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Fahrbericht VW Touran 2015: Ein Van wächst über sich hinaus

Wolfsburger Raum-Riese

Fahrbericht: Der neue VW Touran 2015 hat rundum zugelegt und ist trotzdem leichter geworden. Kann der Van aus Wolfsburg so über sich hinauswachsen?

Morgens, halb zehn in Wolfsburg, WOB-TO 108 steht bereit – mit Zweiliter-Diesel, 150 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe, Top-Ausstattung Highline. Vor ein paar Wochen rollte er als einer der ersten neuen Touran aus dem Werkstor der Volkswagen-Stadt, heute steht die erste kritische Fahrprobe an. Nach zwölf Jahren Bauzeit und zwei umfangreichen Modellpflegen ist das also die zweite, komplett neue Touran-Generation.

Fahrbericht VW Touran 2015: Raum-Riese aus Wolfsburg

Unter der Blech-Kunststoff-Haut steckt nun auch die „Modulare Querbaukasten“ (MQB) genannte Basis für alle Kompaktklässler des Volkswagen-Konzerns. Im Vergleich zum Vorgänger hat der Neue 54 Kilo abgespeckt, trotzdem ist er 13 Zentimeter länger, 3,5 Zentimeter breiter und 1,5 Zentimeter flacher als bisher. Dank quasi rechteckiger Karosserie-Form hinten fällt die Größe aber kaum auf, der Touran ist nach wie vor angenehm übersichtlich – mit großen Fensterflächen rundum. Nur an die lange Schnauze muss man sich gewöhnen. Allerdings ist bei der starken Selbstzünder-Version die Einparkhilfe vorn und hinten serienmäßig.

Erst knapp über 2200 km stehen auf dem Tacho, der Diesel klingt weich und läuft kultiviert. Nur bei niedertouriger Fahrweise im Teillastbereich entpuppt sich der Motor als Selbstzünder und wirkt ein wenig rau. Dass der Touran nicht bloß ein Kurzstrecken- und Urlaubsauto für die Familie ist, beweist er mit formidablem Federungskomfort (adaptive Dämpfer: 1035 Euro), guter Geräuschdämmung und genug Kraft, um auf der linken Autobahnspur mitzumischen. Tipp für alle, die wegen des Nachwuchses vom GTI auf den Touran umsteigen müssen: 18-Zöller ordern (755 Euro, nur für Highline) und Dämpferkennung auf Sport, dann macht der Van auch auf kurvigen Landstraßen Laune.

Wir suchen uns einen Parkplatz und nehmen den Innenraum unter die Lupe. VW-typisch hat auch der Touran Sitze, die nicht nur ordentlichen Seitenhalt und viel Langstreckenkomfort bieten, sondern die auch noch für quasi jede Körperfigur passen. Im Fond ist die Beinauflage allerdings etwas knapp bemessen. Die drei Sitze in der zweiten Reihe kann man nun nicht mehr ausbauen, dafür aber nach wie vor einzeln längs verschieben. Die Lehne lässt sich mehrstufig justieren und mit einem Handgriff zusammenfalten, sodass sich eine ebene Ladefläche ergibt.

Ist der Beifahrersitz umgeklappt (Serie ab Comfortline), transportiert der VW auch die extralangen Regale aus dem Möbelhaus (2,65 Meter Ladelänge). Und auch das Kofferraumvolumen fällt mit 834 bis 1980 Litern gigantisch aus – dass es beim Vorgänger in der Maximalstellung sogar noch neun Liter mehr waren, ist vernachlässigbar. Die Materialien im Touran wirken hochwertig und sehr solide verarbeitet – kein Knarzen, kein Quietschen, Klappern schon gar nicht. Lediglich der obere Teil der Fondtür-Innenverkleidung aus Hartplastik wirkt im Wolfsburger etwas billig.

Paul Englert
Fazit

Wieder ein Auto von VW, dem man objektiv kaum etwas vorwerfen kann. Ein wenig mehr Beinauflage hinten, CD-Player ab Werk und auch im Fond geschäumte Türverkleidungen – der Touran wäre perfekt.