Multimedia: Konnektivität im Auto der Zukunft Digitale Revolution

25.05.2014

Die Zukunft des Autos hat längst begonnen. Internet, Datendienste, digitale Displays gehören bald zum automobilen Alltag. Wir verraten, was die Hersteller planen

Moderne Autos werden mit Informationen aus dem Internet versorgt. Sie senden aber auch Daten in die Cloud und zu anderen Fahrzeugen. So gelingt es ihnen sogar, „um die Ecke“ zu blicken und Gefahren frühzeitig zu erkennen. Neue Netzwerke gestatten zudem die Kommunikation der Fahrzeuginsassen mit ihrer Umwelt sowie des Fahrzeugs mit dem Internet – etwa um E-Mails, Nachrichten, Musik-on-Demand oder Navi-Infos abzurufen. Bei der Kommunikation der Autos untereinander lassen sich Warnfunktionen zielgerichtet übermitteln (z.B. Glatteis oder Stau hinter einer Kurve) oder Kreuzungen sicherer machen, indem Autos frühzeitig über den Querverkehr Bescheid wissen.

 

Konnektivität im Auto der Zukunft: mobile Info-Zentralen

Immer neue Datenströme sorgen für zusätzlichen Informationsaustausch, zum Beispiel zwischen Ampel und Auto (Verkehrsfluss), Werkstatt und Auto (Service) oder Netzanbieter und Auto (Unterhaltung, Bezahlmodelle für Maut, Versicherung und mehr). Die Ausstattung und der Funktionsumfang künftiger Autos wandeln sich dramatisch. Auf die Hersteller kommen zusätzliche Aufgaben zu: Neben den herkömmlichen Kernkompetenzen wie Motoren und Getriebe entwickeln, Karosserien formen und lackieren gilt es, die jeweils aktuelle Informationstechnik zu integrieren.

Diese muss allerdings Auto-gerecht sein. Multimedia-Elektronik darf nicht ablenken, und Hardware sollte auch bei Temperaturschwankungen, Luftfeuchte und Erschütterungen nicht ausfallen. Deshalb lässt sich nicht alles aus der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik 1 : 1 ins Fahrzeug integrieren. Trotzdem: „Der Kunde will im Auto haben, woran er im täglichen Leben gewohnt ist“, weiß auch Mercedes Technik-Chef Thomas Weber. Die Software für Autofahrer muss also deutlich mehr können: Spracheingabe und „Text to speech“ (Vorlesefunktion) beherrschen, schnell erfassbar sein und sich künftig auch per Gestensteuerung bedienen lassen.

Audi führte bereits bei der letzten A8-Generation die Eingabe über eine kleine Touch-Fläche auf der Mittelkonsole  ein. Inzwischen kann man auch bei weiteren Modellen, etwa  im A3, Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen per Fingerwisch auf  der berührungsempfindlichen Oberfläche am Dreh-Drücksteller eingeben. Bei den neuen Mercedes-Modellen (S-, C- und V-Klasse) lässt sich die Wahl von Navi-Zielen und Telefon-Kontakten via Ein- und Mehrfingergesten realisieren. Auch Opel-Fahrer können bereits per „IntelliLink“ via Touchpad-Bedienung Reiserouten programmieren. Besonderheit: Jede erfolgreiche Fingerbewegung quittiert das System mit einem leichten Gegendruck als spürbare Rückmeldung. So bleibt der Blick auf der Straße und muss nicht unbedingt Richtung Monitor wandern.

BMW liegt bei der Sprachverarbeitung im automobilen Multimedia-Bereich in Führung. Bereits heute können Sonderziele durch das gesprochene Wort im Internet identifiziert und zum Beispiel als Navigationsziel direkt verwendet werden. Hier stützt sich BMW teilweise auf das ausgeklügelte System Siri von Apple. Herkömmliche Schalter mit haptischer Rückmeldung soll es jedoch bei den Münchnern nach wie vor geben, ebenso Kombi-Instrumente mit Chromrahmen und echten Zeigern.

BMW will die Display-Technologie zusätzlich nutzen, um Infos leicht erfassbar zu machen. Bereits heute zeigt die digitale Version des Kombi-Instruments im BMW 7er eine Übertretung des Tempolimits als roten Bereich direkt im Tacho an. Ein weiteres Beispiel ist die lupenähnliche Vergrößerung der Geschwindigkeit an der Zeigerposition dank TFT-Technologie. Auch Head-up-Displays sind auf dem Vormarsch und halten künftig bei Mercedes-Modellen Einzug. Bei BMW ist bereits die nächste Stufe in Vorbereitung: Helles Laserlicht und eine großflächige Projektion sollen Navi-Hinweise durch sogenannte Fahrschläuche, also breite Pfeile, direkt auf der empfohlenen Fahrspur verständlicher machen.

