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Aurora Safety Car

Sicherheitskonzept anno 1957

Das Aurora Safety Car war angefüllt sowohl mit bahnbrechenden als auch obskuren Sicherheitsmaßnahmen. Insgesamt wurde der Konstruktion zum Verhängnis, dass sie zu teuer und auch schlicht zu hässlich war. Ihr Erbauer ging pleite.

So hat sich ein Mann namens Alfred A. Juliano in den Fünfzigern das sichere Automobil vorgestellt. Frei nach dem Motto "Form follows function" konstruierte er das Aurora Safety Car. Herausgekommen ist ein Vehikel, das so abstoßend ist, dass viele damalige Zeitgenossen des katholischen Priesters es zum hässlichsten Auto aller Zeiten kürten. Leider war nicht nur die Form abstoßend, sondern das Gefährt auch sehr pannenbehaftet. So sehr, dass es auf seinem offiziellen 100 Meilen-Demonstrationstrip zwischen New York und Connecticut sage und schreibe 15 Mal zusammenbrach. Was wohl, wie man fairerweise anmerken muss, daran gelegen haben mag, dass der Motor vor besagter Fahrt vier Jahre lang nicht einmal gestartet wurde.  Die Windschutzscheibe war mit bruchsicherem Harz beschichtet und wie eine Blase geformt. Und ohne Scheibenwischer. Mastermind Alfred A. Juliano war sich sicher, die wären nicht nötig, da die aerodynamische Form der Scheibe Tropfen von selber ableiten würde. Immerhin wurden aber tatsächlich viele Sicherheitsmaßnahmen verwirklicht: Sicherheitsgurte (Nicht vergessen, wir befinden uns im Jahre 1957), Seitenaufprallschutz,  Überrollkäfig und sogar eine gepolsterte Instrumententafel. Als zusätzlicher Stoßdämpfer war das Reserverad unter das vordere Ende des Aurora montiert. Eine weitere Besonderheit war der Fußgänger-Airbag, gefüllt mit Schaum, ebenfalls in die Front des Autos montiert. Im Cockpit verbaute Juliano einen Vorläufer der heutigen Sicherheitslenksäulen und um 180 Grad schwenkbare Sitze. Die Fahrgäste sollten sich im Falle eines unmittelbar bevorstehenden Aufpralls schnell umdrehen.

Bildergalerie: Das Aurora Safety Car

Das Aurora Safety Car war ein gigantischer Flop

Eine weitere Idee, die es nicht zur Serienreife in der Automobilindustrie brachte, waren die hydraulischen Wagenheber, die vom Armaturenbrett aus bedient werden konnten. Der Konstrukteur war also definitiv mit einem kreativen Geist gesegnet und durchaus seiner Zeit voraus, aber das Gesamtkonzept schaffte es dann aus recht offensichtlichen Gründen doch nicht in die Serienproduktion. Keine einzige Bestellung für das Aurora Safety Car ging ein. Und das, nachdem der autobegeisterte Priester vier Jahre lang an seinem Auto gebastelt und dabei 30.000 Dollar ausgegeben hatte. Das Projekt endete mit der Insolvenz Alfred A. Julianos. 12.000 Dollar sollte das Einstiegsmodell kosten, was es zum zweitteuersten Auto der damaligen Zeit gemacht hätte. Nur der Cadillac Eldorado Brougham wäre nochmal 1000 Dollar teurer gewesen. Den fertigen Prototypen verlor Juliano an eine Autowerkstatt, bei der er offene Rechnungen hatte. Der Prototyp ging durch diverse Hände und endete 1967 in einer Karosseriewerkstatt in Cheshire. Über Jahrzehnte faulte das Aurora Safety Car dann vor sich hin, bis es im Jahre 2005 von einem Auto-Enthusiasten gekauft und vollständig restauriert wurde. Arthur A. Juliano starb 1989 an einer Gehirnblutung.

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Michael Strathmann