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Supersportler Genfer Autosalon 2015

Athleten im Rundgang

Auf dem Genfer Autosalon 2015 werden PS-Träume wahr, traditionell gilt die Schweizer Messe als Leistungsschau. Zwischen all den neuen Alltagsautos parkt die Supersportler-Elite: stark, schnell und für die meisten unbezahlbar. Aber gucken kostet ja nichts

Es ist schon ein bisschen paradox: Da haben die Schweizer auf ihren Autobahnen seit Jahrzehnten dieses strenge Tempolimit von 120 km/h. Doch auf dem Genfer Salon sind die schnellsten Sportwagen der Welt traditionell die Stars. Keine andere Autoshow in Europa bietet so viel Platz für PS-Träume. Bei der 85. Auflage der Messe (Publikumstage: 5. bis 15. März) drehen die Hersteller so richtig auf - in Sachen Preis und Leistung.

Zur Speerspitze in der automobilen Königsklasse zählen zweifelsohne die Supercars von Koenigsegg. Man staunt, wie es der schwedischen Manufaktur immer wieder gelingt, bei Power und Performance noch einen draufzusetzen. Diesmal mit dem Regera. Der nur 1,11 Meter hohe Zweisitzer mit Hybridantrieb, bei dem ein 5,0-Liter-V8 mit mehreren E-Motoren zusammenarbeitet, mobilisiert laut Hersteller sage und schreibe eine Systemleistung von 1103 kW/1500 PS - ein neuer Rekord für Serienautos. Als Spitzentempo sollen locker 430 km/h drin sein, und das nach kaum mehr als 20 Sekunden. Und auch der Basispreis versetzt Otto-Normal-Autofahrer ins Staunen: Mit etwas über zwei Millionen Euro ist man dabei.

Supersportler in Genf: Bugatti für schlappe 2,3 Mio. Euro

Mit dem Regera dürfte Koenigsegg wohl bald dem Temporekordhalter unter den Seriensportwagen den Rang ablaufen: Der Bugatti Veyron ist mit 431 km/h bisher ungeschlagen. Der flotte Franzose wird es aber mit dem neuen Nebenbuhler aus Schweden nicht mehr aufnehmen, denn die Baureihe läuft nach zehn Jahren aus. Mit dem Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse «La Finale» zeigt Bugatti in Genf das letzte Exemplar von insgesamt 300 Coupés und 150 Roadstern. Für so ein Auto blätterten Kunden zuletzt im Schnitt 2,3 Millionen Euro plus Steuern hin.

Wer das finale Modell mit der Chassisnummer 450 ergattert hat, verrät Bugatti nicht. Die technischen Daten sind hingegen kein Geheimnis: Unter der barock geformten Hülle, die erstmals überhaupt im Autobau mit rotem Sichtcarbon veredelt wurde, arbeitet der bewährte W16-Motor mit 8,0 Litern Hubraum, 883 kW/1200 PS und einem maximalen Drehmoment von 1500 Newtonmetern. Die gute Nachricht für Supersportwagen-Fans: Ein Nachfolgermodell ist in der Entwicklung, damit will Bugatti den «Führungsanspruch festigen und weiter ausbauen», kündigte Unternehmens-Präsident Wolfgang Dürheimer an.

Es liegt beim Thema Supersportler in der Natur der Sache, dass die Entwickler in Superlativen darüber sprechen. Zum Beispiel bei Audi: Die zweite Generation des R8, die auf der Messe enthüllt wurde, ist in höchster Ausbaustufe laut Prof. Ulrich Hackenberg, Entwicklungsvorstand der VW-Konzernmarke, «der stärkste und schnellste Serien-Audi aller Zeiten». Der optisch behutsam weiterentwickelte Leichtbau-Renner mit V10-Saugmotor im Heck wird ab diesem Sommer wahlweise mit 397 kW/540 PS (ab 165 000 Euro) und als Topmodell R8 V10 plus mit 449 kW/610 PS (ab 187 400 Euro) ausgeliefert. Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h. In einer Kleinserie soll anders als beim Vorgänger auch eine Elektroversion angeboten werden.

