen in Zukunft hoffentlich noch sicherer machen. Doch nicht nur wenn schon ein Unfall passiert ist, kann die Blackbox helfen: Eine Studie der NHTSA (National Highway Traffic Safety Administration) hat gezeigt, dass allein die Installation einer Blackbox ausreichen kann, um Unfallzahlen zu senken.

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Einsatz von Assistenzsystemen benötigt Protokoll

Aber kein Grund zur Panik, Interessenten werden beim Kauf eines Autos vorab über die Technologie zur informiert. Bei Tesla müssen die neuen Besitzer zum Beispiel ein Dokument unterschreiben, indem sie umfangreich aufgeklärt werden, was ihre Blackbox wann aufzeichnet. Vermutlich wird die Datensammlung im Auto zukünftig unverzichtbar, denn mit immer mehr Assistenzsystemen von Abstandsmesser bis Einparkhilfe im Auto, stellt sich im Falle eines Unfalls immer häufiger die Frage: Wer ist Schuld – Mensch oder Maschine?

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Lena Reuß