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Premiere beim Concorso d'Eleganza: BMW 328 Kamm Coupé

Auferstehung einer Legende

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Ohne Pläne ließ BMW das 328 Kamm Coupé wieder aufbauen. Nach 70 Jahren soll das Einzelstück zum zweiten Mal seinen ersten Einsatz bei der Mille Miglia fahren

Nach 57 Jahren gibt es wieder ein BMW 328 Kamm Coupé. Es ist allerdings nicht das Original, denn das wurde 1953 nach einem Unfall verschrottet. BMW ließ das Mille Miglia-Fahrzeug komplett neu aufbauen. Zur Verfügung standen jede Menge Fotos, doch keine Konstruktionsunterlagen. Diese waren verloren gegangen

BMW hatte die fünf Mille-Miglia-Autos 1940 auf dem Land versteckt, sie überstanden den Krieg ohne Blessuren. Allerdings gingen alle Autos in der Nachkriegszeit verloren: Drei Roadster gingen nach Russland, Amerika und England. Das Touring Coupé nahm ein BMW-Mitarbeiter bei seiner Auswanderung mit die USA.

Das Kamm Coupé blieb zunächst in Deutschland, der ehemalige Rennleiter Ernst Loof hatte es sich  gesichert. Loof baute inzwischen selbst Autos, die Veritas-Rennsportwagen und musste seinen inzwischen privat genutzten 328 aus Finanznot verkaufen. Der neue Besitzer hatte mit dem ehemaligen Mille Miglia Auto Anfang der Fünfziger-Jahre einen Unfall, nach dem es verschrottet wurde.

Gut vierzig Jahre später gründete BMW die „Mobile Tradition“ und begann, seine Geschichte aufzuarbeiten. Schnell gab es den Plan, auch das 328 Kamm Coupé nachzubauen. Denn das Auto ist durch die Teilnahme an der Mille Miglia Teil der Motorsportgeschichte. Und zudem wurde das Coupé nach dem Aerodynamik-Pionier Wunibald Kamm benannt – durch Name und Form ist es also auch Teil der Geschichte der Aerodynamik.

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Einzig, die Konstruktionsunterlagen fehlten und auch Fotos gab es nur wenige. Die konnten jedoch nach einiger Zeit mit Hilfe eines Privatsammlers aufgetrieben werden. Computerspezialisten in der Designabteilung scannten die aussagekräftigsten Aufnahmen und rechneten sie für ein 3D-Geometrieprogramm um. Dann fütterten sie das Programm mit den einzig sicheren Daten des Coupés wie Größe der Scheinwerfer, Türgriffe, Flügelmuttern, Winker und BMW-Embleme. Mit der Zeit verdichteten sich die Informationen so weit, dass ein virtuelles Modell feststand. Mit diesen Daten wurde eine Fräsmaschine gefüttert, die ein 1:1-Modell aus einem Schaumblock herausfräste.

Ein Restaurator bekam dann die Aufgabe, ein originales Chassis um 20 Zentimeter zu verlängern und einen Stahl-Gitterrohrrahmen nach den Fotovorlagen zu bauen. Dass es zum Schluss doch ein Aluminiumrahmen wurde, ist dem neuen BMW-Museum geschuldet. Dort entstand die Idee, eine genaue Kopie des ursprünglichen Rahmens zu bauen und in der Ausstellung  zu zeigen. Ein Spezialist aus dem Münchner Umland machte sich an die Aufgabe, wählte allerdings statt des ursprünglich verwendeten Elektrons reines Aluminium.

Als Meisterschüler des BMW-Werks in Leipzig während eines Projekts mit Hilfe des Schaummodels Karosseriebleche formten und ein Modell in Originalgröße bauten, war die Idee ihrer Realwerdung schon viel näher gekommen. Man wird sich in München ernsthaft gefragt haben: „Wie wäre es, nach 70 Jahren wieder die Mille Miglia zu fahren – mit einem Kamm Coupé?“ Es sollte also wieder ein Kamm Coupé geben. Den Zusammenbau der Einzelteile musste ein ausgewiesener Profi übernehmen.

Mit der Restauration des 328 Touring Coupé und des Mille Miglia Roadster hatte sich René Große aus Wusterwitz in Brandenburg bereits eine Expertise erarbeitet. Er passte die Rohre des Rahmens in eine eigens angefertigte Gfk-Form ein. Die Meisterschüler aus Leipzig bauten einen zweiten Satz Bleche für die Außenhaut, auch die inneren Bleche wie Spritzwand, Armaturenbrett und Tank wurden neu angefertigt. Details wie Türscharniere und Haubenscharniere hatte sich BMW patentieren lassen, so dass hiervon Konstruktionszeichnungen existierten. In zahlreichen Details unterschied sich das Kamm Coupé von anderen 328. Zum Beispiel sind Motor, Kühler und Getriebe nach hinten versetzt und die Hinterachse modifiziert.

Im März 2010 war das Coupé fertig und wurde an BMW Classic übergeben. Der erste Termin für das Einzelstück ist der Concorso d’Eleganza im Garten der Villa d’Este am Comer See. Zwei Wochen später fährt das Kamm Coupé zum zweiten Mal seinen ersten Einsatz bei der Mille Miglia – dieses Mal bei der historischen Variante.
Andreas Of