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VW Passat GTE: Fahrbericht

Passat steht unter Strom

Als GTE legt VW denn Passat an die Leine. Wie schneidet der Plug-in-Hybrid im Fahrbericht ab?

Weil sich der Weltmarkt für Plug-In-Hybride bis 2018 auf knapp 900.000 Autos vervierfachen und bis 2022 sogar auf 3,3 Millionen steigen soll, bauen die Niedersachsen ihr Angebot zügig aus und stellen dem Golf GTE (Vergleich gegen den GTD) einen entsprechenden Passat zur Seite. Zum ersten Mal als Limousine und Avant erhältlich, ist der Bestseller mit Batterie und Steckdosenanschluss seit vergangenem Jahr in den Handel. Die Preise rangieren ganz oben in der Liste auf dem Niveau des 240 PS-Diesels und beginnen bei 44.250 Euro für die Limousine. Der VW Passat GTE Variant kostet glatte 1000 Euro mehr. Dafür gibt es allerdings auch zwei Autos in einem. Denn zum 1,4-Liter-Benziner mit 156 PS und 250 Nm bauen die Niedersachsen noch eine E-Maschine mit 115 PS und 300 Nm sowie einen Lithium-Ionen-Akku von 9,9 kWh ein. Wenn der binnen gut vier Stunden an der Steckdose oder während der Fahrt durch Rekuperation oder durch etwas mehr Power aus dem Benziner voll geladen ist, kann der Passat damit immerhin bis zu 50 Kilometer stromern. Zwar haben die Entwickler die Höchstgeschwindigkeit dafür auf 130 km/h beschränkt, doch muss man den E-Motor deshalb trotzdem nicht mit Samthandschuhen anfassen. Sondern man kann kräftig aufs Pedal treten und ordentlich beschleunigen und erst wenn man einen Kickdown macht, schaltet sich tatsächlich der Verbrenner zu.

Bildergalerie starten: VW Passat GTE

Baureihe VW Passat im Video:

 

VW Passat GTE: Limousine und Variant als Plug-in-Hybrid

Die große Stärke des Plug-In-Modells ist allerdings das Zusammenspiel beider Motoren. Nicht nur, weil der Sparer dann zum Sportler wird, mit einer Systemleistung von 218 PS und bis zu 400 Nm plötzlich zu einem heimlichen GTI wird und in 7,4 Sekunden von 0 auf 100 sprintet. Sondern weil er im Alltag wie ein ganz normales Auto fährt und bis auf die paar Liter Einbußen beim Kofferraumvolumen keinerlei Einschränkungen erfordert: Bei einem Aktionsradius von mehr als 1100 Kilometern muss niemand nach der Reichweite schauen und bei einem Spitzentempo von 225 km/h darf man es auch mal ein bisschen eilig haben. Nur zwei Illusionen darf man sich dabei trotzdem nicht hingeben. Weder die Reichweite noch der Verbrauch aus dem Prospekt sind in der Praxis auch nur ansatzweise zu erreichen: Die Alltagsreichweite wird wahrscheinlich eher bei 25 bis 35 Kilometern liegen und die 1,6 Liter aus dem realitätsfernen Normzyklus kann man schon mit einem schlanken Gasfuß spielend verdoppeln und verdreifachen. Aber auch damit ist der Passat im Öko-Ranking noch weit vorne.

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VW Passat GTE - Ladet der Hybride bald selbständig?

Außerdem gehen die Strategen in Wolfsburg davon aus, dass die meisten Kunden den Verbrenner zumindest theoretisch kaum mehr nutzen müssen. Denn alle Statistiken und Umfragen weisen eine durchschnittliche Tagesfahrleistung deutlich unter 50 Kilometern aus. Damit das aber auch in der Praxis so kommt, müssen sich die Forscher allerdings noch eine Lösung für das Laden überlegen. Denn so smart die neuen Abrechnungsmodelle und die Apps für die Steuerung mit dem Handy auch sein mögen, stehen dem regelmäßigen Steckdosenanschluss die menschliche Faulheit und die dünne Infrastruktur entgegen. Außerdem macht man sich schließlich nicht gerne die Finger schmutzig, wenn man auf dem nassen Garagenboden Strippen ziehen soll. Aber Abhilfe ist zumindest in Sicht. Denn in zwei aktuellen Forschungsprojekten demonstrieren die Niedersachsen gerade, wie eine Art Zapfroboter auch dicke und schwere Kabel eines Schnellladers ohne Zutun des Fahrers in die Buchse stöpseln kann und wie die Elektronik dem Kunden dabei auch noch das Parken abnimmt. Dann stellt man den Wagen nur noch vor einem Parkhaus ab kann schon zur Arbeit oder zum Essen gehen, während das Auto im autonomen Betrieb erst eine Induktionsplatte zum Laden ansteuert sich danach selbst einen freien Stellplatz sucht. Noch ist das zwar nur ein Forschungsprojekt, doch sind die Entwickler überzeugt, dass sie damit in fünf Jahren in Serie gehen können, sagt ein VW-Sprecher: Pünktlich zum Peak der Plug-In-Welle wäre das Laden dann endlich kein Thema mehr.

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Thomas Geiger