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ADAC-Krise: Reformprogramm mit Drei-Säulen-Modell

Mitglieder über Gewinn

Der ADAC will nach monatelanger Krise neu durchstarten und mit einem Reformprogramm Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Alle Hoffnung ruht nun auf einem Drei-Säulen-Modell

Der krisengeschüttelte ADAC will mit einem Drei-Säulen-Modell seinen steuersparenden Vereinsstatus retten und Vertrauen zurückgewinnen. Eine außerordentliche Hauptversammlung - die erste seit 1948 - billigte am Samstag in München einstimmig ein entsprechendes Reformprogramm. Kernpunkte sind die Ausgliederung der wirtschaftlichen Aktivitäten in eine Aktiengesellschaft und die Rückbesinnung des Autoclubs auf seine Wurzeln als Mitgliedergemeinschaft mit Pannenhilfe und anderem Service für Kraftfahrer.

Der Gewinn solle nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern die Mitgliederorientierung, sagte Mahbod Asgari von der ADAC-Geschäftsführung.

ADAC-Krise: Verein oder Wirtschaftsunternehmen?

Nach Bekanntwerden der Fälschungen beim Autopreis «Gelber Engel» und anderen Enthüllungen wie der zweckwidrigen Nutzung von Rettungshubschraubern war der ADAC in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Viel Kritik gab es auch am konzernähnlichen Wirtschaftsgebaren von Europas größtem Autoclub mit knapp 19 Millionen Mitgliedern. Das Amtsgericht München prüft zurzeit, ob der ADAC noch ein Verein oder doch ein Wirtschaftsunternehmen ist. Es will seine Entscheidung auch von den Reformen abhängig machen.

«Der ADAC ist eine Mitgliederorganisation und möchte auch künftig ein Verein bleiben», sagte August Markl, der in München mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt wurde. Er hatte das Amt zuvor kommissarisch inne, nachdem der langjährige ADAC-Präsident Peter Meyer im Zuge der Krise im Februar abgetreten war.

Für einen raschen Weg aus der Krise war die außerordentliche Hauptversammlung einberufen worden, es war die erste seit 1948. Mit dem Programm «Reform für Vertrauen» wolle der ADAC auch «sein früheres Ansehen zurückzugewinnen», sagte Markl. Das Drei-Säulen-Modell sieht neben dem Verein und der separaten Beteiligungsgesellschaft in Form einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft als dritte Säule eine gemeinnützige ADAC-Stiftung vor. Sie soll als Stiftungskapital Anteile an der Aktiengesellschaft und eine Sperrminorität von 25,1 Prozent in deren Aufsichtsrat erhalten. 74,9 Prozent an der Aktiengesellschaft soll der ADAC e.V.
halten.

Zur Sicherung seiner Wettbewerbsfähigkeit sei der ADAC auch künftig auf wirtschaftliche Aktivitäten angewiesen, betonte Markl. «Aber er muss sie stärker vom Verein und seinen Aktivitäten trennen.» Die Dauer des Reformprozesses lasse sich nicht absehen, weil die Neugestaltung der rechtlichen Strukturen viel Zeit verlange. Zu den Aufgaben der Stiftung gehörten die Förderung der Unfallverhütung sowie Themen wie Unfallhilfe und Rettung aus Lebensgefahr, aber auch die entsprechende Forschung dazu, sagte Kurt Heinen, ADAC-Vizepräsident für Tourismus. «ADAC e.V. und ADAC-Stiftung werden sich gegenseitig befruchten und antreiben», sagte Rupert Graf Strachwitz, Mitglied des Beirats, den der Autoclub zur Krisenbewältigung ins Leben gerufen hatte.

Mit der Stiftung bekenne sich der ADAC zu seiner Sozialpflichtigkeit und werde einen beträchtlichen Teil der wirtschaftlichen Erträge über die Stiftung für gemeinnützige Zwecke aufwenden, sagte der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, der ebenfalls Mitglied des ADAC-Beirats ist. Der ADAC will seine Mitglieder künftig auch besser informieren und stärker einbinden. Als Verhaltenskodex für Mitarbeiter ist zudem eine einheitliche sogenannte Compliance-Richtlinie vorgesehen.

dpa/az