Beim künftigen Audi TT wird es bereits ein „Virtual Cockpit“ geben. Es bietet zwei Anzeige-Modi: die klassische Ansicht mit großen, digitalen Rundinstrumenten oder der Infotainment-Modus, in dem die verkleinerten Anzeigen für Tacho und Drehzahl in die äußeren Ecken rücken. So entsteht Platz für einen breiten Kartenausschnitt zur leichteren Orientierung.

Im brandneuen Cadillac CTS bietet der große TFT-Monitor vor dem Fahrer gleich drei unterschiedliche Anzeige-Kombinationen mit vielen frei wählbaren Belegungen – ganz nach dem persönlichen Geschmack. Zulieferer wie Bosch, Continental und Visteon wiederum liegen mit der Entwicklung von vernetzter Cockpit-Elektronik vorn. Bei der Umsetzung innovativer Konzepte arbeiten die Autoentwickler häufig mit Spezialisten anderer  Bereiche  zusammen.  Dabei kommen sowohl die großen Firmen aus dem Silicon Valley à la Google, Apple, Facebook & Co. sowie Start-Ups und Technologiepartner der Universitäten ins Spiel.

Erst kürzlich schlossen Mercedes, Volvo und Ferrari mit Apple einen Vertrag zur Nutzung der Software-Plattform CarPlay. Und Google will  bald  (z.B. mit Audi, GM und Honda) Ähnliches für die Android-Plattform anbieten. Damit setzt sich das Wetteifern der Internet-Firmen bei den Handy- und Info-Plattformen im vernetzten Auto fort. Der Vorteil für den Nutzer ist deutlich: schnelle und leichte Bedienung mit bekannten Apps. Und: Die Vorteile der Datentechnik bleiben nicht nur den Käufern teurer Premium-Autos vorbehalten. Moderne Kleinwagen – wie der Toyota Aygo – haben serienmäßig ein großes 7-Zoll-Touchdisplay.  Es  spiegelt  ausgewählte Apps  vom  Smartphone  ins  Auto und dient als preiswerte Musik-Box, Web-Portal, Freisprech-Telefon, Rückfahrkamera und Navigationsgerät. Um all die riesigen Datenmengen künftiger Autos beherrschen zu können, bedarf  es  einer  schnellen Datenübertragung und leistungsfähiger Prozessoren.

Dazu setzen alle  Fahrzeughersteller auf LTE-Technik  (Long Term  Evolution) für die „ruckelfreie“ Breitband-Kommunikation. Im Fahrzeug ermöglichen bei einigen Herstellern, etwa bei Audi, BMW, Lexus, Porsche und Mercedes, bereits WLAN-Router das gleichzeitige Nutzen mehrerer Tablets, Laptops oder Smartphones. Toyota bietet zudem eine preiswerte WLAN-Nachrüstbox an. Bei den Halbleiter-Herstellern entwickeln besonders Chip-Spezialist Nvidia, IBM und künftig Intel leistungsfähige Prozessoren für den Einsatz im Auto. Diese sollen in der Lage sein, große  Datenmengen so zu verarbeiten, dass sich unterschiedlichste Infos in Echtzeit analysieren lassen – eine wichtige Voraussetzung für das automatisierte Fahren. An dieser Technik tüfteln fast alle Hersteller.

Audi, BMW, Mercedes, Nissan und Volvo lassen Entwicklungsfahrzeuge bereits auf öffentlichen Straßen rollen. Mit dem sogenannten teilautomatisierten Fahren bekommt der Fahrer ein Assistenzsystem zur Seite gestellt, das ihn bei anstrengenden Fahrten und Manövern (Stop-and-go-Verkehr, Spurwechsel, Überholen, Parkhausfahrten und Einparken) durch Gasgeben, Bremsen und Lenken unterstützen soll. Hier sind die Zulieferer Bosch,  Conti  und Valeo  besonders  aktiv. Bei eigenen Probefahrten überzeugte bisher ein Prototyp der E-Klasse am meisten. Er ist auch bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit autonom unterwegs und setzt sogar zum Überholen den Blinker von selbst. Alles nur Zukunfts-Vision? Nein, wie VW-Chef Martin Winterkorn betont: „Schon  jetzt besteht das Auto zum großen Teil aus Bits und Bytes.“

Holger Ippen

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