Toyota Yaris Hybrid 2012: Fahrbericht zum Hybrid-Kleinwagen

Hybrid zum Kampfpreis

Mit dem Yaris Hybrid hält der alternative Toyota-Antrieb auch im Kleinwagensegment Einzug. Wir sind den kleinen Japaner mit Doppelherz gefahren

Hybrid-Pionier Toyota läutet die nächste Runde ein: Mit dem Yaris Hybrid rollt der erste Vollhybrid im Kleinwagensegment an den Start. Seit 16. Juni steht der Japaner auch bei den deutschen Händlern. Der Clou: Dieses Flaggschiff der Yaris-Modellreihe ist mit 16.950 Euro nur zehn Euro teurer als der Benziner und sogar 1320 Euro günstiger als ein vergleichbarer Yaris Diesel.

Als Gegenwert bekommt man ein Auto mit ganz spezieller Antriebstechnologie, die Verbrauch und Emissionen verringern soll. Toyota verspricht einen Durchschnittsverbrauch von nur 3,5 l/100 km, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 79 g/km – ein Spitzenwert in dieser Fahrzeugklasse. Doch wie praxisrelevant das ist, wird ein späterer Verbrauchstest zeigen. Jetzt nur so viel: Nach unserer ersten rund 100 Kilometer langen Testrunde – die einer Überlandpartie glich – gab der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 5,2 l/100 km an.

Toyota Yaris Hybrid 2012: Zäher Vortrieb

Erfreulich: Trotz der aufwändigen Zusatztechnik müssen die Yaris-Insassen kaum Einschränkungen hinnehmen. Vier Personen finden auf dem bekannten Gestühl ausreichend Platz. Die Vordersitze sind recht gut ausgeformt und sportlich straff aufgepolstert. Das Gepäckabteil bietet mit 286 Liter Ladevolumen die klassenübliche Größe und lässt sich, wenn mal etwas Sperriges transportiert werden soll, durch Umlegen der geteilten Rücksitzlehne vergrößern. Die mögliche Zuladung variiert – je nach Ausstattung – zwischen 330 und 405 kg. Auch das geht völlig in Ordnung.

Möglich wurde das, weil bereits in der Konzeptionsphase des aktuellen Yaris eine Hybrid-Variante berücksichtigt wurde. Die Nickel-Metallhydrid-Batterie findet neben dem Benzintank unter der Rücksitzbank Platz. Bei Elektromotor, Getriebe, Leistungselektronik und Hybridbatterie hat Toyota kräftig Gewicht gespart. Gegenüber der vergleichbaren Hybrid-Technik im Auris bringt das Gesamtsystem hier mit 201 Kilogramm 42 kg weniger auf die Waage. Der überarbeitete 1,5-Liter-Benzinmotor hat nun eine wasser-gekühlte Abgasrückführung, eine elektrisch angetriebene Wasserpumpe und ein neues Einspritzsystem – das kommt ebenfalls dem niedrigen Emissionswert zugute.

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Gestartet wird per Knopfdruck. Zum Anfahren nutzt der Hybrid im Normalfall beide Motoren. Nur bei geringer Beschleunigung und wenig Last erfolgt der Antrieb allein über den Elektromotor. Wer bewusst – zum Beispiel in einer 30-km/h-Zone – elektrisch fahren will, kann das durch Tastendruck einfordern. Die Energiereserven der Hochvoltbatterie reichen für etwa zwei Kilometer. Im normalen Fahrbetrieb arbeiten Benziner und E-Maschine in wechselnden Rollen – stets optimiert auf zügige Beschleunigung und minimalen Verbrauch. Für die Kraftübertragung und Leistungsverzweigung nutzt Toyota ein Getriebe mit Planetensatz.

Das klingt und fühlt sich an wie ein stufenloses Getriebe (CVT) – und ist recht gewöhnungsbedürftig mit typischem Gummiband-Effekt: Nach dem Tritt aufs Gaspedal jault der Motor auf, und der Vortrieb setzt erst deutlich später ein. Das nervt. Nur bei gemächlicher Gangart passen Motorengeräusch und die gefühlte Beschleunigung zusammen. Dann verwöhnt der kleine Yaris Hybrid sogar mit angenehm leisem Sound. Das Fahrwerk ist sicher und auf Komfort ausgelegt, und auch die Lenkung des Yaris arbeitet erfreulich direkt.
Holger Ippen