Mit ihrem bisher sportlichsten und schnellsten Serienmodell trumpft die italienische VW-Tochter Lamborghini auf: Der Aventador LP 750-4 SV - das SV steht für «superveloce», also superschnell - ist die jüngste Weiterentwicklung des Markenflaggschiffs mit allerlei Renntechnik und erstarktem V12-Motor. Der schöpft aus 6,5 Litern Hubraum 552 kW/750 PS. Der mindestens 389 356 Euro teure Supersportler erreicht in 2,8 Sekunden 100 km/h und bei Vollgas im letzten Gang mehr als 350 km/h, verspricht Lamborghini.

Nicht ganz so potent, aber markenintern ebenfalls eines Superlativs würdig ist der modernisierte Lotus Evora 400: Mit 298 kW/406 PS starkem Sechszylinder avanciert der puristische und 300 km/h schnelle Zweisitzer zum bisher kräftigsten Modell des britischen Autobauers, der auf dem Genfer Salon nach längerer Zeit mal wieder ein Lebenszeichen von sich gibt. Einen stärkeren GTA Spano wie die Neuauflage der V10-Flunder aus spanischer Kleinserienproduktion hat die Welt auch noch nicht gesehen. Mit 690 kW/938 PS und 1220 Newtonmetern Drehmoment hängt das auf 99 Stück limitierte Modell den Vorgänger auf dem Papier ab, über 370 km/h sollen möglich sein.

Und dann wäre da noch der 911 GT3 RS als extremste Ausbaustufe der Porsche-Ikone. Schalensitze, Überrollkäfig, Sechspunktgurte - der RS ist nichts anderes als ein Rennwagen mit Straßenzulassung. Herzstück ist ein Sechszylinder-Saugmotor mit 368 kW/500 PS. Laut Porsche schnellt der Tacho in nur 3,3 Sekunden auf 100 km/h, in 10,9 Sekunden auf 200 km/h und am Ende auf über 300 km/h. Das alles hat auch einen extremen Preis: Der mindestens 181 690 Euro teure Bolide kostet noch mal fast 50 000 Euro mehr als der konventionelle 911 GT3.

Vergleichsweise kleine Motoren und Leistung satt - das gilt oftmals für die zwangsbeatmete Supercar-Fraktion. Dazu gehört Ferraris neuer 488 GTB, der den 458 Italia beerbt. Statt eines Saugers sitzt dem Fahrer der modifizierte V8-Turbo aus dem California T mit 3,9 Litern Hubraum im Nacken. In Zahlen bedeutet das: 493 kW/670 PS statt zuvor 419 kW/570 PS, ein Sprintwert von 3 Sekunden bis 100 km/h und mehr als 330 Sachen Spitze. Der McLaren 675 LT wartet mit ähnlichen Eckdaten auf: Auch hier sorgt ein beatmeter V8 für Vortrieb. Aus 3,8 Litern Hubraum schöpft das doppelt aufgeladene Aggregat 496 kW/675 PS, der Sprint auf Tempo 100 soll in 2,9 Sekunden erledigt sein, erst bei 330 km/h ist Schluss mit der Beschleunigung.

Für ein paar Dutzend handverlesener Kunden fertigt McLaren den P1 GTR als neuen Überflieger der Marke: Der Ableger des Hybrid-Supersportwagens P1 fährt mit einem 588 kW/800 PS starken Achtzylinder plus E-Maschine mit 147 kW/200 PS - allerdings nur auf Rennstrecken. Letzteres gilt übrigens auch für zwei andere Supercar-Neuheiten in Genf: den Aston Martin Vulcan, der von einem V12-Motor mit über 800 Pferdestärken angetrieben nur 24 Mal gebaut werden soll, und für den Mercedes AMG GT3 mit 6,3 Liter großem V8-Sauger. Ein Paradebeispiel für Motoren-Downsizing auf dem Supersport-Sektor soll ab 2016 der nächste Ford GT abgeben, der in Genf sein Europadebüt feiert und eine Straßenzulassung hat. Mit mehr als 600 versprochenen Pferdestärken wird er alles andere als untermotorisiert sein - allerdings kommen die aus gerade mal sechs Zylindern mit mageren 3,5 Litern Hubraum. Einem Doppelturbo sei Dank.

dpa/az