Fahrbericht: Seat Toledo 1.6 TDI 2013

Der Zwilling

Mit dem neuen Toledo zeigt Seat seinen spanischen Bruder des Skoda Rapid. Probefahrt mit dem Seat Toledo 1.6 TDI

Wenn wir vernünftig wären, wir stünden alle im Frühjahr 2013 Schlange beim Seat-Händler. Diesmal stimmt der alte Spruch tatsächlich, mehr Auto braucht kein Mensch – das ist der Eindruck, der sich schon nach wenigen Kilometer Fahrt im neuen Seat Toledo dem Fahrensmann aufdrängt. Luftig und bequem sitzt es sich hinter dem Lenkrad, umgeben von Instrumenten und Schaltern, die ein so unverkennbares Wolfsburg-Flair verströmen wie ein November- Nachmittag am Mittellandkanal.

Auf die Idee, dass darunter im Wesentlichen die Plattform des VW Golf IV steckt, käme man ebenso wenig wie auf jene, dass dieses Auto ein besonders billiges sein soll. Golf-Format zum Polo- Preis sozusagen. Auch wenn die Kurse für den deutschen Markt noch nicht endgültig feststehen: Ab etwa 14.000 Euro werden die Preislisten vermutlich beginnen. Freilich nicht für den 1.6 TDI mit 105 PS, sondern für den preiswertesten Benziner mit 75 PS.

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Den 1.2 TSI wird es ebenso mit 85 und 105 PS geben, Top-Benziner ist der 122 PS starke 1.4 TSI mit Doppelkupplungsgetriebe. Alles feinste, bewährte Wolfsburger Ware, genau wie der 105-PS-Diesel, der vorerst allerdings nur mit Fünfgang-Schaltgetriebe zu haben ist. Außergewöhnlicher prophetischer Gaben bedarf es nicht, um dem Diesel einen besonders großen Anteil am Toledo-Volumen vorherzusagen.

Er ist – wie in anderen Konzernprodukten – im Seat Toledo eine angenehme Antriebsquelle, gut gedämmt und leise, recht kräftig und voraussichtlich sparsam. Seat vermeldet einen Normverbrauch von 4,4 Liter Diesel je 100 km, was einem CO2- Ausstoß von 114 g/km entspricht. Bei der ersten Ausfahrt über spanische Autobahnen und Landstraßen pendelte der Verbrauch auf dem Bordcomputer zwischen 4,5 und fast fünf Litern; auch das kann sich sehen lassen – und die Fahrleistungen ebenso. Wer jetzt gähnt, wenn er die Zahlen 10,6 von null auf Tempo 100 und eine Spitze von 190 km/h liest, hat dieses Auto nicht verstanden.

HOHER NUTZWERT UND GUTER FAHRKOMFORT IM SEAT

Denn die eigentlich gute Nachricht am Seat Toledo und seinem Zwillingsbruder Skoda Rapid, mit dem er auf gemeinsamen Bändern im Skoda-Stammwerk Mlada Boleslaw gefertigt wird, ist, dass es solche Autos noch gibt. Autos, die sich daran orientieren, was die Kunden brauchen und weniger daran, was man ihnen gern verkaufte.

Autos, denen Nutzwert vor aufgesetzter Sportlichkeit oder modischem Chichi-Kram geht. Die viel Platz für Familie und Gepäck bieten, ordentlichen Fahrkomfort und vernünftige Motoren. Die preiswert sind und nicht bloß billig. So ein Auto ist der Toledo. Auch wenn der direkte Vorgänger der neuen Stufenheck-Limousine ein Flop war, verkauften sich die insgesamt drei Generationen seit 1991 immerhin fast eine Million Mal. Jetzt dürften noch einige dazukommen.
Heinrich Lingner

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