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Faraday FFZERO1 Concept: CES 2016

Hypersportler mit 1000 PS

Faraday Future verspricht im Rahmen der CES 2016 (6. bis 9. Januar) nicht weniger als eine Revolution der Auto-Welt. Aber kann das mit dem 1000 PS-Concept FF Zero1 wirklich klappen?

Ein neuer Name elektrisiert die PS-Branche auf der CES 2016 (6. bis 9. Januar): Faraday Future zeigt in Las Vegas das Showcar FFZero1 und ist angetreten, um das Auto und mit ihm die Mobilität neu zu erfinden – sagt zumindest Entwicklungschef Nick Sampson und hat mit seiner Vision vom elektrischen und weitgehend autonomen Wagen mit innovativen Nutzungs- und Bezahlmodellen in den letzten Monaten reichlich Aufmerksamkeit erzielt. Zwar haben es Sampson und das vor 18 Monaten mit chinesischem Geld im Silicon Valley gegründete Start-Up bei Andeutungen belassen. Doch spätestens seit durchgesickert ist, dass hinter dem Projekt der chinesische Internet-Milliardär Jia Yueting und das Netflix-Pendant LeTV stecken, seit das Milliardenprojekt einer Produktion in Nevada verkündet ist und immer mehr Spitzenkräfte von BMW, Tesla, Apple oder Boeing bei dem Newcomer anheuern, ist Faraday Future in aller Munde. Kein Wunder also, dass die Aufmerksamkeit groß war, als sich Sampson und sein Team am Montag Nacht kurz vor der Consumer Electronics Show in Las Vegas zum ersten Mal aus der Deckung gewagt und ihren Einstand im PS-Zirkus gegeben haben. Doch ebenso groß wie die Neugier war, war die Enttäuschung bei den rund 300 Gästen in dem luftigen Zelt auf einem Parkplatz gegenüber dem Luxor-Hotel. Denn auch nach der rund einstündigen Show gab es mehr Fragen als Antworten und viel konkreter als beim Vorgeplänkel ist Sampson nicht geworden.

Revolutioniert der Faraday Zero1 mit 1000 PS die Auto-Welt?

Wann die Autos kommen sollen, wie weit sie mit einer Akkuladung fahren, was sie kosten werden und wie das innovative Vermarktungskonzept, das Nutzung über Eigentum stellt, aussehen soll – all das ließ Faraday Future weiter offen. Wie es sich für Las Vegas gehört, hat der Newcomer stattdessen ein faszinierendes Traumbild gemalt, das mit der Wirklichkeit so gar nichts zu tun hat: Statt eines auch nur vagen Ausblicks auf das Serienmodell haben Sampson und sein vom BMW i3 abgeworbener Designchef Richard Kim deshalb einen Supersportwagen aus dem Hut gezaubert, der auch als neues Batmobil oder als Bugatti für die Play-Station durchgehen würde. Mit vier E-Motoren über 1000 PS stark, in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 und mehr als 330 km/h schnell soll er zur Image-Rakete werden, die Designsprache mit der markant beleuchteten Ufo-Linie als Wesensmerkmal aller künftigen Faraday-Fahrzeuge einführen und die Konkurrenz im Silicon Valley und in Sindelfingen gleichermaßen das Fürchten lehren. Nimmt man die Gesichter der hochrangigen BMW-Manager, die sich als Zaungäste unters Premierenpublikum gemischt haben, zum Maßstab, ist ihnen das zumindest bei der Premiere in Las Vegas nicht gelungen. Wie auch, mit einem Konzept, das so fern alles Machbaren, dass man es auf Anhieb als inhaltsleeren Bluff enttarnt, wie es ihnen in der Spielermetropole an jedem Pokertisch gibt?

Bildergalerie starten: Faraday Future Zero1 auf der CES 2016

Klar sieht der Faraday Future FFZero1 genannte Tiefflieger spektakulär aus und das blütenweiße Innenleben des Monoposto ist mit seinem Nasa-Sessel, dem Smartphone im Lenkrad und den vielen Displays im Cockpit ein Traum für jeden Rennfahrer aus der Generation der Digital Natives. Doch was die Amerikaner tatsächlich auf der Hand haben, ist lange nicht so innovativ, wie sie gerne tun möchten.Ihre Variable Platform Architecture sieht aus, als wäre sie eine Kopie des Modularen Querbaukastens aus dem VW-Konzern. Dass man den flachen Akku im Wagenboden kürzen, so den Radstand und mit ihm das Format des Fahrzeugs verändern kann, ist auch nichts Neues. Und dass die Architektur gleichermaßen für Front-, Heck- oder Allradantrieb taugt und mit einem bis vier Motoren bestückt werden kann, kennt man auch schon von anderen Konzepten. Da müsste Sampson schon ein paar andere Trümpfe zücken und etwas zur Vernetzung, zum autonomen Fahren oder eben zum Nutzungsmodell verraten, wenn er wirklich beindrucken wollte. Doch diesen Stich hebt sich Faraday in bester Zockermanier für die nächste Runde auf.

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Stattdessen teilt der Entwicklungschef lieber noch ein bisschen aus und geißelt die etablierten Autohersteller als lahme Dinosaurier. "Wenn die Consumer Elektronik in diesem Tempo gearbeitet hätte, würden wir heute noch mit Klapphandys von Motorola texten", ätzt er nach Detroit oder München. Und bei allem Lob für den Pionier Elon Musk hält er selbst Tesla für zu langsam. Die Firma habe fünf Jahre gebraucht, bis sie einen umgebauten Lotus als Tesla Roadster auf den Markt gebracht habe, nach sieben Jahren hatte Tesla 600 Mitarbeiter und nach neun Jahren kam das erste eigene Auto aus einer eigenen Fabrik, zählt Sampson auf. "Wir haben nach 18 Monaten bereits 750 Mitarbeiter und werden weniger als zwei Jahre nach der Gründung den Grundstein für unsere Fabrik hier in Las Vegas legen.“ Dabei geht es Sampson nicht einfach darum, ein neues Auto zu entwickeln. Sondern er will es gleich ganz neu erfinden.  Dass seiner Company dafür die Erfahrung fehlen könnte, lässt er nicht gelten. „Denn man braucht keine 100 Jahre Tradition, wenn man die Zukunft gestalten will", sagt er und vergleicht Faraday mit Apple: "Apple hat quasi aus dem nichts heraus mit dem iPhone nicht nur ein neues Handy auf den Markt gebracht, sondern das Telefon neu erfunden", sagte Sampson. "Das ist es, was wir mit der Mobilität tun wollen."

Zwar vergleicht sich Sampson lieber mit Google statt General Motors oder mit Apple statt Audi und legt wert auf ein rasendes Tempo. Und selbstverständlich ist es eindrucksvoll, was die Amerikaner in den letzten 18 Monaten bis hin zu dem elektrischen Batmobil aus Las Vegas auf dem Boden gestampft haben. Doch auch der selbsterklärte Innovationsführer und Schrittmacher der Branche kann nicht zaubern – und Sampson muss jetzt erst einmal auf die Bremse treten. Denn ein paar Jahre werde es schon noch dauern, bis die Autos von Faraday Future die Welt ein kleines bisschen besser machen, muss der Entwicklungschef einräumen.

Thomas Geiger