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Mercedes-Benz Future Bus: IAA Nutzfahrzeuge 2016

Mercedes zeigt den Bus der Zukunft

Schon vor der Premiere auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 (22. bis 29. September) beweist der autonome Mercedes Future Bus sein Können im Alltagseinsatz am Amsterdamer Flughafen Schiphol.

Der Mercedes Future Bus soll schaffen, woran so mancher Städter schon lange nicht mehr glaubt. Busfahren soll wieder Spaß machen, das Erlebnis nicht von mürrischen Busfahrern, gammeligen Sitzen, endlosen Verspätungen oder ruppigem Fahrstil getrübt werden. Die Vision des Mercedes-Benz Future Bus ist rundherum anspruchsvoll: Gezeichnet fast wie ein Raumschiff auf Rädern wird der Fahrgastraum nicht nur zum Fahrgast-Traum, der im Zentrum mit einer Expresszone und im hinteren Bereich mit einer Lounge für längere Fahren, Parkatmosphäre und zeitgemäßem Infotainment lockt. Mit dem neuen CityPilot macht er gleich auch noch den Fahrer überflüssig. Oder zeigt zumindest, dass der gerne mal ein bisschen muffelige Mitarbeiter am Lenkrad irgendwann einmal überflüssig werden könnte. "Mit unserem Highway Pilot haben wir vor knapp zwei Jahren gezeigt: autonomes Fahren wird den Lkw-Fernverkehr effizienter und sicherer machen. Jetzt bringen wir diese Technologie als CityPilot in unsere Stadtbusse," sagt Bereichsvorstand Wolfgang Bernhard. "Das macht den öffentlichen Nahverkehr effizienter, sicherer und leistungsfähiger: mehr Menschen können schnell, pünktlich und komfortabel von A nach B kommen. Busbetreiber, Busfahrer, Fahrgäste – alle profitieren." Mehr zum Thema IAA-Nutzfahrzeuge: VW Crafter 2016

Bildergalerie starten: Mercedes-Benz Future Bus zur IAA 2016

Das kann die Mercedes E-Klasse (2016) schon heute – Video:

 

Mercedes Future Bus verspricht entspannten Nahverkehr

Während die Passagiere hinten auf bunt verteilten Bänken reisen oder sich an Stangen festhalten, die wie Bäume im Park zu dem von einem Blätterdach inspirierten Himmel wachsen, und sich von zwei 43-Zoll-Bildschirmen informieren oder unterhalten lassen, sitzt der Fahrer vorn in einem radikal reduzierten Cockpit, legt die Hände in den Schoß, hält die Füße still und lässt die Arbeit vom CityPilot machen. Das System basiert auf dem HighwayPilot, den Mercedes vor zwei Jahren in einem Actros-Prototypen vorgestellt hat und mittlerweile auch auf der deutschen Autobahn erprobt. Allerdings hat Kollege Computer schon wieder dazu gelernt, kann jetzt auch Fußgänger und andere Hindernisse erkennen, sich mit den Ampeln vernetzen und seine Umgebung so präzise erfassen, dass er auf den Zentimeter genau an die Haltestelle fährt. Dafür nutzt der von einem 299 PS starken Diesel angetriebene Bus auf Basis des Citaro, der auch mit Erdgas-Turbine oder ab 2018 elektrisch fahren könnte, zehn Kameras und zahlreiche Radarsensoren, die ihn bei der Spurführung unterstützen. Er wählt sein Tempo so, dass er möglichst lange auf der Grünen Welle schwimmt, bleibt bis auf 20 Zentimeter genau auf der Mitte seiner Fahrspur und hält immer mit exakt fünf Zentimetern Abstand zur Bordsteinkante, so dass man durch die beiden in die Mitte gerückten Türen mit elektronisch gesteuerter Einbahnregelung bequem einsteigen kann, ohne dass im Gegenzug die Reifen leiden.

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Mercedes Future Bus stellt sich schon heute dem Alltag

Zwar haben die Schwaben all das schon seit Wochen und Monaten auf abgesperrten Testgeländen erprobt. Doch erst jetzt bekommt der Mercedes Future Bus seine Feuertaufe im echten Leben: Zwei Monate vor der Publikumspremiere auf der Hannoveraner Nutzfahrzeug-IAA 2016 (22. bis 29. September) geht er in Holland Testweise in den Liniendienst. Auf der Linie 300 zwischen dem Amsterdamer Flughafen Schiphol und der Stadt Haarlem muss sich die Theorie auf einem 20 Kilometer langen Abschnitt auch in der Praxis beweisen. Mit bis zu 70 km/h chauffiert der City-Pilot den futuristischen Riesen deshalb über Schnellstraßen und Ortsdurchfahrten, über Ampelkreuzungen und Brücken und traut sich sogar in ein paar Tunnel ohne GPS-Signal. Während der Computer dabei Höchstleistungen erbringt, ist zwar weiterhin die Aufmerksamkeit des Fahrers gefordert, weil er immer die letzte Instanz ist und im Notfall eingreifen muss. Denn mit Rücksicht auf die nicht angeschnallten oder stehenden Passagiere verweigert die Elektronik zum Beispiel eine Vollbremsung. Doch solange alles nach Plan läuft, ist auch er nur ein besserer Passagier, der nicht einmal mehr Fahrscheine verkaufen oder kontrollieren muss. Das Ticket für das Space Shuttle auf Rädern löst man schließlich online, hat es auf dem Smartphone und sendet es automatisch an den Bus. Das sollten doch Aussichten sein, die selbst dem mürrischsten Busfahrer ein Lächeln entlocken.

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Thomas Geiger