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Seat Leon ST Cupra 280: Unterwegs auf Mallorca

Der wahre Ballermann

Seat Leon ST Cupra 280
Technische Daten

MotorVierzylinder, Turbo
Hubraum1.984 cm³
Leistung206 kW / 280 PS bei 5.600/min
Max. Drehmoment350 Nm bei 1.700/min
Getriebe6-Gang, manuell
AntriebVorderrad
L / B / H4.543 / 1.816 / 1.431 mm
Radstand2.631 mm
Leergewicht1.440 kg
Kofferraumvolumen587 - 1.470 l
Tankinhalt50 l
Fahrleistungen0-100 km/h in 6,1 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
EU-Verbrauch6,8 l/100 km
CO2-Ausstoß158 g/km
Grundpreis34.250 €

3.200 Meter über fünf Links- und acht Rechtskurven läuft der einzige Rundkurs der Insel, Meerblick inklusive – falls man mal Zeit zum Gucken hat. Also: Cupra-Modus wieder an und ESP aus - pardon, fast aus, denn ganz  lässt sich das System nicht deaktivieren. Angesichts der Tatsache, dass man hier aber ja eigentlich in einem kompakten Familienkombi sitzt, ist diese Form der Bevormundung völlig in Ordnung. Auf der Strecke bestätigt unser Seat Leon Cupra ST dann all die Nürburgring-Geschichten und Werbeparolen: er hat nicht nur Kraft, sondern weiß diese auch einzusetzen.

Seat Leon ST Cupra 280: Differenzialsperre und Semi-Slicks

Die Differenzialsperre verhindert in engeren Kurven effektiv ein Schieben über die Vorderräder und verteilt jeweils mehr Drehmoment auf das kurvenäußere Rad. So wird der Cupra praktisch durch die Kehren gezogen – zumindest, wenn die Straße trocken ist. Doch darüber muss man sich hier auf der Insel nun wirklich keine Gedanken machen.  Runde um Runde arbeiten wir uns also über den staubigen Circuito, lassen uns mit Vollgas an den Rand der beiden Hochgeschwindigkeitskurven tragen und freuen uns vor den Schikanen über die anhaltende Verbindlichkeit der standfesten Bremsanlage.

Besonders das serienmäßige Schaltgetriebe passt mit seiner knackigen Abstimmung besonders gut zum Gesamtbild. Die 1.700 Euro Aufpreis für das Sechsgang-DSG kann man jedenfalls getrost für andere Dinge ausgeben – etwa einen Mallorca-Urlaub, um mal das Beispiel zu nennen, das uns hier zuerst einfällt. Auch die Wahl der Reifen sollte sehr genau überlegt sein: Michelin Pilot Sport Cup 2 Semi-Slicks sind im „Performance-Paket“ mit einer verstärkten Brembo-Bremse erhätlich – durchaus attraktiv auf der Rennstrecke, eher problematisch im (nassen) Alltagsbetrieb. 

Als schließlich das Streckenpersonal im coolen Käfer Strandbuggy dem Feierabend entgegenfiebert und der Meerblick in der ersten Kurve von einem imposanten Sonnenuntergang ergänzt wird, geben wir das Steuer noch für eine letzte schnelle Runde dem Rennfahrer Sebastian Stahl in die Hand (siehe Video) und brechen dann auf in Richtung Hotel. Schön brav im Komfort-Modus. So als wäre nichts gewesen.

Am nächsten Morgen steht dann vor dem Rück- noch ein kurzer Ausflug an. Santuari de Cura lautet unser Ziel, das uns ein Ortskundiger am Frühstückstisch empfehlend zuraunt: ein altes Kloster auf dem 543 Meter hohen Berg Puig de Randa. Klingt, als wäre hier für Auto und Fahrer etwas dabei.

Bis zum Dorf Randa am Fuße des weit sichtbaren Bergmassivs, das sich mitten aus der mallorquinischen Tiefebene erhebt, lassen wir uns bequem per Navi führen. Dann folgen fünf Kilometer steile Serpentinen, gespickt mit kaum einsehbaren Kurven und Rennradlern (auch schon morgens um neun). Vorsichtig durch die Spitzkehren tasten, Vollgas auf den Geraden. Hier zeigt sich beeindruckend die Leistungsbereitschaft, mit der der Vierzylinder zur Sache geht und als Kombi mit DSG in sechs Sekunden auf (deutsches) Landstraßentempo beschleunigt.

Zwischen dem Kloster aus dem 13. Jahrhundert und der etwas neueren Radar-Anlage nebenan, halten wir für ein paar Bilder am Straßenrand. Alor Blau heißt die Farbe unseres Fotoautos, ergänzt durch das „Black-Line“-Exterieurpaket. Zu dezent? Wer optisch etwas mehr auf den Putz hauen möchte, kann auch grell orange Zierteile ordern – samt passend lackierter 19 Zöller. 

Kurz bevor der Wecker mahnend zurück zum Flughafen bittet, gönnen wir uns am Kloster einen Moment Stille. Die erkundungsfreudigen Touristen haben es an diesem Morgen noch nicht bis zum Kloster geschafft, eine angenehm laue Brise weht vom Meer herüber. Braucht der Cupra wirklich diesen Sound-Generator? Künstlicher Klang, quasi „aus der Büchse“? Wir finden: ja. Besonders an einem Ort wie dem Kloster Cura reicht es doch eigentlich, wenn man stumm im Innenraum genießt. Lärm gibt es schließlich genug, etwa am Flughafen, wo auch heute wieder die Erholungsbedürftigen nach Urlaub suchen. Wir haben ihn gefunden: Den wahren Ballermann.

Jonas Eling