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Toyota Prius (2016): Fahrbericht

Update! Prius IV kann auch quer

Mit dem neuen Prius IV will Toyota ab 2016 noch mehr Europäer begeistern. Im ersten Fahrbericht klären wir, was der Hybrid besser als seine Vorgänger macht und das erste Video zeigt, dass der Hybride an Dynamik gewinnt.

Mit Datenblättern und Messinstrumenten darf man Kojo Toyoshima diesmal nicht kommen. Toyoshima ist Chefingenieur in der Produktplanung von Toyota und wenn er kurz vor dem Japan-Marktstart im Dezember und im Frühjahr bei uns zur ersten kurzen Testfahrt mit dem neuen Prius bittet, tut er sich mit harten Zahlen und nüchternen Fakten ein bisschen schwer. Denn obwohl die vierte Generation des Hybrid-Pioniers, die bei uns wohl um die 30.000 Euro starten wird, mit ihrem schnittigeren, zackigeren Design und dem flacheren Dach einen sehr progressiven Auftritt pflegt und vor allem innen mit viel weißen Kunststoffen im Apple-Stil und kunterbunten Displays sehr viel moderner erscheint, wirkt sie in der Theorie von Prüfständen und Messwerten verdammt nah am Vorgänger. Kein Wunder, wenn sich am so genannten Hybrid-Synergie-Drive mit einem 98 PS starken 1,8-Liter-Benziner und einer nun sogar nur noch 72 PS starken E-Maschine am stufenlosen Automatikgetriebe im Grunde nichts ändert und für die Exportmodelle sogar die antiquierte Nickel-Metall-Hybrid-Technik des Akkus übernommen wird.

Der neue Toyota Prius kann driften? Klar!

Dass Toyoshima trotzdem ein gewinnendes Lächeln auf den Lippen trägt, liegt nicht allein an den 18 Jahren Erfahrung, die Toyota mittlerweile mit der Hybridtechnik hat, an den bald zehn Millionen Teilzeitstromern in mittlerweile 30 Modellreihen, die in dieser Zeit gebaut wurden, und an den über drei Millionen Prius-Fahrern, die der Chief Engineer hinter sich weiß. Sondern es liegt vor allem daran, dass Nummer IV trotz der vermeintlich alten Technik tatsächlich ein neues Fahrgefühlt bietet. „Dabei haben wir uns vor allem die europäischen Anforderungen zu Herzen genommen und an der Kultur des Antriebs gearbeitet“, sagt einer der Motorenentwickler. Deshalb ist der Prius nicht nur besser gedämmt, so dass sich der asthmatische Vierzylinder nicht mehr ganz so vorlaut aufführen kann. Sondern vor allem haben die Japaner das Ansprechverhalten verbessert und die stufenlose Automatik optimiert. Sie lässt den Motor jetzt beim Sprint nicht mehr ganz so quälend lange orgeln, schaltet schneller und früher und leistet damit einen großen Beitrag dazu, dass sich künftig auch Europäer im Prius wohlfühlen werden. Nur an den reinen Eckdaten von etwa 10,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 und dem elektronischen Limit bei 180 km/h wird das wohl erst einmal nichts ändern.

Bildergalerie starten: Erste Fahrt im neuen Toyota Prius 2016

Was noch hilft beim Abbau der Hürden gegenüber dem Hybrid-Bestseller, das ist der neue Zuschnitt des Autos. Die Abmessungen bleiben zwar nahezu unverändert und die sechs Zentimeter mehr Länge gehen vor allem auf das Konto der Crashsicherheit, so dass man innen genauso gut oder schlecht sitzt wie früher und nur der Kofferraum um zehn Prozent auf 502 Liter wächst, weil der Hybrid-Akku nun unter die Rückbank wandert. Doch mit dem Wechsel auf eine neue, globale Plattform im Stil des Modularen Querbaukastens sitzt man im Prius immerhin sechs Zentimeter tiefer als früher. Zusammen mit einem ebenfalls tieferen Schwerpunkt, einer neuen Lenkung und einer neue Hinterachse, schnürt das eine viel engere Verbindung zwischen Fahrer, Fahrzeug und Fahrbahn und lässt den Prius lange nicht mehr so beliebig wirken.

Bildergalerie starten: Hier fährt der Toyota Mirai mit Brennstoffzelle

Thomas Geiger