Konnektivität: Das Smartphone wird zum Auto-Schlüssel Schlüsselerlebnis

27.09.2014

Nie mehr den Autoschlüssel suchen: Künftig können wir per Smartphone den Wagen öffnen und starten. Vorboten sind jetzt schon Auto-Infos auf dem Handy

Es ist immer das Gleiche: Hände und Taschen sind voll bepackt, aber der klobige Autoschlüssel ist schon wieder verschwunden. Erst wenn auch die letzte Hosentasche umgekrempelt ist und sich der übliche Kleinkram auf dem Autodach stapelt, taucht der Schlüssel überraschend doch noch auf. Diesen Ärger werden wir uns in naher Zukunft sparen können – denn Autohersteller und Zulieferer wollen das Handy per App zum Türöffner machen.

 

Konnektivität: Das Smartphone als Autoschlüssel

Herzstück der Systeme, an denen etwa Continental oder Delphi arbeiten, ist der sogenannte NFC-Chip (Nearfield Communication), mit dem der digitale Schlüssel sensible Daten zwischen Auto und Smartphone  tauscht. Dazu wird ein verschlüsselter und fälschungssicherer Datensatz, den nur die SIM-Karte des persönlichen Telefons und das betreffende Auto kennen, abgeglichen. Diese Authentifizierung funktioniert aber nur über eine kurze Distanz von einigen Zentimetern. So sollen sich Hackerangriffe und das Ausspähen von sensiblen persönlichen Daten verhindern lassen. Der Fahrer muss also das Smartphone direkt ans Türschloss, in dem sich der Empfänger befindet, halten.

Ein weiterer Baustein im Wageninneren verifiziert den digitalen Schlüssel, bevor die Freigabe zum Anlassen des Motors erfolgt. Das Ganze soll sogar schwerer  zu knacken sein als heute übliche Autoschlüssel. Das glauben auch die Vorausentwickler der Autoindustrie, etwa bei Hyundai. Doch noch ist die NFC-Technik nur in wenigen Handy-Modellen – zum Beispiel LG, Nokia, HTC und Samsung – zu haben. Deshalb setzen Premium-Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes, Jaguar und Volvo vorerst auf einen weiteren interessanten Einsatz: die Informations-Übertragung vom Auto aufs Handy.

Mercedes führte beim neuen C-Klasse T-Modell das Service-Paket „connect me“ ein. Damit kann der Fahrer jederzeit, etwa über das Smartphone, abfragen, wie voll der Tank ist und die Standheizung programmieren. Das Handy ist auch in der Lage, die Position des geparkten Fahrzeugs zu ermitteln – falls der Fahrer sie vergessen hat – und ihn dann via Fußgänger-Navigation dorthin zu lotsen.

Ab Ende des Jahres soll zudem das Öffnen und die Fernschließung möglich sein, um das Auto aus der Ferne online zu verriegeln. Erfahrung haben damit bereits BMW-Besitzer, die die My BMW Remote App auf ihrem iPhone oder Android-Smartphone nutzen. Diese erlaubt das Ver- und Entriegeln der Türen, schließt Fenster und Schiebedach, bedient die Klimaanlage und betätigt sogar Horn sowie Lichthupe – so kann der Fahrer sein Auto auf einem großen Parkplatz leichter wiederfinden. Diese Funktion steht nur innerhalb eines Umkreises von 1,5 Kilometern zur Verfügung, um ungewollte Fehlbedienungen zu minimieren.

Volvo-Fahrer sollen künftig mit der On Call-App via iPhone, Android- und Windows-Handys sogar auf die eigenen Autodaten zugreifen können. So lässt sich etwa per Finger-Tipp der Status diverser Fahrzeugdaten überprüfen. Und Audi bietet eine Handy-App für den A3 e-tron an, die die verbleibende Energiereserve und die mögliche Reichweite anzeigt. Solche Kommunikations-Systeme ermöglichen auch eine Fernortung.

Was den Beigeschmack der totalen Überwachung hat, kann im Ernstfall von Nutzen sein: Der Fahrzeugbesitzer erfährt in Echtzeit, wenn sein Auto  aufgebrochen  oder  gestohlen wird. Per Satellitenortung lassen sich auf dem Smartphone Position und Fahrtrichtung anzeigen. Das kann der Polizei bei der Wiederbeschaffung sehr helfen. Und es gibt noch weitere Vorteile: Das Smartphone trägt man sowieso stets bei sich, und es ist zudem preiswerter als ein Auto-Ersatzschlüssel.

Wer hat was?

Audi: Connect-Services-App
Für den Plug-in-Hybrid Audi A3 e-tron gibt es eine App, die über Batterie-Ladezustand und Reichweite informiert

BMW: My BMW Remote App
Per iPhone und Android-Handy lassen sich Türen aus der Ferne ver- und entriegeln sowie Fahrzeug-Infos abrufen

Hyundai: Connectivity Concept
In einer Kooperations-Studie mit LG nutzt Hyundai ein Smartphone als Autoschlüssel über die sichere NFC-Technik

Jaguar: Incontrol Remote
iOS- und Android-Smartphones dienen zum Öffnen der Türen und Starten des Motors sowie als GPS-Fahrzeugortung

Mercedes: Mercedes Connect Me
Zu diesem App-basierten Dienst gehören Tele-Fern-Diagnose, Fahrzeugortung sowie Tür- und Fensterschließung

Volvo: Volvo On Call
Über iOS-, Android -oder Windows-Phones lassen sich z.B. Türen aus der Ferne verriegeln und die Standheizung bedienen

So teuer sind Autoschlüssel:
Geht ein Autoschlüssel verloren, erleidet er einen Wasserschaden oder wird durch Sturz oder übermäßige Hitze zerstört, dann ist Ersatz teuer. Hier ein paar Beispiele

Marke
 Modell Preis
Aston Martin
Vantage
 708 Euro
 Audi  A8  169 Euro
 Bentley  Continental Flying Spur  570 Euro
 BMW  7er  247  Euro
 Ferrari  California  500 Euro
 Lexus  LS 600h  498 Euro
 Mercedes-Benz  S-Klasse  247 Euro
 Porsche  911 Carrera  260 Euro
 Renault  Espace  188 Euro
 Renault  Clio  172 Euro
 Volvo  XC 60  141 Euro

Holger Ippen

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